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Fit im All

Der 50. Todestag des Kosmonauten Juri Gagarin steht kurz bevor – Ramona Ritzmann erläutert, was Weltraumforschende heute tun, damit Astronauten im All körperlich gesund bleiben

Freiburg, 21.03.2018

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Bei Parabelfügen testen Freiburger Wissenschaftler Trainingsgeräte für Astronauten. Foto: Hoffmann/Multhaupt DLR

Im April 1961 flog Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum und umrundete die Erde. Es war nur ein kurzer Flug von knapp zwei Stunden, aber es war ein Flug, der in die Geschichtsbücher einging. Einige Jahre später, am 27. März 1968, verunglückte Gagarin bei einem Übungsflug tödlich. Seither ist in der Raumfahrt viel passiert. „Das nächste Ziel ist in zehn Jahren die Reise zum Mars“, sagt Dr. Ramona Ritzmann vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Diese werde voraussichtlich gut zweieinhalb Jahre dauern, was für die Astronautinnen und Astronauten eine extrem hohe körperliche Belastung darstelle. „Heute ist es zwar kein Problem mehr, ein Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS zu verbringen, bislang sind jedoch alle Astronauten mit degenerative Effekten zurückgekommen“, sagt Ritzmann. Training sei daher unabdingbar. „Während vor 50 oder 60 Jahren in der Raumfahrt noch alles sehr explorativ war, ist die körperliche Fitness stets stärker in den Fokus gerückt, weil der Körper in der Schwerelosigkeit abbaut.“ So nehme die Knochendichte ohne Training pro Monat um etwa ein Prozent ab, bei der Muskelmasse seien es sogar zehn Prozent im gleichen Zeitraum.

Um der körperlichen Degeneration durch die Schwerlosigkeit zu trotzen, trainierten Astronauten noch vor zehn Jahren drei bis vier Stunden am Tag neben ihrer eigentlichen Arbeit im All. Heute seien es dank eines ausgeklügelten Kompakttrainings nur noch zwei Stunden. „Trainiert werden vor allem das Herz-Kreislauf-System, die Koordination bestimmter Bewegungsabläufe wie Stehen und Gehen sowie Kraft zum Erhalt von Muskeln und Knochen.“ Es sei ähnlich wie in einem Fitnessstudio, nur dass die Astronauten wegen der Schwerelosigkeit auf Gurtsysteme und Gummibänder angewiesen seien. „Auf der Erde wirkt die Erdanziehung, hier muss der Mensch Muskelkraft aufwenden, um dagegen anzukommen.“ Im Weltraum sei es dagegen umgekehrt. Hier brauche es Gurtsysteme und Gummibänder, um die Erdanziehung zu simulieren. „Möglich ist, dass diese bald durch Zentrifugen ersetzt werden, sodass durch die Zentrifugalkraft die Erdanziehung beim Training künftig simuliert wird.“

Dr. Ramona Ritzmann ist seit 2007 Akademische Mitarbeiterin und Bereichsleiterin im Arbeitsbereich Sportmotorik am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Als Sportwissenschaftlerin mit naturwissenschaftlichem Hintergrund ist sie Expertin in der funktionellen Elektrophysiologie und Biomechanik.

 




Dr. Ramona Ritzmann


Institut für Sport und Sportwissenschaft
Schwarzwaldstr. 175, 79117 Freiburg im Breisgau

Tel: +49-(0)-761-203 4515
E-Mail: ramona.ritzmann@sport.uni-freiburg.de

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