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Das Erdbeben von Lissabon 1755 – Schockwellen für das geistige Europa und Ansporn für die moderne Erbebenforschung

Heidelberger Akademie der Wissenschaften lädt zu ihrer Öffentlichen Sitzung in Freiburg

Freiburg, 10.10.2005

Als vor fast genau 250 Jahren, am 1. November 1755, ein gewaltiges Erdbeben die Metropole Lissabon erschütterte und eine darauf folgende Flutwelle Tausende von Menschen in den Tod riss, hinterließ dieses Ereignis ebenso gewaltige Risse im Weltbild der Frühaufklärung. Die Frage, wie ein gütiger Gott solches Unglück – scheinbar blind – über eine ganze Stadt bringen könne, entzweite die Gemüter. Ganze Generationen von Theologen, Philosophen und Schriftstellern wurden von diesem Ereignis geprägt und suchten es auf unterschiedliche Weise zu deuten. „Das Beben von Lissabon löste im geistigen Europa des 18. Jahrhunderts eine heftige Diskussion über die Gerechtigkeit Gottes und die Vernünftigkeit der Welt aus. Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean vom Dezember 2004 verleiht dem Thema über den Erinnerungstag hinaus unerwartete Aktualität“, so Prof. Dr. Volker Sellin, Sekretar der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Am Samstag, den 22. Oktober 2005, um 10.30 Uhr
in der Aula der Universität Freiburg, Werthmannplatz 3,

lädt die Heidelberger Akademie in ihrer auswärtigen öffentlichen Sitzung alle an dem Thema Interessierten ein. In vier Vorträgen wird das Lissabonner Erdbeben in seiner Bedeutung wissenschaftlich neu reflektiert. Welche geologischen Bedingungen damals zur Katastrophe führten, schildern am Vormittag Prof. Dr. Althaus und Prof. Dr. Friedemann Wenzel. Wenzel, Leiter der Forschungsstelle „World Stress Map“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, plädiert mit Nachdruck für die Einrichtung eines Tsunami-Frühwarnsystems auch für Europa. Denn nach wie vor sind die Küsten Spaniens, Portugals und Nordafrikas gefährdet. „Wir müssen wirksame Mittel gegen solche Extremereignisse finden, denn die Gefahr ist real. Dies ist eine Lehre, die wir aus dem Beben von 1755 ziehen sollten“, so Wenzels Einschätzung.
Welche weitreichenden Erschütterungen das Lissabonner Erdbeben für die Theologie, die Literatur und die Philosophie bedeuteten, zeigen am Nachmittag Prof. Dr. Wilhelm Kühlmann und Prof. Dr. Walter Sparn auf. Die „beste aller möglichen Welten“, wie sie der Philosoph Leibniz gegeben sah, schien vor dem Hintergrund der damaligen Ereignisse in Frage gestellt. Und die Theologie fand sich plötzlich ganz neu mit dem Problem des Sinns aller menschlicher Existenz konfrontiert, wie sie bislang durch die Wissenschaften und die Literatur noch nicht formuliert wurde. So dichtete etwa der Franzose Voltaire: „Ihr Unglücklichen seid, Land, du bist zu beklagen / Du entsetzliche Ansammlung, ach, aller Plagen / Schmerz, der sinnlos doch ist, aber ewig nicht ruht!/ Philosophen, getäuscht, sagen: Alles ist gut.“ Dieser gleichermaßen weltanschaulichen wie geologischen Tektonik, die ihren Anfang vor 250 Jahren nahm, widmet sich die Akademie mit folgendem Vortragsprogramm:

Wissenschaftliche Vorträge (bis 13 Uhr)
Prof. Dr. Rainer Altherr: „Vulkane und Tsunamis“
Prof. Dr. Friedemann Wenzel: „Das Erdbeben von 1755 – Ursache, Schäden, Bedeutung heute“
Moderation: Prof. Dr. Dr. h.c. Karl Fuchs

Wissenschaftliche Vorträge (15 bis 17 Uhr)
Prof. Dr. Wilhelm Kühlmann: „Von der Nachricht zum poetischen Text – Das Erdbeben von Lissabon als literarisches Ereignis“
Prof. Dr. Walter Sparn: „Trug für Gott? Aufstieg und Fall der philosophisch-theologischen Theodizee in der Moderne“
Moderation: Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Sellin

Der Eintritt ist frei


Kontakt:
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Heidelberger Akademie für Wissenschaften
Telefon: 06221/54 34 00
Fax: 06221/54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.haw.baden-wuerttemberg.de



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