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Kritik in Sprechblasen

Am 27. September 2012 beginnt an der Universität Freiburg eine Tagung über das Verhältnis von Comics und Politik

Freiburg, 27.02.2017

Kritik in Sprechblasen

© Simon Schwartz

Auf welche Weise kommentieren politische Comics aktuelle Widerstandsbewegungen wie zum Beispiel den „Arabischen Frühling“ oder „Occupy“? Wie haben sich die Terroranschläge des 11. September 2001 auf die Darstellung von Superhelden ausgewirkt? Welche Strategien versteckter Kritik und ausdrücklicher Systemtreue wenden Künstlerinnen und Künstler an? Das Institut für Medienkulturwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) laden vom 27. bis zum 30. September 2012 zur 7. Jahrestagung für Comicforschung ein. In ihren Vorträgen werden sich internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit den vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Comics und Politik beschäftigen.

Comics hatten schon seit den Anfängen des Mediums im späten 19. Jahrhundert eine Tendenz zu Kritik und Satire. Die Kunstform öffnete sich zugleich aber auch propagandistischen Zwecken. Als ein alternatives Medium, besonders als vermeintliches Kinder- und Jugendprodukt, wurden Comics immer wieder Versuchen der Regulierung, Zensur oder Unterdrückung unterworfen – zum Beispiel in Deutschland im Rahmen der wiederkehrenden „Schmutz und Schund“-Debatten. Das Bildmedium, das in der bilddominierten Medienlandschaft der Gegenwart dennoch randständig bleibt, bricht die Darstellungsgewohnheiten etablierter Hierarchien auf. Comics eignen sich die vervielfältigten Bilder der Massenkommunikation an und zeichnen sie nach, verändern und verformen sie, bis sie in neuer Weise sichtbar werden: Zeichnungen, die zum Beispiel die Anschläge vom 11. September, die Bundeskanzlerin oder den Reichtag zeigen, stehen den massenweise vervielfältigten Fotografien als Alternativen mit neuer Perspektive gegenüber.

Unter den fast 40 Vortragenden, die an der Konferenz teilnehmen, ist auch der deutsche Comic-Künstler Simon Schwartz vertreten, dem 2009 mit „drüben!“ eine komplexe Erzählung über den allmählichen Bruch seiner Eltern mit der ehemaligen DDR gelang. Er wird in einem Vortrag über seinen Umgang mit objektiver und subjektiver Wahrnehmung von Geschichte sprechen. Darüber hinaus werden Wissenschaftler aus dem Nordic Network for Comics Research (NNCORE) in Vorträgen der Frage nachgehen, wie sich nordische Comics von 1930 bis in die 1960er Jahre zwischen Unterhaltung und Propaganda bewegten. Die international renommierte Comicforscherin Prof. Dr. Anne Magnussen von der Universität Kopenhagen/Dänemark berichtet in einem Abendvortrag über Politik in spanischen Comics. Eine Forschungswerkstatt und mehrere Künstlergespräche runden das viertägige Programm ab.

Das Plakat zur Veranstaltung finden Sie hier [29 MB]

Informationen und Anmeldung unter:
http://www.comfor2012.comicgesellschaft.de

 

Kontakt:
Dr. Stephan Packard
Juniorprofessor für Medienkulturwissenschaft
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-97842
E-Mail: stephan.packard@medienkultur.uni-freiburg.de