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15. Jahrestag der Terroranschläge am 11. September 2001

Der Amerikanist Wolfgang Hochbruck über das gebrochene Heldenbild der Feuerwehrleute in den USA

Freiburg, 07.09.2016

15. Jahrestag der Terroranschläge am 11. September 2001

Bild: © fotodrachenei / Fotolia

„15 Jahre nach den Anschlägen auf World Trade Center und Washington sind die Vereinigten Staaten eine veränderte Gesellschaft: paranoider, gespaltener“, erläutert der Freiburger Amerikanist Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck. Unzufriedenheit mit den politischen Eliten und die wachsende ökonomische Ungleichheit in der eigenen Bevölkerung würden die Gesellschaft in den USA auseinander treiben. „Nicht einmal das neue Heldenbild der Feuerwehrleute, die auf den Ruinen trotzig eine U.S.-Flagge aufzogen, hat gehalten“, so Hochbruck. 

Speziell die New Yorker Feuerwehr habe ihre Mitglieder zum Ende des Vietnamkriegs noch als alternative Heldinnen und Helden sowie als Gewinnerinnen und Gewinner im Kampf um die vernachlässigten Innenstädte präsentieren können, doch heute sei das Bild gebrochener: „Viele New Yorker Feuerwehrleute haben nach 9/11 den Dienst quittiert und mehr als 100 sind seitdem an Krebs gestorben, weil sie bei Rettungs- und Aufräumarbeiten verseuchten Staub eingeatmet hatten“, sagt Hochbruck. „Gleichzeitig bröckelt die Jahrhunderte alte Freiwilligenkultur in den USA – der Wirtschaftsliberalismus zieht auch hier seine Kreise, und die Fähigkeit sowie die Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement schwinden. Immer mehr ‚Volunteer Fire Departments‘ schließen ihre Tore für immer, werden zusammengelegt oder in teure Berufsfeuerwehren umgewandelt.“

Wolfgang Hochbruck ist Professor für Nordamerikastudien am Englischen Seminar der Universität Freiburg. Zu seinen Fachgebieten zählen die Feuerwehrkultur sowie Sicherheit und Gesellschaft. Er ist Direktor des Master-Programms „British and North American Cultural Studies“, zweiter Vorsitzender des Carl-Schurz-Hauses (Deutsch-Amerikanisches Institut Freiburg e.V.) und gehört seit 14 Jahren Freiwilligen Feuerwehren an.

Artikel über Wolfgang Hochbrucks Forschung im Magazin uni’wissen

http://www.pr2.uni-freiburg.de/publikationen/uniwissen/uniwissen-2013-1/page1.html#/22