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Preise für herausragende Doktorarbeiten

Wissenschaftliche Gesellschaft zeichnet Nachwuchswissenschaftler aus

Freiburg, 03.12.2001

Ihre diesjährigen Forschungspreise verleiht die Wissenschaftliche Gesellschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg an die beiden Nachwuchswissenschaftler Dr. Thomas Krohe von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und an Dr. Martin Kurz von der Medizinischen Fakultät. Die Preisträger erhalten die Auszeichnungen für herausragenden Dissertationen am Freitag, den 07. Dezember 2001, um 18.15 Uhr in der Aula der Universität, Kollegiengebäude I (KGI) der Universität am Werthmannplatz überreicht vom Rektor der Universität, Professor Dr. Dr. h.c. Wolfgang Jäger sowie dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Wissenschaftlichen Gesellschaft, Prof. Dr. Heinrich Vahrenkamp, Institut für Anorganische und Analytische Chemie. Dr. Krohe beschäftigte sich in seiner Arbeit mit dem "Neuen japanischen Sanierungsverfahren in rechtsvergleichender Sicht", während Dr. Kurz über den "Transport von Proteinen in Mitochondrien" arbeitete. Anläßlich der Preisverleihung referieren beide Preisträger über ihr jeweiliges Thema der Dissertation.

Thomas Krohe stellt in seinem Vortrag vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation Japans das neue japanische Sanierungsverfahren von insolventen Unternehmen vor. In seiner Analyse konzentriert er sich zunächst auf die Frage, wie die Rechte und Mitwirkungsbefugnisse der einzelnen Verfahrensbeteiligten, also Schuldner, gesicherte und ungesicherte Gläubiger sowie Arbeitnehmer definiert sind. Insgesamt überrascht in dem neuen japanischen Sanierungsverfahren die starke Stellung des Schuldners. Ungeachtet dessen Verantwortung für die Krise des Unternehmens bleiben seine Geschäftsführungsbefugnisse in der Regel unangetastet. Der Schuldner lenkt daher auch die Durchführung des Verfahrens und entwirft den Sanierungsplan. Nur in besonderen Ausnahmefällen soll ein Vermögensverwalter bestellt werden. Die Befugnisse der Gläubiger sind dem gegenüber auf ein Minimum reduziert. Deshalb bleibt diesen letztlich nur das Recht, an der Abstimmung über den Sanierungsplan teilzunehmen, wobei der Gesetzgeber das erforderliche Zustimmungsquorum auf das Minimum von 50 Prozent reduziert hat. Für den Freiburger Rechtswissenschaftler weckt das neue Verfahren insgesamt Zweifel, ob sich dadurch eine erfolgreiche Sanierung von Unternehmen und der angemessene Ausgleich der Interessen von Gläubigern, Schuldnern und der Allgemeinheit erreichen lassen. Der japanische Gesetzgeber unterwirft die Gläubiger bei der Ausübung ihrer Rechte umfangreichen Beschränkungen. Als Gegengewicht kann hier nur das Gericht fungieren, das vom Gesetzgeber mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet wurde.
So kann man den Eindruck gewinnen, der japanische Gesetzgeber habe angesichts der schweren Rezession im Jahre 1998, danach hatte der Nikkei-Index über 60 Prozent seines Wertes verloren, einseitig die Position des Schuldners und des Gerichts gestärkt, um die Sanierung von insolventen Unternehmen zu begünstigen.

Martin Kurz referiert in seinem Beitrag über die Bedeutung der Mitochondrien, den so genannten Kraftwerken der Zellen aller höheren Lebewesen, die eine komplexe, durch zwei Membranen gegebenen Struktur aufweisen. Die äußere Membran ist durch den Intermembranraum getrennt von der inneren Membran, die den Matrixraum begrenzt. Die meisten mitochondrialen Proteine sind kernkodiert, werden also außerhalb der Mitochondrien synthetisiert und müssen als Vorstufenproteine an ihren Bestimmungsort in den Mitochondrien transportiert werden. Die Information über den Bestimmungsort und den Transportweg der Vorstufenproteine ist in Signalsequenzen enthalten, die terminal abspaltbar oder intern liegen können. Am Transport dieser Vorstufenproteine wirken sowohl in der äußeren als auch in der inneren Mitochondrienmembran spezielle Proteine mit. Die Proteine der äußeren Membran werden als "Tom-Proteine", die der inneren als "Tim-Proteine" bezeichnet.

Im Anschluß an die Preisverleihung hält der langjährige Direktor des Instituts für Biologie II der Fakultät für Biologie, Professor Dr. Dr. h.c. Hans Mohr, den Festvortrag mit dem Thema "Technikfolgenabschätzung als wissenschaftliche Disziplin". Die Technikfolgenabschätzung (TA) stellt neben der wissenschaftlichen Herausforderung zugleich eine gesellschaftliche Aufgabe dar, die Politikberatung und den Diskurs mit der Öffentlichkeit einschließt. Professor Mohr wird an dem Beispiel der Gentechnik-gestützten Biotechnologie die Frage diskutieren, wie die TA-Experten verfahren müssen, um den politischen Technikstreik schrittweise durch eine disziplinierte "Erwägungskultur" zu ersetzten.




Kontakt:

Wissenschaftliche Gesellschaft
Christiane Gieseking-Anz
Albertstr. 21
79104 Freiburg
Tel: 0761/203-5190
Fax: 0761/381488

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