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Der lange Weg zurück

Politikwissenschaftler Andreas Mehler über den Zwist rund um die Rückgabemodalitäten kolonialer Raubkunst aus Afrika

Freiburg, 04.02.2019

Der lange Weg zurück

Quelle: studioDG/stock.adobe.com

In europäischen Museen sind zahlreiche Bilder, Masken, Statuen und andere Kulturgüter aus Afrika zu bewundern. Mehrere zehntausend davon, wenn nicht mehr, wurden jedoch in der Kolonialzeit geraubt oder enteignet. Ein Workshop Mitte Dezember 2018 an der University of Ghana in Accra befasste sich mit dem Kunstraub afrikanischer Objekte und wie diese aus europäischen Museen wieder zurückgeführt werden können. „Das Thema hat in Berlin und Paris hohe Wellen geschlagen“, sagt Politikwissenschaftler Prof. Dr. Andreas Mehler, Direktor des Arnold-Bergstraesser-Instituts (ABI) an der Universität Freiburg.

Von Seiten der afrikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, den Museumsoffiziellen und auch den traditionellen Autoritäten sei klar geworden, dass sie den europäischen Partnern wenig vertrauten, wenn es um die so genannte Restitution – die Rückgabe der geraubten oder enteigneten Kunstgegenstände – gehe. „Jedes Argument, das den Beginn von Restitution hinausschiebt, zum Beispiel Bedenken in Hinblick auf Sicherheit, Kapazität, Korruption oder auch der Verweis auf notwendige weitere Herkunftsforschung gerät in den Verdacht, nur dazu zu dienen, eben nichts zurückzugeben“, betont Mehler. Umso wichtiger seien vertrauensbildende Maßnahmen. „Das heißt vor allem, so schnell und so sichtbar wie möglich bedeutende und bereits reklamierte Objekte zurückzugeben, bei denen wenig Zweifel bestehen, dass sie auf Raubzügen oder unter Gewalt akquiriert worden sind.“

Vermisst werde vor allem auch die Transparenz europäischer Museen, was den Bestand der jeweiligen Sammlungen angeht. „Deshalb ist es unerlässlich, sich auf allgemeine Regeln zum Ablauf von Restitutionsakten zu verständigen, ganz im Sinne der so genannten ‚sustainable governance‘, also der nachhaltigen Steuerung.“ Diese habe sich das Merian Institute for Advanced Studies in Africa (MIASA), ein internationales Forschungskolleg an der University of Ghana, welches das ABI von deutscher Seite koordiniert, auf die Fahnen geschrieben.

„Unser Ziel ist es, nun über zusätzliche Drittmittel eine interdisziplinäre Forschungsgruppe am MIASA in Accra, der Hauptstadt von Ghana, zum Thema Restitution einzurichten“, sagt Mehler und fügt hinzu: „Das Institut möchte dabei behilflich sein auszuleuchten, welche unterschiedlichen Arten von Kooperation nötig sind, damit die Debatte und Rückgabe nicht allein auf die Museumsperspektiven verengt werden.“ Falls Rat zum Thema Restitution gebraucht werde, unterstütze das ABI mit seinem Fachwissen insbesondere das Land Baden-Württemberg. „Politische Aspekte, wie beispielsweise das Themenfeld der Erinnerungspolitik, sollten Bestandteil der inhaltlichen Diskussion sein.“

Andreas Mehler ist Professor für Politikwissenschaft und seit 2015 Direktor des Arnold-Bergstraesser-Instituts an der Universität Freiburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Machtteilung nach Friedensabkommen, gewaltsame Konflikte, Krisenprävention, Staat und Staatlichkeit sowie deutsche und französische Afrikapolitik.




Prof. Dr. Andreas Mehler

Arnold Bergstraesser Institut für kulturwissenschaftliche Forschung
Windausstr. 16, 79110 Freiburg

Tel.: +49 (0)761 / 88878-14
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