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Wo wird Weihnachten entschieden?

Lukas Schmitt über die Kritik christlicher Verbände am Ausmaß des Weihnachtsgeschäfts

Freiburg, 12.12.2017

Wo wird Weihnachten entschieden?

Foto: eyetronic/Fotolia

Knapp zwei Wochen vor dem großen Fest ist das Weihnachtsgeschäft auf seinem Höhepunkt angekommen. Gab es schon im Oktober die ersten Lebkuchen im Supermarktregal, haben die Einzelhandelsgeschäfte längst nachgezogen und ihre Auslagen feierlich dekoriert. Auch die bunten Weihnachtsmärkte laden zum Einkaufen ein. Lukas Schmitt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Christliche Gesellschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, erinnert in diesem Zusammenhang an eine Fernsehwerbung, in der ein großer deutscher Elektronikhändler vor einigen Jahren feststellte, dass Weihnachten „unterm Baum“ entschieden werde. „So stereotyp und überzeichnet dies klingt, es spiegelt so manche gesellschaftliche Realität von Familien wider“, sagt Schmitt. Das Wichtigste an Weihnachten seien die Geschenke sowie deren Größe und Anzahl, weshalb die Versandmaschinerie diverser Shopping-Portale im Netz derzeit auf Hochtouren laufe. „Dieses Jahr scheint selbst der Heiligabend nicht vor weiterem Konsum gefeit zu sein, fordert der Einzelhandel doch einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag.“ Sollten Familien an Weihnachten also besser ganz auf Geschenke verzichten? Die Antwort der Gegenkampagnen christlicher Verbände auf Facebook lautete deshalb schon vor einigen Jahren: „Weihnachten wird in der Krippe entschieden.“

„Christinnen und Christen feiern an Weihnachten die Menschwerdung Gottes.“ Die Bibel erzähle von einem Kind, das klein und verletzlich in einer Notunterkunft auf dem Weg seiner Eltern von Nazareth nach Bethlehem geboren wird. „Die Menschwerdung erscheint hier als größtmögliches Geschenk Gottes, das Ausdruck seiner Freiheit ist, sich in seinem unbedingten Ja an diese Welt und den Menschen zu binden und seine in der Schöpfung erstmalig zugesprochene Liebe unwiderruflich an das menschliche Schicksal zu knüpfen.“ Im weihnachtlichen Sinn könne Menschwerdung als bedingungslose Zusage und Geschenk Gottes auf Augenhöhe mit den Menschen, das wartend auf Antwort hofft, verstanden werden. Eine solchermaßen verstandene Praxis des Schenkens würde nicht ausschließlich materialistisch durch die Größe und Anzahl der Präsente unterm Baum entschieden, sondern sie würde gemessen werden an ihrer Intention, dem anderen eine Freude zu bereiten und auszudrücken „Du bist mir wichtig“ – sichtbar zum Beispiel in gemeinsam verbrachter Zeit und guten Gesprächen.

Ein solch verändertes Bewusstsein nehme gerade auch die Menschen in den Blick, die die Festtage in beunruhigender Gleichzeitigkeit – genauso wie damals Maria, Josef und Jesus – in Notunterkünften fernab ihrer Heimat und viele davon auch fernab ihrer Familien verbringen. „Es mag der Beginn eines solidarischeren Miteinanders sein, wenn der weihnachtliche Moment nicht nur die Wünsche und das Wohlbefinden der Nächsten um den eigenen Christbaum herum einschließt, sondern auch die Menschen, die dieser Fürsorge und Aufmerksamkeit noch weit mehr bedürfen.“

Lukas Schmitt ist seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Christliche Gesellschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Derzeit promoviert er zum Thema „Migrationsethische Perspektiven in der globalen Weltgesellschaft“.



StR Lukas Schmitt

Theologische Fakultät
AB Christliche Gesellschaftslehre
Platz der Universität 3, 79098 Freiburg

Tel.: +49 (0)761 / 203-2029
Mail: Lukas.Schmitt@theol.uni-freiburg.de

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