Fadenwürmer führen zum Erfolg
Alzheimer-Forschungspreis für Prof. Ralf Baumeister von der Universität Freiburg
Freiburg, 18.12.2008
Die private Hans-und-Ilse-Breuer Stiftung verlieh Prof. Ralf
Baumeister für seine herausragenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der
Nervensystemerkrankungen den Alzheimer Forschungspreis 2008. Baumeister ist
Professor für Bioinformatik und Molekulargenetik und Direktor des Zentrums für
Biosystemanalyse sowie der School of Life Sciences LIFENET des Freiburg
Institute for Advances Studies an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Der mit 100.000 Euro höchstdotierte Alzheimer-Forschungspreis in Deutschland
würdigt die grundlegenden Arbeiten von Prof. Baumeister, der seit mehr als zehn
Jahren im Fadenwurm „C. elegans“ die molekularen Ursachen der Alzheimer- und
Parkinson-Krankheit untersucht.
Die Alzheimer- und Parkinson-Erkrankungen sind die häufigsten degenerativen
Erkrankungen des Nervensystems. Weltweit erkranken über 30 Millionen Menschen
an diesen Formen der Demenz, davon 30 Prozent der über 80-jährigen. In den
letzten Jahren wurden zahlreiche Gene entdeckt, deren Fehler zu erblichen
Formen der Krankheiten führen und als Schlüssel für das Verständnis der
zugrundeliegenden Mechanismen gelten. Bei beiden Erkrankungen entstehen im
Laufe des Lebens der Patienten Eiweißablagerungen in bestimmten
Gehirnbereichen, die die Funktion der Nervenzellen zunehmend beeinträchtigen.
Bei Alzheimer sind hiervon besonders Gehirnbereiche betroffen, die für die
Speicherung von Gedächtnisinhalten und Lernprozessen verantwortlich sind, bei
Parkinson kommt es zum Tod von Zellen, die den Botenstoff Dopamin enthalten.
Die genauen Gründe für diesen Zelltod sind bis heute nur unvollständig
verstanden.
Das Team von Prof. Baumeister verwendet den einfachen Fadenwurm
„C. elegans“, um die Entstehungsursachen dieser Erkrankungen zu verstehen. „C.
elegans“ besitzt zwar nur 302 Nervenzellen, aber deren Entwicklung und vollständige
Vernetzung ist bis ins Detail bekannt, so dass die Fehlfunktionen von
Krankheitsgenen genau studiert werden können. Mehr als 60 Prozent aller
menschlichen Krankheitsgene sind im Wurm konserviert. Die Gruppe um Prof.
Baumeister konnte bereits vor mehreren Jahren zeigen, dass die Preseniline,
molekulare Scheren, die im Genom von Wurm und Mensch angelegt sind und im
häufig bei erblichen Fällen von Alzheimer defekt sind, in beiden Organismen
gleiche Funktionen haben. Dies ermöglicht neben dem detaillierten Studium ihrer
Funktion auch die Verwendung von „C. elegans“ als Grundlage für die Suche nach
chemischen Wirkstoffen gegen die Krankheit.
„Das Wissen, das die weltweite Forschung inzwischen anhand von Experimenten mit
C. elegans zum Verständnis menschlicher Krankheiten angesammelt hat, ist
schlichtweg umwerfend“, schwärmt Baumeister über seinen Laborliebling. „Kein
Wunder, dass in diesem Jahr mit Marty Chalfie bereits der dritte
Nobelpreisträger nach 2002 und 2006 aus dem C. elegans Feld kommt. Mit dem nur
ein Millimeter großen Wurm können wir komplizierte genetische Sachverhalte
einfach besser verstehen lernen, ohne wegen der Experimente gleich ethische
Bedenken zu bekommen“, so Baumeister über den Wurm, der millionenfach in jeder
Handvoll Blumenerde vorkommt.
Baumeister hat mit seinem interdisziplinären Team an der Universität Freiburg
in den letzten Jahren eine Forschungsplattform aufgebaut, die systematisch
regulatorische Netzwerke von Proteinen bei der Entstehung menschlicher
Krankheiten erforscht. Zuletzt entdeckte seine Gruppe anhand von „C. elegans“-Experimenten
wichtige Schlüsselgene bei der Steuerung von Alterungsvorgängen und fand einen
Faktor, der die Entstehung von Muskelschwund im Wurm verhindern kann. Für seine
Arbeiten erhielt Baumeister bereits mehrere Auszeichnungen, beispielsweise den Philip-Morris-Forschungspreis
für die Entwicklung von automatischen Testverfahren mit „C elegans“.
Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Baumeister
Zentrum für Biosystemanalyse (ZBSA)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-8350
Fax: 0761/203-8352
E-Mail: baumeister@celegans.de
