Artikelaktionen

Sie sind hier: Startseite Newsroom Pressemitteilungen … Dies Universitatis: …

Dies Universitatis: Albert-Ludwigs-Universität ehrt herausragende Persönlichkeiten

Sperrfrist 15.6.2005, 19 Uhr

Freiburg, 15.06.2005

Rektor Jäger beurteilt den Stellenwert der Universität Freiburg vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Studiengebühren


Im Rahmen des diesjährigen Dies Universitatis der Albert-Ludwigs-Universität am heutigen Mittwoch, den 15. Juni 2005, hat der Rektor der Universität, Professor Dr. Wolfgang Jäger, herausragende Persönlichkeiten mit der Ehrensenatorenwürde sowie der Universitätsmedaille ausgezeichnet.

Mit der höchsten Auszeichnung der Universität, der Verleihung der Würde eines Ehrensenators, ehrt die Universität Freiburg in diesem Jahr den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein Karlhubert Dischinger und den Vorstand der Eva Mayr-Stihl-Stiftung, Waiblingen Robert Mayr.
Mit der Universitätsmedaille, sind in diesem Jahr Professor Dr. Dieter Mertens vom Historischen Seminar der Universität sowie der ehemalige Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Dr. Torsten Hünke von Podewils ausgezeichnet worden.
Der Rektor, Professor Dr. Wolfgang Jäger, verlieh bei der Veranstaltung außerdem den Frauenförderpreis 2005 der Albert-Ludwigs-Universität. Vor neun Jahren hat der Senat anlässlich der Verabschiedung der Neufassung des Frauenförderplans für wissenschaftlich tätige Frauen und für Studentinnen beschlossen, jährlich einen Preis zu verleihen, um besondere Leistungen und besonderes Engagement für die Frauenförderung an der Universität zu würdigen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Mit der Auszeichnung wird in diesem Jahr Astrid Sutor, Doktorandin am Forstzoologischen Institut der Universität, geehrt.

Der Freiburger Universitäts-Rektor nutzte den Festakt zu einer hochschulpolitischen Analyse. Der Dies Universitatis, so Jäger, zeuge vom Wettbewerb der besten Köpfe. Die zahlreichen Preise, die Angehörige der Albert-Ludwigs-Universität in den letzten Monaten und Jahren erhalten haben, wiesen zum einen die exzellente Befähigung der Geehrten als Einzelpersönlichkeiten, zugleich aber auch die guten Rahmenbedingungen an der Freiburger Alma Mater zur Verwirklichung solcher Leistungen aus. Preise seien Ausdruck des erfolgreichen Bestehens in einem immer härteren Wettbewerb um wissenschaftliche Exzellenz und die dadurch erschließbaren Ressourcen.
Ein weiterer bedeutender Ausweis der Exzellenz in Forschung und Lehre seien darüber hinaus die unabhängigen Rankings. Rektor Jäger: „Die Albert-Ludwigs-Universität hat sich dort als eine Top-Universität etabliert, die gerade durch die Leistungsdichte über die gesamte Fächerbandbreite - bei einigen herausragenden Spitzenfächern - große Anerkennung genießt. Wir sehen uns dadurch in unserer strategischen Ausrichtung bestätigt, diese Fächerbandbreite als eigenständiges Profil sowie als Urgrund für herausragende Leistungen auch weiterhin zu erhalten und zu pflegen. Denn es ist gerade die Interdisziplinarität, die Spitzenleistungen fördert. Es sind oftmals die Grenzbereiche der Fächer, in denen bahnbrechende Fortschritte erzielt werden. Wir setzen daher mehr denn je auf den Dialog der Disziplinen, auch und gerade zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften. Unsere Politik, alle Fächer daran zu messen, inwieweit sie zum Leistungsprofil der Gesamtuniversität beitragen, hat sich bewährt.“

Die Universität Freiburg setzt auf die enge Vernetzung innerhalb der Universität, aber auch regional, national und international mit anderen Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstitutionen. Letzterem Aspekt komme eine ständig steigende Bedeutung zu, so Jäger. Die Universitäten werden nur dann international konkurrenzfähig bleiben, wenn es gelingt, sie noch stärker mit der außeruniversitären Forschung zu vernetzen. Daher genieße für die Universität Freiburg die enge Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft, den Fraunhofer-Instituten und anderen Institutionen hohe Priorität.
Ein weiterer Schwerpunkt in der Rede des Rektors galt dem bevorstehenden Universitätsjubiläum im Jahr 2007. „Wir wollen mit allen Angehörigen der Universität, aber auch allen Bürgerinnen und Bürgern, Stadt, Region, Gesellschaft, Wirtschaft, Öffentlichkeit und Kultur das 550jährige Bestehen feiern und zugleich für uns werben", sagte Jäger. Aktionen mit und für die Universität seien gewollt. Andererseits lege die Universität Wert darauf, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden und dies beispielhaft zu demonstrieren.
Gemeinsam mit der Stadt Freiburg bewirbt sich die Albert-Ludwigs-Universität um den Titel „Stadt der Wissenschaft“. Die Auswertung der Aktivitäten bisheriger Siegerstädte zeige, so Jäger, dass noch viel Arbeit ansteht, Freiburg als Wissen-schaftsstandort in eine aussichtsreiche Position zu bringen. Dabei seien alle Voraussetzungen gegeben, um erfolgreich abzuschneiden. Freiburg werde in seiner Struktur, in praktisch allen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Räumen, von der Universität, den anderen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Bildungsinstitutionen geprägt. „Freiburg ist eine Stadt der Wissenschaft“, erklärte Jäger. „Wir müssen es schaffen, dies in Form innovativer Projekte nach außen zu tragen sowie die Bevölkerung, Wirtschaft und Kultur zur aktiven Mitgestaltung zu gewinnen.“
Jäger möchte bei allen Aktivitäten die Studierenden im Mittelpunkt sehen. Auch zur geplanten Einführung von Studiengebühren bezog der Rektor Stellung: „Mit der Einführung von Studiengebühren werden die Studierenden nicht mehr nur indirekt von den aus Steuergeldern finanzierten Leistungen der Universität profitieren, sondern als Gebührenzahler einen viel unmittelbareren Anspruch auf Leistungen erwerben. Dies stellt das Selbstverständnis der Studierenden, aber auch mancher Hochschullehrerinnen und lehrer vor neue Herausforderungen.“
Zudem wird man den Studierenden dann auch kaum eine stärkere Mitsprache bei der Gestaltung der von ihnen mitfinanzierten Universität verweigern können, so Jäger.
Der Freiburger Rektor mahnt aber auch an, dass die Studierenden ihre Interessen sehr viel konsequenter organisieren und verfolgen. Mit steigender Beteiligung an Universitätswahlen werden breiter legitimierte, professionellere und strikt ergebnisorientierte Gremien entstehen, so Jäger weiter, mit denen sich die Universitätsleitung auseinandersetzen muss. Dies kann der Qualitätssicherung der Lehre, seiner Meinung nach, nur gut tun. Nach Einschätzung Jägers führen manche Formen des Protests, ebenso ins politische Abseits wie manche Forderun-gen der Studierenden. Auf der anderen Seite formiere und artikuliere sich ein neu erwachtes Interesse an Hochschulpolitik und Bildungsinhalten, das zu einer stärkeren Mobilisierung der Studierenden für ihre Universität beitrage. Nach Meinung von Professor Jäger streiten Universitätsführung und Studierende in vielen Fragen Seite an Seite – auch wenn dies durch allzu plakativen Aktionismus kleiner Gruppen manchmal in den Hintergrund zu treten drohe. Der Rektor sieht die Chance zu partiellen, themenbezogenen Zweckbündnissen bei dem Versuch, die Politik für die Anliegen der Universität zu gewinnen.

Für Jäger seien Studiengebühren nur dann denkbar, wenn sie keinem am Studium interessierten und hierfür geeigneten Studieninteressenten Steine in den Weg legen, sozial ausgewogen, mit Härtefallregeln sowie großzügigen effektiven Stipendiensystemen verbunden sind und wenn die Gebühreneinnahmen ohne Kompensation auf anderen Finanzfeldern den Universitäten ungeschmälert für die Verbesserung der Lehre zur Verfügung stehen, betonte er in seiner Rede. Ein solches System werde die Universität voranbringen und dazu beitragen, die Konkurrenzfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen auf dem internationalen Stellenmarkt zu verbessern. Jäger mahnte aber auch, es dürfe nicht vergessen werden, dass angesichts der zunehmenden Last für die Universitäten trotz Studiengebühren nicht nur gleich bleibende, sondern gesteigerte Ressourcenleistungen des Staates notwendig würden. In Verhandlungen mit der Landesregie-rung über einen neuen Solidarpakt werde die Universitätsleitung versuchen, mit Argumenten zu überzeugen. Ansonsten sieht Jäger die Gefahr, dass die Universität Freiburg ihre erfolgreiche Fächerbandbreite nicht ungeschmälert erhalten könne, von einer Fortentwicklung zu einer international konkurrenzfähigen Spitzen-Universität ganz zu schweigen.
Zuletzt sprach Professor Jäger noch die Formulierung einer neuen Grundordnung für die Universität an. Auf einer universitätsinternen Veranstaltung in der letzten Woche hat das Rektorat den Stand der Beratungen der zuständigen Senatskommission sowie eigene Vorschläge vorgestellt und mit den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert. Auf diese Weise schaffe die Universitätsleitung in Übereinstimmung mit dem neuen Landeshochschulgesetz eine weitere wichtige Grundlage, um die Albert-Ludwigs-Universität auch in den kommenden Jahren erfolgreich führen zu können.


Den Festvortrag hielt Professor Dr. Karl Christoph Klauer, Institut für Psychologie, Abteilung Sozialpsychologie und Methodenlehre und Träger des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises 2004 zu Thema „Soziale Erleichterung“.

abgelegt unter: