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Landesrektorenkonferenz fordert Erhöhung der Löhne für studentische Hilfskräfte

Freiburg, 07.06.2001

Die Universitäten in Baden-Württemberg sind besorgt um den wissenschaftlichen Nachwuchs, da wegen der schlechten Bezahlung nicht genügend Tutoren und Hilfskräfte gefunden werden können, um den Standard von Forschung und Lehre zu erhalten. Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz Wolfgang Jäger fordert: "Die seit 1993 eingefrorenen Vergütungen müssen endlich erhöht werden." Dass für jede Lohnanpassung der Hilfskräfte an den Hochschulen die Mehrheit der Finanzminister der Bundesländer zustimmen müsse, sei ein dringend reformbedürftiges Verfahren.


Was in anderen Branchen undenkbar wäre, ist für die studentischen Tutoren und Hilfskräfte an den Universitäten im Land Realität: Seit acht Jahren haben sie keine Lohnerhöhung mehr erhalten. Außer ihnen nehmen alle an den Hochschulen Beschäftigten - vom Hausmeister bis zum Professor - automatisch an den Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst teil. Nur für die studentischen Hilfskräfte gilt das nicht, denn 1993 hat die Tarifgemeinschaft der Bundesländer beschlossen, die Anpassungsklausel für ihre Löhne an die Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst zu streichen. Über eine Erhöhung müsste das Gremium der Finanzminister der Bundesländer gesondert entscheiden und eine Mehrheit dafür war angesichts der allzeit knappen Kassen bisher nicht zu erreichen. Dabei geht ohne die studentischen Hilfskräfte, kurz "Hiwis" genannt, vielerorts nichts mehr: sie betreuen Computernetzwerke, halten Tutorien, wirke an Forschungsprojekten mit, ermöglichen lange Öffnungszeiten der Bibliotheken, kurz: für den Ablauf eines geregelten Forschungs- und Lehrbetriebes sind sie unverzichtbar.

Aber mittlerweile finden sich immer weniger Studierende, die bereit sind, für die gemessen an den Anforderungen niedrigen Löhne zu arbeiten: 15,68 DM in der Stunde gibt es ohne Examen, 24,82 DM verdient beispielsweise ein diplomierter Physiker.

"Dieser Zustand ist für die Universitäten untragbar geworden" erklärte der Vorsitzende der in der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg zusammengeschlossenen Universitäten, Wolfgang Jäger, nach Erhalt eines Schreibens des Wissenschaftsministers zu dem Problem. Minister Klaus von Trotha unterstützt zwar das Anliegen der Universitäten, weist aber darauf hin, dass bisher keine Mehrheit der Finanzminister für die Erhöhung zustande gekommen sei. Baden-Württemberg ginge mit den Hilfskraftlöhnen schon an die Obergrenze des Möglichen, während andere Bundesländer die Sätze noch niedriger hielten.

"Die Universitäten brauchen dringend wissenschaftlichen Nachwuchs. Wenn die Studierenden nicht schon im Laufe ihres Studiums an Wissenschaft als Beruf herangeführt werden können, weil sie anderswo mehr verdienen, dann wird letztlich auch das Niveau von Forschung und Technologie im Land leiden", so Wolfgang Jäger weiter. Gerade in den Naturwissenschaften suchten die Fakultäten und Institute händeringend Hilfskräfte. Für viele seien diese Tätigkeiten der Einstieg in konkrete Forschungs- und Lehraufgaben. "Wir können nicht auf der einen Seite das Fehlen von Nachwuchs beklagen und auf der anderen die jungen Menschen mit Löhnen abschrecken, die weit unter dem liegen, was die Wirtschaft für Aushilfen bezahlt."

Wolfgang Jäger hofft unter anderem auf Kultusministerin Annette Schavan, die gegenwärtig den Vorsitz in der Kultusministerkonferenz innehat. Auch von dort müsse endlich Druck auf die Finanzminister kommen. Langfristig sei es aber unumgänglich, dass die Länder mehr Spielraum bekämen, beispielsweise durch einen speziellen Wissenschaftstarifvertrag, der auch die Hilfskraftentlohnungen beinhalte. "Wir brauchen dringend Bewegung bei den Hilfskraftlöhnen. Wer ein zukunftsfähiges Land mit gut ausgebildeten Nachwuchs will, darf hier nicht eine kurzsichtige und sozial ungerechte Sparpolitik unterstützen."


Rückfragen bitte an:
Katharina Kadel
Geschäftsstelle der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg
Telefon 0711 121 4092
Telefax 049 711 121 3297
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