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"Ich stehe in der Sonne und fühle, wie meine Flügel wachsen" - Die erste Studentin Deutschlands studierte in Freiburg

Ein neu erschienenes Buch beleuchtet exemplarisch die Geschichte des Frauenstudiums an der Albert-Ludwigs-Universität

Freiburg, 18.12.2002

Am 30. April 1900 durfte sich die Karlsruherin Johanna Kappes regulär an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg immatrikulieren. Damit war sie die erste Studentin Deutschlands. Unterstützung hatte sie ausgerechnet vom badischen Kultusministerium bekommen, wo man kein schlüssiges Argument mehr hatte finden können, um Frauen den Hochschulbesuch zu verbieten. Ganz anders im fernen Preußen: Dort mussten wissbegierige Frauen noch acht Jahre lang auf ihre Immatrikulation warten.
Nicht so in Freiburg: Hier hatte sich der Rektor persönlich dafür eingesetzt, dass Johanna Kappes und vier anderen Frauen, die bereits im Vorsemester besuchsweise geduldet worden waren, diese Leistungen anerkannt wurden.
An diese Pionierrolle knüpfte die Albert-Ludwigs-Universität erst vor kurzem wieder an, als sie erstmals in Baden Württemberg den interdisziplinären Studiengang "Gender Studies" einrichtete. In diesem Umfeld siedelte sie auch ein Forschungsprojekt an mit dem Ziel, die Geschichte des Frauenstudiums in Freiburg von der ersten Immatrikulation bis in die Gegenwart aufzuarbeiten.
Pünktlich zum Landesjubiläum liegt nun eine Studie vor, die den dornigen Weg zur Universität ebenso nachzeichnet wie sie den Alltag von Studentinnen vergangener Jahrzehnte wieder lebendig macht und das Beziehungsgeflecht zwischen Lehrenden, Studentinnen und Studenten über den Zeitraum von hundert Jahren genau durchleuchtet. Für den Titel wurde ein Ausspruch der Freiburger Studentin Elly Knapp gewählt, der späteren Ehefrau des Bundespräsidenten Theodor Heuss: "Ich stehe in der Sonne und fühle, wie meine Flügel wachsen".
Durch die großzügige Unterstützung des Landes Baden-Württemberg und der Albert-Ludwigs-Universität und ihrer Alumni-Vereinigung konnte die Historikerin Ute Scherb die Ergebnisse dieses von der vormaligen Frauenbeauftragten Prof. Dr. Elisabeth Cheauré initiierten Unternehmens vorlegen. Entstanden ist ein wissenschaftlich fundiertes, reich bebildertes Lesebuch, das nicht nur auf herkömmlichem Archivmaterial beruht, sondern Studentinnen selbst zu Wort kommen lässt, indem die Autorin aus Briefen, Tagebüchern oder Lebensberichten zitiert und Zeitzeuginnen zum Sprechen bringt.

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Ute Scherb: "Ich stehe in der Sonne und fühle, wie meine Flügel wachsen". Studentinnen und Wissenschaftlerinnen an der Freiburger Universität von 1900 bis in die Gegenwart. Paperback, 384 Seiten, 86 Abbildungen.
28,00 EUR / 49.80 SFr. ISBN 3-89741-117-2.
www.ulrike-helmer-verlag.de