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Des Rätsels Lösung

Anthropologen der Freiburger Universität entschlüsseln das Geheimnis um den „Schiller-Schädel“

Freiburg, 06.05.2008

Des Rätsels Lösung

Prof. Dr. Ursula Wittwer-Backofen und Jasma Dare untersuchen den „Schiller-Schädel“

Nach zweijähriger Forschung steht fest: Keiner der beiden Schädel, die bisher Schiller zugeschrieben wurden, ist der „echte“. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher wie Prof. Ursula Wittwer-Backofen vom Institut für Anthropologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. In Kooperation mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und der Stiftung Weimarer Klassik untersuchten die Forscher die beiden Schädel, die in der Fürstengruft in Weimar gefunden wurden, mittels DNA-Analyse.

Nach dem Tod Friedrich Schillers gab es immer wieder Streit um die Echtheit seines Schädels und seiner Gebeine, die zunächst im Kassengewölbe beigesetzt und dann in die Fürstengruft in Weimar überführt wurden. Seit 1913 gibt es sogar zwei Schädel in der Fürstengruft, die Schiller zugeschrieben werden. In dem Forschungsprojekt, an dem Dr. Marc Christian Metzger von der Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Freiburg beteiligt war, konnten die Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen mittels DNA-Analyse zeigen, dass weder die beiden Schädel noch die Gebeine von Schiller stammen.

Die Freiburger Anthropologen konnten mit Gesichtsweichteil-Rekonstruktion einen der beiden Schädel der Ersten Hofdame Anna-Amalias, Louise von Göchhausen, zuordnen. Für die Annahme, dass es sich bei dem zweiten Schädel um den von Schiller handeln könnte, sprechen einige morphologische Untersuchungen. Die Größe des Schädels, die dreidimensionale Darstellung und die 2D-Gesichtsrekonstruktion stimmen mit der Totenmaske Schillers überein. Außerdem bestimmten die Wissenschaftler das Sterbealter am Zahnzement zwischen 39-52 Jahren, wobei der Mittelwert von 45 Jahren dem tatsächlichen Sterbealter Schillers entspricht. Der gute Gebisszustand und ein zu Lebzeiten ausgefallener Zahn im Seitenzahnbereich stimmen ebenfalls überein.

Die DNA-Analysen des Schädels und die entsprechenden Abgleiche mit der Schwester und den Söhnen Schillers zeigten schließlich, dass der untersuchte Schädel weder in der mütterlichen noch in der väterlichen Linie mit Schiller verwandt ist. Die Gebeine, die Schiller zugeschrieben wurden, gehören nicht zum Schädel und stammen von mindestens zwei verschiedenen Personen.

Die Ergebnisse sprechen für drei Interpretationen, wobei die Möglichkeit, dass Schiller mit seinen Eltern nicht verwandt ist und beide Söhne genetisch nicht von ihm abstammen, praktisch ausscheidet. Möglich wäre eine zufällige Verwechslung der Schädel, die bei der Suche Goethes nach dem Schiller-Schädel im Kassengewölbe aufgetreten sein müsste. Goethe suchte 1826 mit Bürgermeister Schwabe, die beide Schiller gut kannten, den „größten und schönsten“ Schädel aus. Die zweite Möglichkeit ist eine gezielte Vertauschung der Schädel. Die Person, die den Tausch vorgenommen hat, müsste die Morphologie genau gekannt und Zugang zur Totenmaske gehabt haben. Um den passenden Schädel auszuwählen, müsste sie auch Zugang zu einer größeren Anzahl an Schädeln gehabt haben. In diesem Fall stellt sich die Frage, wer den Schädel vertauscht und das Gebiss manipuliert haben könnte.

Die Dokumentation „Der Friedrich-Schiller-Code“, in der die bisherigen Ergebnisse vorgestellt wurden, hat der MDR am 3. Mai ausgestrahlt.


Kontakt:

Prof. Dr. Ursula Wittwer-Backofen

Institut für Humangenetik und Anthropologie

Albertstr. 9

79104 Freiburg

Tel.: 0761/203-6896

Fax: 0761/203-6898

E-Mail: anthropologie@uniklinik-freiburg.de

 

 


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