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Populäre Spiritualität

Der Freiburger Theologe Stephan Wahle untersucht, wie sich Weihnachten von einem religiösen zu einem bürgerlichen Fest wandelt

Freiburg, 07.12.2018

Populäre Spiritualität

Quelle: eyetronic/Fotolia

Funkelnde Christbaumkugeln, märchenhafte Weihnachtsmärkte, nostalgische Kindheitserinnerungen: Jedes Jahr scheint sich ab Dezember ein „Festivitätsgefühl“ in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Aus theologischer Sicht stellt sich die Frage, welche Bedeutung dem Fest in einer scheinbar „nach-christlichen“ Kultur noch zukommt.

Der Freiburger Theologe Prof. Dr. Stephan Wahle hat das Phänomen Weihnachten untersucht: Von den biblischen Wurzeln im Neuen Testament und den Ursprüngen in der Spätantike über Theologie und Liturgie, das vielfältige Brauchtum und die beliebten Lieder bis hin zur Wandlung von einem kirchlich-religiösen zu einem privat-familiären Weihnachtsfest und den heutigen Ritualen an Heiligabend sowie der Praxis in Glaube, Kultur und Gesellschaft.

„Weihnachten besitzt gerade als kulturelle oder gar populärkulturelle Institution einen religiösen beziehungsweise spirituellen Gehalt, auch wenn die Deutungshoheit nicht mehr bei Kirche und Theologie liegt und die Form dieser Religiosität eher eine unbestimmte und von den Teilnehmenden oftmals auch unerkannte ist“, resümiert Wahle. Viele Menschen würden ihre Feier an Heiligabend nicht als etwas aktiv Religiöses bezeichnen. „Und dennoch erfahren sie in der Weihnachtszeit  den Wunsch nach Dankbarkeit, Stille und Besinnlichkeit.“ Obwohl das „Heilige“ in dieser Zeit vielleicht nicht mehr bewusst wahrgenommen werde, könnten es die Menschen als „irgendwie“ vorhanden ausmachen. Am Weihnachtsfest werde das Phänomen der populären Spiritualität deutlich. „Viele religiöse Ausdrucksformen leben auch außerhalb religiöser Institutionen in Bereichen wie Medien, Sport und Freizeitverhalten und vermögen dort zu sinnstiftenden Erfahrungen beizutragen.“ Für die Forschung interessant sei besonders die Erlebnisqualität von Weihnachten: Wie sie sich in Liedern, in der Kunst, auf dem Weihnachtsmarkt oder im Weihnachtsgottesdienst zeige.

Professor Dr. Stephan Wahle leitet die Arbeitsstelle Liturgie, Musik und Kultur am Arbeitsbereich Dogmatik und Liturgiewissenschaft der Universität Freiburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die systematisch-theologischen Grundlagen des christlichen Gottesdiensts, die Kulturgeschichte von Gottesdiensten und Ritualen sowie christliche Feste in Geschichte und Gegenwart, speziell das Weihnachtsfest. Sein Buch „Die stillste Nacht. Das Fest der Geburt Jesu von den Anfängen bis heute“ versteht sich als eine Art Kompendium, das die verschiedenen Facetten von Weihnachten aus theologischer und kulturgeschichtlicher Perspektive in verständlicher Sprache zusammenstellen will.

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Prof. Dr. Stephan Wahle


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