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Verleihung der Ehrendoktorwürde an Erzbischof Dr. Saier am 12.7.2002, 18:15 Uhr

Laudatio des Rektors Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Jäger

Freiburg, 12.07.2002

Sehr geehrter Herr Erzbischof Dr. Saier,
sehr geehrter Herr Bischof Dr. Wanke,
sehr geehrte Herren Weihbischöfe,
Spectabilis Windisch,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie als Rektor der Albert-Ludwigs-Universität sehr herzlich zur Graduierungsfeier der Theologischen Fakultät zum Ende des Sommersemesters 2002.
Im Mittelpunkt dieser stilvoll ausgerichteten akademischen Stunde steht die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Theologische Fakultät an Sie, sehr geehrter Herr Erzbischof Dr. Saier. Aus den Akten ist zu ersehen, dass die Theologische Fakultät nur selten eine Ehrenpromotion vornimmt. Der Glückwunsch zu Beginn meines Grußwortes geht daher in eine doppelte Richtung:
Ich freue mich, sehr geehrter Herr Erzbischof, darüber für unsere Universität und beglückwünsche Sie dazu, dass Sie in wenigen Augenblicken die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität erhalten werden. Gleichzeitig beglückwünsche ich die Theologische Fakultät dazu, dass sie dem Bischof der Erzdiözese Freiburg und dem realen, wenn auch nicht nominellen Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät den Dr. theol. h.c. verleiht.
Am Ursprung unserer Universität steht 1457 neben der Philosophie, der Jurisprudenz und der Medizin die Theologie.
Es ist ein schönes Zeichen für die geschichtliche Bedeutung der Theologie, dass sie in der Reihe aller Fakultäten unserer Universität an erster Stelle genannt wird. Auf eine lange, abwechslungsreiche und fruchtbare Zeit darf die Theologische Fakultät zurückblicken. Sie gehört zu den renommiertesten theologischen Fakultäten im deutschen Sprachraum.
Ich betone deutlich, dass die wissenschaftlich reflektierte Rede von Gott, Theologie also, in unserer Gesellschaft nicht verstummen darf. Theologie darf im Kreis der Wissenschaften nicht fehlen.

Gerade vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen muss man die Mahnung von Horkheimer und Adorno ernst nehmen, wonach die humane Rationalität in Wahnsinn umschlägt, wenn die wissenschaftliche Vernunft auf die instrumentelle Rationalität reduziert wird und darüber hinaus kein anderes Wissen würdigt.

Karl Rahner, der bedeutende Freiburger Theologe des letzten Jahrhunderts, bringt die in dieser Mahnung enthaltene Sorge theologisch auf den Punkt: Mit dem Verlust auch der wissenschaftlichen Rede von Gott stünde der Mensch in der Gefahr, nicht mehr vor das Ganze seines Daseins gebracht zu werden.
"Der Mensch hätte das Ganze und seinen Grund vergessen und zugleich vergessen ..., dass er vergessen hat. Er würde aufhören, ein Mensch zu sein. Er hätte sich zurückgekreuzt zum findigen Tier." Ich plädiere also für theologische Fakultäten an staatlichen Universitäten.

Gleichwohl gilt es nüchtern wahrzunehmen, dass sich die Universitäten unter großem Innen- und Außendruck rapide und drastisch verändern. So manches Gewohnte und Liebgewordene kann nicht mehr erhalten bleiben. Ob die politischen Ideen, die diese Vorgänge auslösen, dabei immer sinnvoll sind, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Jedenfalls werden sich auch die theologischen Fakultäten auf Dauer Veränderungsprozessen nicht verschließen können. Gerade um des Verbleibs einer theologischen Fakultät an einer staatlichen Universität willen brauchen wir konzeptionelle und strukturelle Neuüberlegungen, auch auf höchster Ebene. Die Freude an diesem Abend möge daher auch zum Auftrag für die Zukunft werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich freue mich, daß mit Herrn Erzbischof Dr. Saier heute eine Persönlichkeit geehrt wird, die unsere Universität stets unterstützt hat.

Er hat für unsere Anliegen immer ein offenes Ohr gehabt, nicht nur in Angelegenheiten der Theologischen Fakultät. Besonders hat mich gefreut, daß er es sich trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen nicht hat nehmen lassen, häufig an Feierstunden der Universität Freiburg teilzunehmen.
Sehr geehrter Herr Erzbischof, ich danke Ihnen an dieser Stelle sehr herzlich für Ihr Engagement; Sie sind ein wahrer Freund der Albert-Ludwigs-Universität.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich wünsche uns eine würdige Feierstunde und danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.