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Fußball und Ausgrenzung

Beginn der Europameisterschaft: Soziologin Nina Degele erforscht Homophobie, Rassismus und Sexismus in dem Männersport

Freiburg, 10.06.2016

Fußball und Ausgrenzung

Fußball erlaube und fordere von Männern auch, Emotionen auszuleben, die sie sonst unterdrücken, erklärt Nina Degele. Bild: © 103tnn / Fotolia

„Mit dem Beginn der Europameisterschaft der Männer in Frankreich heißt es wieder einmal: Fußball verbindet – über Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Klasse und vieles mehr hinweg“, sagt Prof. Dr. Nina Degele. „Fußball verbindet – aber immer auch durch Ausgrenzung.“ Denn Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft würden durch Abgrenzung von Anderen entstehen: „Wir wissen, wer wir sind, wenn wir wissen, von wem wir uns unterscheiden. Auch Schwule, Frauen und Nicht-Weiße kicken – wirklich willkommen in der heterosexuellen, weißen und männlichen Fußballmehrheit sind sie nicht.“

Fußball sei der deutsche Männernationalsport schlechthin und auch eine Projektionsfläche für Gemeinschaft stiftende Normalitätsvorstellungen. Auf dem Fußballplatz normal seien inzwischen auch dunkelhäutige Spieler wie Jérôme Boateng oder Muslime wie Mesut Özil – „solange sie für Deutschland erfolgreich sind und sich nicht für das Nichtsingen der deutschen Nationalhymne rechtfertigen müssen“, schränkt Degele ein. Fußball erlaube und fordere von Männern auch, Emotionen auszuleben, die sie sonst unterdrücken: Umarmungen, Tränen, Tätscheln, Küssen. „Die Präsenz schwuler Kicker könnte allerdings dazu verleiten, solche auf dem Platz selbstverständliche Gesten sexuell zu interpretieren – womit die Idee von Sport als Leistungsvergleich in Gefahr geriete“, so Degele. „Deshalb passen nach einem Tor jubelnde, sich auf dem Rasen wälzende und unter gemeinsamen Duschen stehende Männer einerseits und schwule Spieler andererseits noch immer nicht so recht zusammen.“ Fußball sei noch immer vor allem ein Spiel heterosexueller Männer. Im Vergleich dazu werde Frauen im Fußball Emotionalität weitgehend abgesprochen, weil sie damit eine männliche Exklusivität herausfordern. „Fußball spielende Frauen müssen nach wie vor beweisen, dass sie trotzdem richtige Frauen sind.“

Nina Degele ist Professorin am Institut für Soziologie und forscht unter anderem zu Homophobie, Rassismus und Sexismus im Fußball. Zu diesem Thema hat sie mehrere Studien sowie die Monografie „Fußball verbindet – durch Ausgrenzung“ veröffentlicht. Degele ist am besten per E-Mail erreichbar.