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Landeskonferenz der Frauenbeauftragten an Hochschulen in Baden-Württemberg

Hochschulreform erschwert Karriere für Frauen zusätzlich

Freiburg, 06.03.2002

Frauenbeauftragte an den Hochschulen Baden-Württembergs äußern auf ihrer Landeskonferenz am 22. Februar 2002 in Wiesneck massive Kritik

Die Dienstrechtsreform an den Hochschulen wird von den Frauenbeauftragten an den Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen in Baden-Württemberg scharf kritisiert. Sie hatten sich bereits im Vorfeld vehement gegen Maßnahmen ausgesprochen, mit denen die bestehende strukturelle Diskriminierung von Wissenschaftlerinnen an deutschen Hochschulen fortgeschrieben wird. Besonders die Einführung der Juniorprofessur schafft neue diskriminierende Tatbestände. Die Frauenbeauftragten fordern die Landesregierung Baden-Württembergs nachdrücklich auf, den neuen, Frauen diskriminierenden Tendenzen entgegenzuwirken und sich für Vereinbarkeitsregelungen, Härtefallklauseln und angemessene Übergangsregelungen einzusetzen.

"Die Juniorprofessur setzt de facto auf die stromlinienförmige (männliche) Normalkarriere", kritisierte Professorin Elisabeth Cheauré, Sprecherin der Frauenbeauftragten an den Universitäten, Pädagogischen Hochschulen, Musik- und Kunsthochschulen Baden-Württembergs. Nur wer in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis steht, wird in der Regel auf eine reguläre Professur berufen werden können. Damit werden sogar Qualifikationswege, auf die Frauen bislang vielfach abgeschoben werden (etwa Stipendien), weitgehend verbaut. Die Belastungen, die nach den bestehenden Plänen mit einer Juniorprofessur verbunden sind, schließen die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Laufbahn und Elternverantwortung aus.

Es sind auch keinerlei Anzeichen erkennbar, dass die EU-Forderung, die Stellen mit je minde-stens 40 % Männern und Frauen zu besetzen, umgesetzt wird. Die Auskünfte, die das BMBF auf seiner Hotline und der Homepage (FAQs) gibt, verstärken eher die Befürchtungen, als sie auszuräumen. Hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen sich durch die neuen Befristungsregelungen von Arbeitsverträgen (zum Beispiel auf Drittmittelstellen) zunehmend als "lost generation", die gezwungen ist, sich beruflich völlig neu zu orientieren oder in Länder ab-zuwandern, in denen man ihre Exzellenz schätzt. Dies gilt insbesondere auch für hochqualifizierte Frauen. Gerade auch angesichts der gegenwärtigen Bildungsdiskussion (PISA-Studie) ist ein solches brain-drain nicht verantwortbar.

Trotz verschiedener Ankündigungen wurde damit von der Bundesregierung die Chance vertan, auf faktische Gleichstellung von Frauen und Männern hinzuwirken. Deutschland läuft damit Gefahr, im EU-Vergleich weiterhin auf einem der letzten Plätze und Entwicklungsland in Sachen ?Gleichstellung' zu bleiben.


v.i.S.d.P.:
Prof. Dr. Elisabeth Cheauré
Sprecherin der Landeskonferenz der
Frauenbeauftragten der Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Musik- und Kunsthochschulen
Baden-Württembergs
Universität Freiburg
Werderring 8
79085 Freiburg
Tel: 0761/203-8892
Fax: 0761/203-8893
e-mail: cheaure@uni-freiburg.de


Prof. Dr. Margot Körber-Weik
Sprecherin der Landeskonferenz der
Frauenbeauftragten an Fachhochschulen in
Baden-Württemberg
Fachhochschule Nürtingen/ Standort Geislingen
Bahnhofstraße 62
73312 Geislingen
Tel: 07331/22-485
Fax: 07331/22-500
e-mail: koerber-weik@fh-nuertingen.de

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