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Europäische Forschungsgemeinschaft

Ein internationaler Masterstudiengang der Altertumswissenschaften vermittelt deren Vielfalt

Freiburg, 16.03.2018

Europäische Forschungsgemeinschaft

Foto: Ralf von den Hoff

Zwölf Partneruniversitäten in acht europäischen Ländern: Der European Master in Classical Cultures ist ein internationaler Studiengang der Altertumswissenschaften, bei dem die Fächer Griechische und Lateinische Philologie, Alte Geschichte und Klassische Archäologie im Zentrum stehen. Eine Serie stellt sieben weitere internationale Kooperationen vor.

Bei einem Blockseminar des European Master in Classical Cultures in Athen haben sich Studierende und Lehrende ländliche antike Siedlungen in Attika angesehen – hier das Theater von Rhamnous.
Foto: Ralf von den Hoff

„Mein Fach, die Klassische Archäologie, kann man nur international betreiben“, sagt der Freiburger Professor Ralf von den Hoff. Das gelte auch für die anderen altertumswissenschaftlichen Fächer, die sich mit der griechisch-römischen Antike befassen. Außerdem werde an den fachtypisch kleinen Instituten oft nur zu wenigen Schwerpunkten geforscht und gelehrt. Ein Wechsel der Universität lohne sich für Studierende daher besonders, um die Vielfalt ihrer Fächer kennenzulernen. So lag es für eine Gruppe europäischer Altertumswissenschaftlerinnen und Altertumswissenschaftler nahe, gemeinsam das umzusetzen, was eigentlich schon die Bologna-Reform erreichen sollte: einen wirklich europäisch-internationalen Masterstudiengang.

Studiengang mit drei Wurzeln

„Unser European Master ‚Classical Cultures‘, kurz EMCC, hat drei Wurzeln“, sagt von den Hoff, der den gesamten Studiengang koordiniert: „Die Internationalität von kleinen und wissenschaftlich orientierten Fächern, das Erasmus-Programm und die Bologna-Reform.“ Heute sind zwölf Universitäten aus acht europäischen Ländern an dem Programm beteiligt. Jüngster Neuzugang war Palermo im Jahr 2017, Salamanca wird als erste spanische Universität 2018 dazukommen. Im Zentrum stehen die Fächer Griechische und Lateinische Philologie, Alte Geschichte und Klassische Archäologie.

Trotz bestehender Kontakte über das europäische Austauschprogramm Erasmus: Es dauerte fünf Jahre, bis 2009 der Kooperationsvertrag für einen gemeinsamen Studiengang der beteiligten Hochschulen unterschrieben wurde, erzählt von den Hoff. Die Grundidee: Studierende des viersemestrigen Masters verbringen ihr Studium an mindestens zwei verschiedensprachigen Universitäten – und bekommen von beiden Universitäten einen Abschluss.

Zwei Hauptfelder, ein Nebenfeld

Aus den drei Bereichen Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Klassische Philologie wählen die Studierenden zwei Hauptfelder und ein Nebenfeld. Zusätzlich können sie Grundkenntnisse in Latein und Griechisch vertiefen oder eine alte Sprache wie etwa Hebräisch oder Akkadisch lernen und wählen zwei Module aus dem so genannten Erweiterungsbereich. Dazu können zum Beispiel Seminare in prähistorischer oder byzantinischer Archäologie, antiker Rechtsgeschichte oder Münz- und Inschriftenkunde, aber auch methodologische Veranstaltungen etwa aus der Museumskunde gehören.

Hinzu kommt eine Summer School, „das Herz unseres Studiengangs“, sagt von den Hoff: Für fünf Tage treffen sich alle Classical-Cultures-Studierenden an einem auch thematisch interessanten Ort in Europa, besuchen Museen oder Ausgrabungen und stellen ihre Masterprojekte vor. Studierende arbeiten in den Tagen intensiv, mehrsprachig und gemeinsam mit Lehrenden, sagt von den Hoff: „Das ist schon eine richtige Herausforderung für die Studierenden, aber eine gute – da entsteht eine europäische Forschungsgemeinschaft.“

Promotion, Lehramt, Museum

Auch ein Praktikum ist Teil des Lehrplans. Viele Absolventinnen und Absolventen schließen eine Promotion an, manche wechseln ins Lehramt oder arbeiten für Museen, einzelne gehen auch zum Beispiel in die Medien. Bewerberinnen und Bewerber für den Studiengang müssen zwei europäische Sprachen auf studierfähigem Niveau beherrschen; Englisch zählt hierbei nicht, denn englischsprachige Universitäten sind im Verbund nicht vertreten. Außerdem sind Kenntnisse – zum Beispiel durch einen Bachelorabschluss – in mindestens zwei der drei zentralen Fachbereiche sowie Latein- oder Altgriechisch-Kenntnisse nötig.

Die Studierenden nähmen für den Studiengang einiges auf sich, sagt von den Hoff. „Aber sie kommen bereichert wieder und werden intensiv betreut.“ Er setze sich mit jeder Studentin und jedem Studenten zusammen, plane das Studium, bastele Sprachkenntnisse und Schwerpunkte zusammen: Wer sich für Etruskologie interessiert, ist in Innsbruck gut aufgehoben, Perugia hat einen Schwerpunkt in Alter Geschichte, Salamanca in Klassischer Philologie, Athen in Antiker Epigrafik. „Das ist sehr aufwendig“, sagt von den Hoff, „macht aber mit unseren Studierenden wirklich Spaß. Europa wird dabei tatsächlich als Wissenschaftsraum erfahren.“

Thomas Goebel

 

Masterstudiengang „Classical Cultures“

Die Studiendauer beträgt vier Semester.

Studierende des Masters verbringen ihr Studium an mindestens zwei verschiedensprachigen Universitäten.

Der Studiengang schließt mit einem Abschluss von zwei Universitäten ab.

Bewerbungen sind jeweils bis zum 15. Mai möglich.

Weitere Informationen

 

Elisa Beck studiert in Freiburg und Perugia.

„Anders als bei einem Erasmus-Semester im Ausland war ich bei meinem Aufenthalt an der Universität von Perugia eine ‚richtige‘ Studentin, das macht schon einen Unterschied. Ich habe dort auch viel persönliche Betreuung erfahren. Es ist für die eigene Planung des Studiums sehr positiv, mit jemandem zu sprechen, der weiß, was wo geht. Ein weiterer Vorteil des Masters war für mich, dass ich in Perugia noch mal ganz neue Bereiche der Archäologie kennenlernen konnte.“

Foto: Patrick Seeger

 

Die Doktorandin Beatrice Gavazza hat in Freiburg und Perugia studiert.

„Ich fand es total interessant, die Perspektiven zweier Universitäten in unterschiedlichen Ländern kennenzulernen. Jedes Land hat seine Besonderheiten – in Italien lernt man viel aus Büchern und Vorlesungen, in Deutschland muss man mehr Vorträge halten und wissenschaftliche Arbeiten schreiben. Prüfungen auf Deutsch zu schreiben war schon eine Herausforderung für mich. Und man muss gut organisiert sein, aber wir waren zum Glück gut betreut. Jetzt promoviere ich – mit einem Stipendium, das ich ohne Studium im Ausland nicht bekommen hätte.“

Foto: privat