Walfang ist keine Lösung
Studie einer Freiburger Wissenschaftlerin widerlegt die Hypothese, dass Großwale in tropischen Gewässern der Fischerei die Fische wegfressen
Freiburg, 13.02.2009
In
den vergangenen Jahren haben Japan und andere Walfangnationen vermehrt
behauptet, dass Wale in Hinblick auf Nahrungsressourcen in direkter Konkurrenz
zur Fischerei stünden und Schuld seien am Rückgang und teilweisem Zusammenbruch
von Fischbeständen. Aus diesem Grund, so argumentieren Walfangsbefürworter
häufig, sei die Dezimierung von Walbeständen ein geeignetes Mittel, um
Fischfangmengen zu erhöhen.
Die
Meeresbiologin Dr. Kristin Kaschner,
Gastwissenschaftlerin am Institut für Biologie I der Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg, ging der Aussage nach, dass Wale der Fischerei in den Gewässern
Nordafrikas und der Karibik die Fische wegfressen. In Zusammenarbeit mit
amerikanischen und kanadischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
entwickelte sie auf der Basis bereits vorhandener Daten Ökosystemmodelle der Meeresgebiete.
Die Forscher simulierten, was passieren würde, wenn man die Walbestände in
diesen Ökosystemen verringern würde. Die Ergebnisse dieser Studie sind jüngst
als Artikel im Policy Forum von Science (Bd. 323, Issue 5916, S. 880-881, 2009)
erschienen. Sie zeigen, dass, selbst unter Berücksichtigung der unsicheren
Datenlage, eine komplette Ausrottung aller Großwale in den Forschungsgebieten
nur zu einem sehr geringfügigen Anstieg der kommerziell genutzten Fischbestände
führen würde. Anderseits konnte nachgewiesen werden, dass schon kleine
Veränderungen im Fischereimanagement eine deutliche Vergrößerung der
Fischbestände zur Folge hätten.
Japan
als vehementer Befürworter des Walfangs wird in dieser Diskussion innerhalb der
Internationalen Walfangskommission vor allem von Politikern aus neueren
Mitgliedsstaaten in Nordwestafrika und der Karibik unterstützt. Es handelt es
sich meist um Küstenländer, die an die subtropischen und tropischen
Paarungsgebiete der Bartenwale angrenzen – Gewässer, in denen Bartenwale sich
nur während der Paarung und zur Aufzucht ihrer Kälber aufhalten und in denen
sie gewöhnlich fast nichts fressen.
Trotzdem
wird das Thema der Nahrungskonkurrenz zwischen Walen und Fischerei auf den
jährlich stattfindenden Treffen der Internationalen Walfangskommission stets
neu diskutiert. Es würden wertvolle Zeit und Energie verschwendet, die dafür
verwendet werden könnten, um konstruktive Lösungsstrategien zu entwickeln für
den schwelenden Dauerkonflikt zwischen Walfängern und Walfangsgegnern, so
Kaschner.
Die
Wissenschaftler schlussfolgern aus ihrer Arbeit, dass Walfang keinesfalls eine
Lösung für die massiven Fischereiprobleme von Entwicklungsländern ist.
Stattdessen sollten diese Probleme im größeren Kontext einer globalen
Fischereikrise gesehen werden, bei der Faktoren wie lokales Missmanagement,
Ausbeutung von tropischen marinen Ressourcen durch Industrienationen sowie auch
die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt werden müssten.
Dr. Kristin Kaschner
Institut für Biologie I (Zoologie)
Abteilung Evolutionsbiologie und Ökologie der Tiere
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-2566 (Mo, Di, Do, Fr, 13:30 – 17:30)
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E-Mail: kristin.kaschner@biologie.uni-freiburg.de
