Neuer „Bernstein Fokus: Neurotechnologie” in Freiburg / Tübingen: Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer
Freiburg, 13.05.2008
Das Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) fördert neuen „Bernstein Fokus: Neurotechnologie”
an den Universitäten Freiburg und Tübingen mit zehn Millionen Euro, der
schwerpunktmäßig am Bernstein-Zentrum Freiburg angesiedelt sein wird.
Die neue
Initiative ist Teil eines Förderprogramms zur Computational Neuroscience, dem
auch das seit 2004 bestehende „Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience
Freiburg” angehört. Durch die Förderung werden unter anderem zwei neue Professuren
eingerichtet, die zur weiteren Stärkung der Neurowissenschaften an den
Standorten Freiburg und Tübingen beitragen werden.
Mit ihrem
Antrag „Hybrid Brain” konnten die Freiburger und Tübinger Wissenschaftler den
Zuschlag für eins von deutschlandweit insgesamt vier neuen Forschungszentren
gewinnen. Ziel der Forschung ist, technische Systeme zu entwickeln, die direkt
mit dem Nervensystem in Verbindung treten können. Die Nutzung solcher
Technologien zur Steuerung motorischer Prothesen oder zur Bedienung eines
Computers könnte in näherer Zukunft unter anderem technische Hilfsmittel für
gelähmte Patienten ermöglichen. Andere Projekte dienen der Konzeption neuer
Techniken zur Behandlung von Epilepsie und Migräne. Ziel solcher Ansätze ist
Implantate zu entwickeln, die neuronale Aktivität oder biochemische
Veränderungen, die einem Epilepsie- oder Migräne-Anfall vorausgehen, so
frühzeitig registrieren, dass geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.
„Solche
Hybridsysteme sind sehr komplex. Das Gehirn ist ein äußerst plastisches Organ,
das sich ständig durch Lernen und Erfahrung ändert. Neuronale Implantate müssen
daher die Fähigkeit haben, sich an diese veränderten Bedingungen anzupassen.”
sagt Ulrich Egert, Professor an der Universität Freiburg und Koordinator
des Projekts. Über die rein technologischen Entwicklungen hinaus ist auch
ethische Begleitforschung im Bernstein Fokus Freiburg/Tübingen vorgesehen.
Welche Konsequenzen hat es für unser Selbstverständnis, wenn ein Computer oder
ein Mikrochip Teil des Gehirns wird?
Der
„Bernstein Fokus: Neurotechnologie” vereint Wissenschaftler an den
Universitäten und Universitätskliniken Freiburg und Tübingen, an den
Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituten der Universität Tübingen,
sowie am Max-Planck Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen. Um
neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse frühzeitig mit technologischen
Anwendungen zu verknüpfen und wirtschaftlich zu nutzen, sind verschiedene
industrielle Partner in den Forscherverbund integriert, unter anderem das Honda
Research Institute Europe GmbH, die Inomed Medizintechnik GmbH und die Multi
Channel Systems GmbH.
Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich Egert, Koordinator
Tel.: 0761/203-9527
E-Mail: egert@bccn.uni-freiburg.de
Internet: http://www.bccn.uni-freiburg.de
