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Darf man die Natur des Menschen verändern?

Bioethik-Nachwuchsgruppe der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität wird von Bundesministerium gefördert

Freiburg, 23.09.2004

Am Zentrum für Ethik und Recht in der Medizin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für fünf Jahre eine Nachwuchsforschergruppe. Dieses mit knapp 650.000 Euro ausgestattete Projekt, das ab dem 1. Oktober 2004 beginnt, ist das zweite Bioethik-Großprojekt, das an der Universität Freiburg unter der Leitung des Bioethikers Privatdozent Dr. Giovanni Maio realisiert wird. Mit dem Biologen und Philosophen Jens Clausen als Nachwuchsgruppenleiter wird es die Frage nach der „Relevanz der Natur des Menschen als Orientierungsnorm der biomedizinischen Ethik“ in einem interdisziplinären Team bearbeiten, an dem Philosophen, Theologen, Rechtsphilosophen, Biologen und Mediziner beteiligt sind. Ausgangspunkt des neuen Projektes ist die Tatsache, dass die moderne Molekularbiologie im Bereich der Lebenswissenschaften die menschliche Natur in einer Weise verfügbar und veränderbar gemacht hat, wie es noch vor kurzem kaum denkbar gewesen wäre.

Die grundlegende Veränderbarkeit der Natur des Menschen ist für die biomedizinische Ethik in zweifacher Weise bedeutsam. Zum einen lässt sie die Frage aufkommen, in welcher Weise diese Techniken die Vorstellung vom Menschen und der Natur des Menschen verändern werden. So steht zu erwarten, dass sich der Mensch in Zukunft immer mehr als ein in gewisser Weise „hergestellter“ Mensch begreifen wird. Zum anderen stellt sich bei dieser Entwicklung umso drängender die Frage, ob es einen Kerngehalt des Menschen gibt, der einer Veränderung durch den Menschen entzogen werden muss und wie dieser Kerngehalt definiert werden kann. Diese Fragestellungen zielen alle auf die Zentralfrage ab, welche Rolle das Kriterium der Natur des Menschen für die ethische Bewertung von Techniken spielen kann und darf. Die interdisziplinäre Nachwuchsforschergruppe wird zunächst eine Typologisierung und Systematisierung unterschiedlicher Naturbegriffe und anthropologischer Grundpositionen vornehmen. In einem zweiten Teil wird das Natürlichkeitsargument in Bezug auf die Technisierung des menschlichen Körpers und in Bezug auf seine Verwendbarkeit als Norm ärztlichen Handelns untersucht.


Da die Frage nach der Normativität der Natur des Menschen für viele zukünftige Entwicklungen der Medizin und Biologie eine zentrale Bedeutung einnimmt, will man mit diesem Projekt frühzeitig versuchen, die Frage zu beantworten, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Weise die Natur des Menschen verändert werden soll und unter welcher Vorannahme eine Veränderung der Natur des Menschen in Widerspruch zum Selbstverständnis des Menschen gerät.


Kontakt:
PD Dr. Giovanni Maio
Zentrum für Ethik und Recht in der Medizin
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Elsässer Strasse 2m,1a
79110 Freiburg
Tel. 0761-270-7267
Email: giovanni.maio@uniklinik-freiburg.de

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