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Immundefekte

Mehr Wissen ist nötig

Freiburg, 13.09.2002

Was es heißt, ein "schwaches" Immunsystem - einen Immundefekt - zu haben, wird in Freiburg in nationalen und internationalen Schwerpunkten erforscht. Wie nötig verstärkte Forschung auch über die Grenzen von einzelnen Fachgebieten hinaus ist, wie wichtig mehr und breiteres Wissen um Ursachen und Therapien ist, macht die Leidensgeschichte eines Patienten deutlich, der von den Immunologen und Rheumatologen im Freiburger Universitätsklinikum unter der Leitung von Prof. Dr. Hans H. Peter behandelt wurde.

Aus heiterem Himmel wird Patient B. morgens mit einem "dicken Knie" wach, das zunächst wieder verschwindet, aber dann geschwollen bleibt. Damit beginnt für unseren Patienten im Oktober 2001 eine über neun Monate dauernde Leidensgeschichte. Eine Odyssee von Arzt zu Krankenhaus, zu Arzt und wieder ins Krankenhaus, hin und her und ohne Besserung. Flüssigkeit wird dem Knie entzogen, Ultraschall, Kernspin-Tomographie und die erste Arthroskopie werden durchgeführt: Der Arzt entdeckt im Knie eine Zyste. Die Zyste wird entfernt, gegen die verursachenden Bakterien bekommt Patient B. ein Antibiotikum. Dieser Eingriff ist der erste von insgesamt 15 Eingriffen, die unser Patient in seiner Leidenszeit mitmacht. Einige Tage nachdem die Zyste entfernt wurde, bekommt er Fieber. Laborwerte zeigen eine Entzündung an, erneute Antibiotika bringen kaum Besserung, dem Knie und dem Patienten geht es weiter schlecht. Er hat Schmerzen, nach jedem Eingriff, der eigentlich Besserung bringen soll, bekommt er Fieber, dessen Verlauf er inzwischen schon besser kennt, als seine Ärzte. Er kann kaum gehen und die Verzweiflung steigt. Die Ärzte wissen bei immer neuen Einweisungen ins Krankenhaus nicht mehr, wie sie dem "Sorgenkind" helfen sollen. Nach fast neun Monaten bekommt er den - privaten -Tipp, sich bei den Spezialisten für Immunologie und Rheumatologie im Universitätsklinikum Freiburg vorzustellen.

Hier bestätigt sich schnell der Verdacht auf einen Antikörpermangel, das "variable Immundefektsyndrom" (CVID). Eine Therapie speziell gegen den Erreger seiner Knochenentzündung kombiniert mit Immunglobulinen, die den Antikörpermangel von Patient B. ausgleichen können, bringt endlich Besserung. Prof. Dr. Hans H. Peter: "Der Fall macht die Notwendigkeit von verstärkter, interdisziplinärer Forschung und auch Fortbildung von Medizinern auf drastische Weise deutlich. Wäre der Immundefekt erkannt worden, wäre dem Patienten viel erspart geblieben." In Freiburg haben Prof. Peter und weitere Forscher einen europäischen Forschungsverbund mit zehn Zentren sowie einen neuen Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft initiiert, an dem das Universitätsklinikum Freiburg, das Institut für Biologie III der Universität und das Max-Planck-Institut für Immunbiologie beteiligt sind.


Kontakt:
Prof. Dr. Hans H. Peter, Ärztlicher Direktor
Abt. Immunologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg
Tel.: 0761 270 3448
Fax: 0761 270 3446, E-mail: peter@mm61.ukl.uni-freiburg.de

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