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Weniger Natur für mehr Wasser?

Hydrologe Andreas Hartmann fordert zum Weltwassertag am 22. März mehr naturbasierte Lösungen für Karstgebiete

Freiburg, 13.03.2018

 Weniger Natur für mehr Wasser?

Loue Quelle. Foto: Nico Goldscheider

‚Nature for Water‘ heißt das Motto des 27. Weltwassertages. Im Fokus steht dabei die Nachricht, dass naturbasierte Lösungen, wie Aufforstung oder Renaturierung von Feuchtgebieten und Flüssen, nachhaltige und ökonomische Wege sein können, die eine Rückkehr zum natürlichen Wasserkreislauf ermöglichen oder die Auswirkungen des Klimawandels abmildern. „Betrachtet man aber die hydrologischen Auswirkungen naturbasierter Lösungen auf den Wasserkreislauf genau, fällt auf, dass Aufforstung in der Regel einen erhöhten Bedarf an Wasser für die Verdunstung bewirkt“, sagt Juniorprofessor Dr. Andreas Hartmann, Hydrologe von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Außerdem lasse der durch die Wurzeln aufgelockerte Boden das Wasser schnell im Untergrund verschwinden.

„Eine Renaturierung von Feuchtgebieten und Flüssen würde die Verdunstung in ähnlicher Weise erhöhen und zudem das Wasser auf seinem Weg in die Siedlungsgebiete, in denen es dringend benötigt wird, abbremsen“, erläutert Hartmann. In diesem Sinne sei die Schlussfolgerung ‚weniger Natur würde mehr Wasser für uns Menschen bedeuten‘ zulässig. In der Tat erzeugten versiegelte Flächen, wie Parkplätze oder Straßen, bei Niederschlag deutlich mehr Abfluss als natürliche Flächen, wie Wälder oder Wiesen, da sie kaum Wasser verdunsten oder versickern ließen. Dieser oberirdische Abfluss könne jedoch schnell zerstörende Formen annehmen, durch Erosion und Überschwemmungen. Hinzu käme, dass das oberflächliche Wasser oft Schadstoffe aufnehme, die nicht durch den Boden rausgefiltert und gereinigt werden.

„Ein Karstgebiet ist in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil zu einer versiegelten Fläche. Es ist zerklüftet und durch chemische Lösungsprozesse weiter verformt, sodass es dem Niederschlag kaum Chancen bietet, oberflächlich abzufließen.“ Während des Versickerns filtern die oft tonhaltigen Böden das Wasser, das später als Grundwasser in Klüften und Höhlen gespeichert werde bevor es an einer Karstquelle wieder austrete. „Der so zustande kommende Zusammenfluss von großen Mengen an sauberem Trinkwasser ist einer der Gründe, warum große Städte wie Rom, Wien oder Damaskus in der Nähe von Karstquellen entstanden sind“, so der Freiburger Hydrologe.

Viele Karstgebiete seien jedoch von Abholzung und Landwirtschaft beeinflusst, sodass ihr Nutzen für die Wasserversorgung eingeschränkt sei: „Eine Rückführung dieser Karstgebiete in ihren natürlichen Zustand könnte deshalb einen sehr positiven Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung mit genügend sauberem Trinkwasser leisten.“

Juniorprofessor Dr. Andreas Hartmann leitet seit 2017 die Nachwuchsforschungsgruppe  “Global Assessment of Water Stress in Karst Regions in a Changing World”. Seine Forschungsschwerpunkte sind Hydrologische Modellierung, Karsthydrologie, Wasserressourcen und Klimawandel.

 




JProf. Dr. Andreas Hartmann


Professur für Hydrologische Modellierung und Wasserressourcen
Friedrichstraße 39, 79098 Freiburg im Breisgau

Tel: +49-(0)-761-203 3520
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