Artikelaktionen

Sie sind hier: Startseite Online-Magazin erfinden & gründen Sensoren fürs Extreme

Sensoren fürs Extreme

Die Messtechnik von OndoSense soll künftig in der Industrie zum Einsatz kommen

Freiburg, 15.03.2018

Sensoren fürs Extreme

Foto: Jürgen Gocke

Das Freiburger Start-up OndoSense stellt Sensoren her, die auch unter extremen Bedingungen präzise messen. Unterstützt vom Gründerbüro der Universität, hat die junge Firma ein Förderstipendium des Bundes erhalten.

Die Sensoren von OndoSense messen auch unter extremen Bedingungen präzise – und sind deshalb interessant für Industrieunternehmen.
Foto: Jürgen Gocke

Freiburg, ein schmuckloser Industriebau nahe der Besançonallee: Seit Januar 2018 hat dort OndoSense seinen Sitz – ein Start-up, das mit Hilfe des Gründerbüros der Universität auf die Beine gestellt wurde und nun ein Förderstipendium aus dem EXIST-Programm des Bundes erhalten hat. OndoSense hat hier Büroräume, eine kleine Werkstatt und – wichtig – die Möglichkeit, weitere Räume anzumieten, sobald man wächst. „Die Garage haben wir schon hinter uns“, witzelt Dr. Axel Hülsmann in Anspielung auf US-Unternehmen, die in eben einer solchen Garage anfingen, ehe sie groß und legendär wurden.

Mathias Klenner, Bernhard Schöne-Remmeau und Axel Hülsmann (von links) von OndoSense haben ein EXIST-Gründerstipendium erhalten.
Foto: Jürgen Gocke


Vielversprechender Prototyp

Hülsmann ist der Senior des dreiköpfigen OndoSense-Teams. Vor einiger Zeit war er schon einmal an der Gründung eines Start-ups in Berlin beteiligt. Vor allem aber hat er viele Jahrzehnte Expertise als Forscher am Freiburger Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik (IAF). Zusammen mit einem Team, zu dem auch OndoSense-Mitgründer Dr. Mathias Klenner gehörte, forschte Hülsmann am IAF zuletzt über Sensoren, die mittels Radar vermessen – eine extrem präzise Methode, die zudem auch unter extremen Bedingungen funktioniert. „Von unseren Prototypen war die Industrie recht angetan“, erinnert er sich: „Es kam da gleich die Frage: Wer bringt das auf den Markt?“ Das war die Initialzündung. Aus dem IAF-Team wagten schließlich Hülsmann und Klenner den Schritt in die Selbstständigkeit mit OndoSense. Für die betriebswirtschaftlichen Aspekte holten sie sich Bernhard Schöne-Remmeau ins Boot, den Klenner aus Studientagen kannte.

Industrie 4.0

„Stellen Sie sich ein Stahlwerk vor“, gibt Schöne-Remmeau ein Beispiel für eine mögliche Anwendung der OndoSense-Technik: „Es ist dort heiß und feucht. Schlecht für Messtechnik – wenn sie nicht gerade auf der extrem teuren Röntgentechnologie basiert.“ Aus diesem Grund wird in einem Stahlwerk noch viel „auf Sicht“ gearbeitet. In der Konsequenz sind die gewalzten Bleche nicht passgenau zugeschnitten und benötigen weitere Arbeitsschritte. „Unsere Sensoren messen jedoch auch in diesem Umfeld bis auf den Sub-Millimeter genau“, fährt Schöne-Remmeau fort. Das heißt: Sie helfen, Material- und Arbeitskosten zu sparen. „Zudem können die Sensoren direkt mit den Walzen und anderen Maschinen kommunizieren“, ergänzt Hülsmann: „Stichwort Industrie 4.0.“ Solche automatischen, sich selbst steuernden Vorgänge sind effizienter, aber auch sicherer als von Menschen überwachte Abläufe. Bei denen kommt es immer mal wieder zu Pannen, die eine Produktionsstraße den ganzen Tag stilllegen können.

Pulsierender Gründergeist

Bevor die Sensoren hergestellt werden, muss das OndoSense-Team sich jedoch zunächst um die rechtlichen Grundlagen kümmern – die Gründung einer GmbH. Genau für diese Phase ist das EXIST-Gründerstipendium gedacht. Die Fördersumme von 139.000 Euro trägt über eine Anfangszeit, in der noch kein Geld verdient werden kann. „Auf dem Weg in die Selbstständigkeit werden wir von Gründerbüro der Universität Freiburg unterstützt“, erzählt Hülsmann. Möglich war das, weil mit Mathias Klenner ein Mitglied des Teams an der Universität promoviert wurde. Als „sehr professionell, sehr gut aufgestellt“, beschreibt Hülsmann die Arbeit des Gründerbüros: „Wir fühlen uns dort sehr gut aufgehoben.“ Gemeinsam besprach und schärfte man die Geschäftsidee, auch bei der erfolgreichen Bewerbung für das EXIST-Stipendium half das Büro. „Zudem bot man uns Tutorials und Seminare, bei denen wir auch andere Gründerinnen und Gründer trafen“, sagt Schöne-Remmeau. Er berichtet von einer Band, die lernen wollte, wie sie ihre kulturelle Dienstleistung ans Publikum bringt. Eine lebendige Mischung habe er bei diesen Treffen erlebt: „Das war aufregend, da pulsiert schon so ein bisschen der Gründergeist.“

Erfolg beim Elevator Pitch

Praktischen Nutzen zog OndoSense aus diesen Seminaren ohnehin. Sie drehten sich um die Frage, wie man einen Businessplan schreibt oder wie man eine gute Idee so „pitcht“, also so strukturiert vorstellt, dass sie auch die Zuhörerinnen und Zuhörer überzeugt. Das hat bei OndoSense bereits geklappt, wie die erfolgreiche Teilnahme am „Start-up Elevator Pitch“ Baden-Württemberg 2017 zeigt. Die 300 Euro Preisgeld sind zwar eher symbolisch – aber eben ein Zeichen, wie gut man beim Publikum mit der Geschäftsidee ankam.

„Doch das Killer-Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg bleibt natürlich ein exzellentes Produkt“, sagt Hülsmann schmunzelnd. Bei aller Bescheidenheit glaubt er, dass OndoSense in dieser Hinsicht gut aufgestellt ist. Extrem präzise Messtechnik, nicht zu teuer in der Herstellung, ganz auf die Bedürfnisse der digitalen Ökonomie zugeschnitten: „Ich denke, wir werden unseren Platz am Markt finden.“   

Mathias Heybrock