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Vom Unruhe- zum Friedensstifter

Politikwissenschaftler Martin Adelmann über die Bedeutung Nelson Mandelas für das heutige Südafrika

Freiburg, 11.07.2018

Vom Unruhe- zum Friedensstifter

Quelle: creedline/Fotolia

Am 18. Juli 2018 hätte Nelson Rolihlahla Mandela seinen 100. Geburtstag gefeiert. Zwar sei Südafrika heute immer noch weiter entfernt von einer Gesellschaft in Harmonie und Chancengleichheit, Mandelas Ideale aber wirkten weiter, sagt Politikwissenschaftler und Südafrikaexperte Dr. Martin Adelmann vom Arnold-Bergstraesser-Institut an der Universität Freiburg: „Dass die Regierungspartei ANC jüngst ihren umstrittenen Präsidenten Jacob Zuma stürzen konnte, lag auch darin begründet, dass viele Südafrikanerinnen und Südafrikaner in dessen unzähligen Korruptions-, Sex- und Machtmissbrauchsaffären einen Verrat am Geiste Mandelas sahen.“  Doch wo steht Südafrika am 100. Geburtstag seines Helden? „Die Rassengesellschaft hat sich schnell zu einer Klassengesellschaft gewandelt, in der eine neue schwarze Mittel- und Oberschicht es der weißen gleichtut.“ Gewonnen habe am Ende der Konsumkapitalismus. Die Schere zwischen Arm und Reich klaffe heute ähnlich weit auseinander wie zu Apartheidzeiten.

Mandelas zweiter Vorname Rolihlahla bedeutet auf Xhosa Unruhestifter. „Und Unruhe stiftete er in der Tat im Apartheidstaat Südafrika“, sagt Adelmann. Zunächst sei der Freiheitskampf gewaltlos verlaufen, nach dem Massaker von Scharpville im Jahr 1960 habe Mandela dann aus dem Untergrund agiert. „Ein Wendepunkt im Leben Mandelas und der südafrikanischen Geschichte war der Rivonia-Gerichtsprozess 1964“, erläutert Adelmann. Zwar seien Mandela und seine Mitangeklagten zu langen Haftstrafen verurteilt worden, doch Mandela sei es dank seiner brillanten Rhetorik gelungen, der ganzen Welt die Unrechtmäßigkeit des Apartheidsystems vor Augen zu führen.

Im Abschluss-Plädoyer des Prozesses habe er sein politisches Credo so formuliert: „Ich habe gegen die weiße Vorherrschaft gekämpft, und ich habe gegen die schwarze Vorherrschaft gekämpft. Mein teuerstes Ideal ist eine freie und demokratische Gesellschaft, in der alle in Harmonie mit gleichen Chancen leben können […] dies ist ein Ideal, für das ich zu sterben bereit bin.“

Die historische Leistung Mandelas, die ihn bis heute für viele Menschen zu einem Vorbild mache, bestehe darin, die demokratischen Ideale von Freiheit und Gleichheit selbst nach 27 Jahren politischer Gefangenschaft über den Hass zu stellen: Als Präsident Südafrikas von 1994 bis 1999 habe er den einstmaligen Gegnerinnen und Gegnern die Hand gereicht und gemeinsam mit Erzbischof Desmond Tutu die Idee einer Regenbogennation geschaffen, in der alle ihren Platz haben. „Ohne Mandelas Kraft zur Versöhnung wäre der Aufbau des neuen Südafrikas nicht möglich gewesen.“

1999 sei Mandela noch einmal als Vorbild bedeutungsvoll in Erscheinung getreten. „Auf dem Höhepunkt seiner Macht trat er nach nur einer Amtszeit aus Altersgründen von der politischen Bühne ab.“ Ein unerhörtes Beispiel auf einem Kontinent, in dem die Mugabes, Biyas und Musevenis das Prinzip des lebenslangen Herrschens kultivierten.

Dr. Martin Adelmann ist Politikwissenschaftler mit den Schwerpunkten südliches Afrika und Entwicklungspolitik. Er ist Geschäftsführer des Arnold-Bergstraesser Instituts an der Universität Freiburg.



Dr.
Martin Adelmann

Arnold-Bergstraesser-Institut,
Windausstraße 16, 79110 Freiburg

E-Mail: martin.adelmann@abi.uni-freiburg.de  
Tel. 0761-88878-15

http://www.arnold-bergstraesser.de/institutsleitung-mitarbeiterinnen/adelmann-dr-martin

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