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Dies universitatis: Albert-Ludwigs-Universität ehrt herausragende Persönlichkeiten

Rektor Jäger beurteilt den Stellenwert der Universität Freiburg vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussion um Elitehochschulen

Freiburg, 17.06.2004

Im Rahmen des diesjährigen Dies Universitatis der Albert-Ludwigs-Universität am heutigen Mittwoch, den 16. Juni 2004 hat der Rektor der Universität, Professor Dr. Dr. h.c. Wolfgang Jäger, herausragende Persönlichkeiten mit der Verleihung der Ehrensenatorenwürde sowie der Universitätsmedaille ausgezeichnet.

Mit der höchsten Auszeichnung der Universität, der Verleihung der Würde eines Ehrensenators, ehrt die Alberto Ludoviciana in diesem Jahr sowohl den ehema-ligen Leiter der Planungsstelle für medizinische Universitätsbauten, Professor Dr. Walter Gabelmann, den Vorsitzenden der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG, Dr. Norbert Nothelfer, den Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Lehrbeauf-tragter für Steuerrecht, Dr. Felix Stilz und den Vorsitzenden des Vorstandes der AESCULAP-AG, Tuttlingen, Professor Dr.Dr.Dr. h.c. Michael Ungethüm. Mit der Universitätsmedaille, sind in diesem Jahr die Alt-Prorektoren, Professor emeri-tus Dr. Klaus-Werner Benz, Kristallografisches Institut der Universität, Professor Dr. Gerhard Oesten, Institut für Forstökonomie Institut der Universität, und Pro-fessor Dr. Dr. h.c. Stefan Pollak, Institut für Rechtsmedizin der Universität sowie der Vorsitzende des Vorstandes des Universitätsklinikums Freiburg, Professor Dr. Dr. h.c. Hermann Frommhold, ausgezeichnet worden.

Der Freiburger Universitäts-Rektor nutze den Festakt ebenfalls zu einer kurzen Standortbestimmung der Alberto Ludoviciana sowie zu einer pointierten hoch-schulpolitischen Analyse: Der Dies universitatis, so Jäger, zeuge vom Wettbe-werb der besten Köpfe. Die zahlreichen Preise, die Angehörige der Albert-Ludwigs-Universität in den letzten Monaten und Jahren erhalten haben, wiesen zum einen die exzellente Befähigung der Geehrten als Einzelpersönlichkeiten, zugleich aber auch die guten Rahmenbedingungen an der Freiburger Alma mater zur Verwirklichung solcher Leistungen aus. Preise seien Ausdruck des erfolgrei-chen Bestehens in einem immer härteren Wettbewerb um wissenschaftliche Ex-zellenz und die dadurch erschließbaren Ressourcen. Ein weiterer bedeutender Ausweis der Exzellenz in Forschung und Lehre seien darüber hinaus die unab-hängige Rankings. Rektor Jäger: „In den vergangenen Monaten und Jahren hat sich eins ums andere Mal bestätigt, daß die Universität Freiburg zu den führen-den Universitäten zählt. Sie rangiert bei den Forschungsrankings des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) vom November 2002 und Dezember 2003 je-weils neben Berlin und München unter den drei Top-Forschungsuniversitäten Deutschlands. Acht von zwölf untersuchten Fakultäten wurden dabei als for-schungsstark klassifiziert. In den vom CHE mit dem „Stern“ im April 2003 und April 2004 vorgelegten Hochschul-Rankings der Studienbedingungen liegen gleich neun bzw. acht unserer untersuchten Fächer auf einem Spitzenplatz.“

Ferner verwies der Rektor in seiner Ansprache darauf hin, dass in der Förder-rangliste der DFG vom Juni 2003 die Universität Freiburg wiederum auf den vor-deren Plätzen rangiere, gemessen an den Fördermitteln pro Professorin oder Professor hinter München sogar an zweiter Stelle. Die Europäische Union ordne im „citation impact score“ die Universität Freiburg auf Platz 6 der besten europäi-schen Universitäten ein, nach Cambridge, Oxford und hinter München als zweit-beste deutsche Universität. In der Förderliste des DAAD zähle Freiburg zu den zehn besten Universitäten, beim Studierenden- und Dozentenaustausch im So-krates/Erasmus-Programm belegt die Universität Freiburg Platz 7 unter 244 Hochschulen. Im aktuellen Hochschul-Ranking des Job- und Wirtschaftsmaga-zins „Junge Karriere“/Handelsblatt mit der Unternehmensberatung Kienbaum belege die Universität Freiburg bei der Ausbildungsqualität gemäß der Bewertung durch Personalchefs ebenfalls einen Platz in der Spitzengruppe. Bei all diesen Bewertungen schnitten sowohl Natur- wie Geisteswissenschaften und die Medi-zin gut ab.

Besonders hervorzuheben sei, dass die Albert-Ludwigs-Universität bei dem vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Landesstiftung Baden-Württemberg ausgeschriebenen Wettbewerbsprogramm für vorbildliche Projekte zur Auswahl von Studienbewerbern im März 2004 mit ihrem zukunftsweisenden „Freiburger Studierenden-Auswahl-Modell“ ausgezeichnet worden sei und man dieses als Modell-Universität in den nächsten drei Jahren realisieren werde. Als einziges Konzept beziehe das Freiburger Modell die gesamte Hochschule sowie sowohl die nationalen wie die internationalen Studierenden ein. Die regelmäßige externe und unabhängige Evaluation von Fächern und Studiengängen sowie die Gesamtzahl begutachteter Drittmittelprojekte bei der DFG stellen der Universität Freiburg ebenfalls ein gutes Zeugnis aus. Nicht überraschend sei es daher ge-wesen, dass das ZDF die Albert-Ludwigs-Universität im Rahmen des „heute journals“ im Januar 2004 ausführlich als Musterbeispiel einer deutschen Elite-Universität portraitiert habe.

Auch zur aktuellen Diskussion über einen Wettbewerb als Elite-Universität bezog Rektor Jäger Stellung: „Selbstverständlich werden wir uns an dem vom Bundes-forschungsministerium ausgerufenen Wettbewerb zur Förderung als Spitzenuni-versität beteiligen. Die Albert-Ludwigs-Universität verfügt über exzellente Bedin-gungen, um sowohl als Gesamtuniversität als auch mit international renommier-ten Forschungsverbünden und Graduiertenschulen in die Prämierung aufge-nommen zu werden. Lassen Sie mich an dieser Stelle betonen, daß unsere Be-teiligung an der Ausschreibung nicht bedeutet, daß wir von dem dahinter stehen-den Konzept unbedingt überzeugt sind. Die von Bund und Ländern zur Verfü-gung gestellten Mittel reichen bei weitem nicht aus, um mit amerikanischen Elite-Universitäten ernsthaft zu konkurrieren. Diese verfügen über Milliardenbudgets, die sich aus den gänzlich anderen Hochschulverhältnissen der USA erklärt. Dazu gehören auch hohe Studiengebühren. Zwar wird der Wettbewerb mit dem be-rühmt-berüchtigten Titel ‚brain up!‘ also keine Harvards bei uns entstehen lassen. Die durch den Wettbewerb angestoßene Diskussion um Eliteförderung und die Bedürfnisse der deutschen Universitäten hat jedoch der Hochschulpolitik wieder breite Beachtung und neue Akzeptanz in der Öffentlichkeit verschafft. Für deut-sche Universitäten sind die in Aussicht stehenden Mittel zudem durchaus nen-nenswert, soweit diese nicht an anderer Stelle für die Hochschulpolitik gleich wieder eingespart werden. Die Gelder werden uns hoffentlich helfen, exzellente Bereiche weiter auszubauen. Im Ergebnis wird sich in Deutschland eine kleine Gruppe von Universitäten im Wettbewerb herauskristallisieren, die ihre Stärken in einzelnen Forschungsbereichen und Verbünden weiter steigern und somit inter-national noch konkurrenzfähiger darstellen kann. Dies entspricht im übrigen durchaus amerikanischen Verhältnissen. Keine der sogenannten Elite-Universitäten ist in allen Fachbereichen exzellent. Auch dort überstrahlt das Licht so manchen Schatten. Wir brauchen daher unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Als klassische Volluniversität mit anerkannten Centers of Excellence in den Geistes-, Natur- und Angewandten Wissenschaften sowie in der Medizin, international auch mit der außeruniversitären Forschung und mit der Wirtschaft vernetzt, haben wir gute Chancen, den nationalen und internationalen Wettbe-werb um kluge Köpfe und Ressourcen zu bestehen.“

Letztlich, so der Rektor, werde viel davon abhängen, ob es Deutschland insge-samt gelinge, aus der wirtschaftlichen und auch sozio-kulturellen Talsohle her-auszufinden. Eine Universität werde immer auch im Kontext ihres Herkunftslan-des betrachtet. Jäger: „Ich wage die These, daß keine Universität internationale Attraktivität ausstrahlt, wenn das sie beherbergende Land politisch und kulturell nicht als zukunftsweisend beurteilt wird. Daher müssen Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien und Universitäten an einem Strang ziehen, um dringend notwendige Re-formen durchzusetzen, eine Aufbruchstimmung zu fördern und Erfolge überzeu-gend zu vermitteln. Dann ist mir um die Zukunftsfähigkeit deutscher Spitzenuni-versitäten nicht bang.“

Im Rahmen des diesjährigen Dies universitatis verlieh der Freiburger Univeritäts-rektor außerdem den Frauenförderpreis 2003 der Albert-Ludwigs-Universität. Mit der Verabschiedung der Neufassung des Frauenförderplans für wissenschaft-lich tätige Frauen und für Studentinnen vor etwa acht Jahren hatte der Senat der Universität beschlossen, jährlich einen Preis zu verleihen, um besondere Lei-stungen und besonderes Engagement für die Frauenförderung an der Alberto Ludoviciana zu würdigen. Mit der Vergabe dieses Preises untermauere die Uni-versität nach Ansicht von Rektor Jäger ihren festen Willen, die vom Universitäts-gesetz vorgeschriebene und verfassungsrechtlich gebotene Chancengleichheit von Frauen und Männern herzustellen sowie bestehende Nachteile für wissen-schaftlich tätige Frauen und für Studentinnen zu beseitigen. Auf Beschluss des Senats der Universität erhalten zwei Initiativen diese Auszeichnung: das Projekt Justitia-Mentoring der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sowie Frau Marion Freund für ihre Dissertation „Schriftstellerinnen und die Revolution 1848/49“.

Der Senat würdige, so Jäger in seiner Laudatio, mit der Wahl des Projekts Justi-tia-Mentoring dessen Unterstützung von Jurastudentinnen. In der Rechtswissen-schaft wie in vielen anderen Bereichen nehme der Anteil der Frauen vom Studi-um über die verschiedenen akademischen Qualifikations- bis in die höchsten beruflichen Karrierestufen eklatant ab. Das Justitia-Mentoring Programm unter-stütze Jurastudentinnen, indem ihnen ehemalige Studentinnen bzw. Doktoran-dinnen der juristischen Fakultät als Mentorinnen beratend zur Seite stehen. Die Netzwerkbildung auf Mentorinnen- und Mentée-Ebene werde durch regelmäßige Treffen und ein Online-Forum gefördert. Daneben würden Gruppenveranstaltun-gen angeboten, in denen gezielt vor allem bei Frauen auftretende Probleme im juristischen Studium angegangen werden. Somit könne man den zu erwartenden Problemen schon auf einer sehr frühen Qualifikationsstufe und daher mit der Aussicht auf nachhaltige, in das Berufsleben hineinreichende Wirkung begegnen.

Die Dissertation von Marion Freund „Schriftstellerinnen und die Revolution von 1848/49“ wurde von allen drei Gutachtern mit „summa cum laude“ und als im Range einer Habilitation stehend bewertet. Die Doktorarbeit ist zehn Autorinnen gewidmet, die als Politikerinnen, Kämpferinnen, Publizistinnen und Dichterinnen in der 1848er Revolution besonders hervorgetreten sind. In vorbildlicher Weise werden in dieser Dissertation Literaturgeschichte, Geschichte der Publizistik und politische Geschichte aufeinander bezogen. In einer ausführlichen Darstellung wurden erstmals demokratische Frauenzeitschriften in ihren Zielsetzungen, Inhal-ten und ihren Angriffen dargestellt. Auf der Ebene der Publizistikgeschichte wird nach Einschätzung der Gutachter ein neuer Forschungsstand geschaffen. Daher, so Rektor Jäger, werde die Dissertation von Frau Freund wird als einzigartige Leistung bewertet: „Dem Buch wird der Rang eines Standardwerks für die Erfor-schung der politischen Publizistik von Frauen und allgemein der Vor- und Nach-märzzeit zugesprochen. Frau Freund wird für ihre Dissertation mit dem Frauen-förderpreis ausgezeichnet, da auf diesem Wege nicht nur eine exzellente Wis-senschaftlerin geehrt, sondern auch das Werk von Frauen in der Geschichte sichtbar gemacht wird, wie es ein wesentliches Anliegen der Frauenforschung ist.“

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