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Weniger wegwerfen, mehr reparieren

Kulturanthropologe Markus Tauschek über die Hintergründe und Ziele des „Kauf-nix-Tag“ am 24. November

Freiburg, 14.11.2018

Weniger wegwerfen, mehr reparieren

Foto: zinkevych/Fotolia

Der „Kauf-Nix-Tag“, den der kanadische Künstler Ted Dave im Jahr 1992 initiierte, ist ein Beleg dafür, dass Konsum heute in bestimmten Kontexten sehr umstritten ist. Er wurde als Aktionstag organisiert, der auf denselben Tag fällt wie der so genannte Black Friday, der zu den umsatzstärksten Tagen des Jahres  in den USA gehört. „Der ‚Kauf-Nix-Tag‘ artikuliert eindeutige Konsumkritik. Es geht dabei um den bewussten Verzicht“, sagt Kulturanthropologe Prof. Dr. Markus Tauschek von der Universität Freiburg.

Der Aktionstag beleuchte zudem eine weitere Dimension. „Offensichtlich sehen immer mehr Menschen im Konsum von Dingen nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ethisches Problem.“ Sie bemerkten, dass der wachsende Konsum in einer globalisierten Welt auch ein wichtiger Faktor in der Herstellung und Aufrechterhaltung von Ungleichheitsverhältnissen sei. Dies zeige sich beispielhaft an den Debatten um in Bangladesch produzierte Kleidung.

Weltweit gebe es darauf ganz unterschiedliche Reaktionen. „In Reparaturwerkstätten schließen sich Menschen zusammen, um nachhaltig defekte Geräte auszubessern, in Tauschbörsen wird abgelegte Kleidung weitergereicht.“ Ferner setzten sich die so genannten Unverpackt-Läden in Kiel, Berlin oder Freiburg für einen ethischen, nachhaltigen und ökologischen Einkauf ein. „In all diesen Beispielen möchten Konsumentinnen und Konsumenten die Erfahrung machen, dass sie durch die Veränderung ihres Kaufverhaltens tatsächlich etwas bewegen können.“ Anders als der „Kauf-Nix-Tag“ setzten die Unverpackt-Läden auf konkrete Veränderungen im Alltag – mit all den Konsequenzen für den Einkauf, die Vorratshaltung oder letztlich auch das Kochen und Essen.

Das Nutzen, Konsumieren, Verbrauchen oder Konservieren und Ordnen von Dingen seien wichtige Kulturtechniken. Dabei stünden sich jedoch zwei Seiten gegenüber. „Während wir immer mehr Dinge mit einer Art Wegwerfmentalität konsumieren, drückt sich in der seit den 1980er Jahren zunehmenden Musealisierung aller Lebensbereiche ein Interesse für das Sichern und Bewahren materieller Kultur aus“, bilanziert Tauschek. Haben die einen Dinge scheinbar nur einen kurzlebigen Gebrauchswert, würden andere in kulturelle Wertigkeiten eingebettet, die sie symbolisch enorm aufwerteten.

Der Minimalismus sei eine ähnlich ausgerichtete Bewegung. „Diese Menschen verfolgen das Ziel, dauerhaft mit möglichst wenig Dingen in ihrem Alltag zu leben.“ Neben der dabei artikulierten Konsumkritik zeige sich dabei aber auch ein bestimmter Lebensstil, der viel mit Erwartungen an das wachsende symbolische Kapital zu tun habe.

Markus Tauschek ist seit 2015 Professor am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.  Neben Fragen der Populären Kultur setzt er sich auch mit Konkurrenz und Wettbewerb, mit Kulturerbe und Geschichtskultur und mit Knappheit und Ressourcen auseinander.




Prof. Dr. Markus Tauschek


Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie
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Tel.: +49 (0) 761/203-3306
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