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Ehrendoktor an hochkarätigen Wissenschaftler

Die Mathematische Fakultät verleiht Ehrendoktorwürde an Professor Albert N. Shiryaev

Freiburg, 06.11.2001

Im Rahmen eines Festkolloquiums wurde am Freitag, den 2. November 2001, von der Mathematischen Fakultät die Ehrendoktorwürde an den russischen Mathematiker Professor Dr. Albert N. Shiryaev verliehen. Nach dem Franzosen Georges Reeb ist er erst der Zweite, dem die Fakultät diese Ehre je zuteil werden ließ. Der 67-jährige ist Direktor des Departements für Wahrscheinlichkeitstheorie an der Universität Moskau und leitet gleichzeitig die Abteilung für Stochastik am renommierten Steklov Mathematical Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften. Die Auszeichnung aus Freiburg erhält er für seine grundlegenden Forschungsbeiträge auf dem Gebiet der Stochastik, insbesondere der Stochastischen Prozesse. Solche Prozesse gestatten die mathematische Modellierung von Vorgängen, bei denen Zufall und Unsicherheit eine Rolle spielen, sei es die zufällige Auswahl von Genen beim Entstehen neuen Lebens oder seien es die Kursschwankungen von Wertpapieren an den Börsen, um zwei typische Anwendungen zu nennen.

In den letzten Jahren hat er sich vor allem mit der mathematischen Finanztheorie beschäftigt. Als Konsequenz der Quantifizierung von Risikoprozessen in den Banken und Finanzinstitutionen findet dort eine rasante Entwicklung statt. Auf den Finanzmärkten werden heute Produkte gehandelt, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gab. Ohne hochkarätige Mathematik geht da gar nichts mehr, erklärt sein Freiburger Kollege Professor Ernst Eberlein. Die Beschäftigung mit der Finanzmathematik hat dem Geehrten auch die größte Versuchung beschert: eine der führenden Investmentbanken wollte ihn an die Wall Street holen. Er ist seinen Studenten und Studentinnen treu geblieben. Ganz im Geiste seines Mentors, des großen russischen Mathematikers und Begründers des axiomatischen Wahrscheinlichkeitstheorie, A. N. Kolmogorov, hat er sich immer ganz besonders der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verpflichtet gefühlt. Fast 50 Dissertationen wurden unter seiner Anleitung geschrieben. 16 seiner Schüler haben sich habilitiert. Mehrere wurden auf Professuren ins Ausland berufen, und zwar nach Deutschland, Frankreich, Israel, den USA und Australien. International ist er hoch angesehen. Er war Präsident der Bernoulli Society for Mathematical Statistics and Probability wie auch Präsident der Bachelier Finance Society.
Freiburg, ein "Centre of Excellence" wie er sagt, hat er trotz vieler anderer Auslandsreisen in den letzten 20 Jahren regelmäßig besucht. Mit seinen Gastvorlesungen und Vorträgen hat er das wissenschaftliche Leben am Institut für Mathematische Stochastik in hohem Maße bereichert. Auch dafür ehrt ihn die Fakultät. 1996 erhielt er den Forschungspreis der Alexander von Humboldt Stiftung. Dies ermöglichte ihm einen insgesamt 12-monatigen Aufenthalt in Deutschland.

Körperlich fit hält er sich mit Sport. In jungen Jahren war er Mitglied des studentischen Nationalkaders im Abfahrtslauf. Die Hänge im Schwarzwald haben es ihm deshalb auch heute noch angetan. Zur Entspannung geht er gerne ins heiße Thermalwasser, besonders gern nach Badenweiler. Spätestens auf der Heimfahrt, so die Freiburger Kollegen, wird dann schon wieder über mathematische Probleme diskutiert.

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