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Anschläge in Brüssel

Stefan Kaufmann erforscht, wie die innere Sicherheit gewährleistet werden kann – und warnt vor den Gefahren einer übertechnisierten Präventionspolitik

Freiburg, 24.03.2016

Anschläge in Brüssel

Die belgische Hauptstadt Brüssel wurde Opfer von terroristischen Anschlägen. Foto: orpheus26/Fotolia

Terroristische Anschläge wie jüngst die Angriffe auf die belgische Hauptstadt Brüssel lenken die Aufmerksamkeit auf die Frage, wie sich solche Ereignisse verhindern lassen. Der Freiburger Soziologe Prof. Dr. Stefan Kaufmann untersucht, mit welchen Erwartungen und Konsequenzen Maßnahmen verbunden sind, die dazu beitragen sollen, die innere Sicherheit aufrechtzuerhalten und die Folgen von Katastrophen zu minimieren – zum Beispiel bei Attacken von Terrorgruppen, Erdbeben oder einem Flugzeugunglück. In den Fokus von Politik und Gesellschaft rücken vor allem die situativen Präventionsmaßnahmen, die weitgehend auf Technologien basieren. „Potenziell gefährdete Orte wie Flughäfen lassen sich zum Beispiel schützen, indem Sicherheitskräfte mithilfe von Detektionstechnologien Sprengstoffe aufspüren oder durch automatisierte Überwachung und Musterkennung Personen ausmachen, die sich auffällig verhalten“, sagt Kaufmann.


Der Experte warnt jedoch vor den Gefahren, die manche Sicherheitsmaßnahmen mit sich bringen – und vor bürgerrechtlichen Folgen wie der Verletzung der Privatsphäre sowie vor den rechtsstaatlichen Kosten. Beim so genannten Prescreening von Fluggästen etwa werden deren Reisedaten gesammelt und ausgewertet – einschließlich der eingenommenen Mahlzeiten. „Auf rein statistischer Basis werden Personen, die als potenzielle Gefährder identifiziert wurden, gesondert behandelt und eventuell von Flügen ausgeschlossen“, erklärt Kaufmann. Das Handeln stehe im Zeichen der Vorbeugung: „Eine Intervention erfolgt, noch bevor sich jemand tatsächlich als gefährlich entpuppt.“


Der Soziologe weist darauf hin, dass diese „Logik der Verdachtsschöpfung“ anderen Formen von Prävention, etwa milieuspezifischen Maßnahmen zur Verhinderung von Radikalisierungsprozessen, durchaus entgegenstehen kann. „Die Europäische Union hat in ihrem Sicherheitsforschungsprogramm etwa 1,9 Milliarden Euro größtenteils in die Entwicklung von Kontroll- und Überwachungstechnologien investiert, kaum aber in die Entwicklung alternativer Formate.“


Stefan Kaufmann leitet eine Forschergruppe am Centre for Security and Society. Die fächerübergreifende Einrichtung bündelt die informationstechnische, juristische, soziologische, ethische und gesellschaftspolitische Sicherheitsforschung an der Universität Freiburg. Kaufmanns Team befasst sich mit kulturellen, organisatorischen und sozialen Bedingungen und Folgen gegenwärtiger Formen des Sicherheitsmanagements bei der inneren Sicherheit sowie mit dem Bevölkerungs- und Katastrophenschutz.