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Biodiversität schützt nicht jede Region vor Trockenheit

Ergebnisse eines europäischen Projekts widerlegen bisherige Annahmen zur Baumartenvielfalt

Freiburg, 09.10.2014

Biodiversität schützt nicht jede Region vor Trockenheit

Foto: Michael Scherer-Lorenzen

Zukünftig werden in Teilen der Welt wie zum Beispiel in Mittel- oder Südeuropa vermehrt Dürreperioden auftreten, die auch die Stabilität von Wäldern reduzieren können. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Projekts FunDivEUROPE, das der Freiburger Ökologe Prof. Dr. Michael Scherer-Lorenzen koordiniert, haben erforscht, ob die Vielfalt an Baumarten die Widerstandsfähigkeit eines Waldbestands gegen Trockenheit beeinflusst. Im Gegensatz zu bisherigen Annahmen belegt die Studie, dass die Artenvielfalt keinen durchweg positiven Effekt auf die Stabilität der Wälder hat. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) erschienen.

Bekannt ist, dass die biologische Vielfalt des Ökosystems Wald die Leistungsfähigkeit sowie die Resistenz gegenüber Schadinsekten und Krankheiten fördern kann, da verschiedene Baumarten Ressourcen unterschiedlich nutzen und unterschiedlich anfällig für Schadorganismen sind. Bislang haben Forscherinnen und Forscher angenommen, dass Biodiversität die Fähigkeit von Waldökosystemen erhöht, dürrebedingten Stress abzupuffern. Um die Auswirkungen der Biodiversität auf die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wälder gegen Trockenheit zu untersuchen, hat das Team unter Mitwirkung der Freiburger Ökologen Michael Scherer-Lorenzen und Dr. David Forrester insgesamt 160 Waldbestände in Spanien, Italien, Rumänien, Polen und Deutschland ausgewählt und miteinander verglichen. Die Diversität der Baumarten reichte von Monokulturen bis zu Fünf-Arten-Mischungen.

„Unsere Studie zeigt, dass Mischwälder nur in einigen Regionen widerstandsfähiger als Monokulturen gegenüber Trockenstress sind“, sagt Scherer-Lorenzen: Die Baumartenvielfalt biete nur in dürregefährdeten Gebieten eine erhöhte Widerstandskraft gegen Trockenheit; also in Regionen, in denen die Häufigkeit und Schwere der Dürre während der Vegetationszeit bereits relativ hoch sei. Daher gewährleiste allein eine Waldbewirtschaftung, welche die Baumartenvielfalt erhöhen will, nicht unbedingt eine bessere Anpassungsfähigkeit an mögliche Klimaextreme wie schwere Dürreperioden. „Eine große Bedeutung spielen nicht nur die Anzahl an Arten, sondern vor allem die Identität der vorkommenden Baumarten sowie die lokalen klimatischen Bedingungen“, berichtet Forrester. Dies sei eine Voraussetzung, um die komplementäre Nutzung von Ressourcen unter Trockenstress zu erhalten und damit die Funktionsfähigkeit des Ökosystems Wald zu stabilisieren.

Originalpublikation:
Grossiord C., Granier A., Ratcliffe S., Bouriaud O., Bruelheide H., Checko E., Forrester D.I., Dawud S.M., Finér L., Pollastrini M., Scherer-Lorenzen M., Valladares F., Bonal D. & Gessler A. (2014). Tree diversity does not always improve resistance of forest ecosystems to drought. Proceedings of the National Academy of Sciences. DOI: 10.1073/pnas.1411970111

Weitere Informationen:
www.fundiveurope.eu

 

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Scherer-Lorenzen
Geobotanik
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-5014
E-Mail: michael.scherer@biologie.uni-freiburg.de


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