Artikelaktionen

Sie sind hier: Startseite Newsroom Expertendienst Galionsfigur für soziale …

Galionsfigur für soziale Gerechtigkeit

Kulturwissenschaftlerin Sieglinde Lemke über die politische und kulturelle Strahlkraft des Bürgerrechtlers Martin Luther King, die bis heute nachwirkt

Freiburg, 26.03.2018

Galionsfigur für soziale Gerechtigkeit

Bild: porcomanzi/Fotolia

Dr. Martin Luther King starb vor 50 Jahren, am 4. April 1968, durch den Schuss eines Attentäters. Sein gewaltsamer Tod ließ ihn binnen kürzester Zeit zu einer Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung werden. In den 1980er Jahren hat die amerikanische Regierung ihm zu Ehren sogar einen nationalen Gedenk- und Feiertag, den Martin Luther King Jr. Day, eingerichtet. „Nur selten wurde in den USA ein Afroamerikaner zum Nationalheld erklärt“, sagt Prof. Dr. Sieglinde Lemke vom Englischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

„Dr. King hat als Aktivist im Kampf gegen soziale Ungleichheit eine anhaltende kulturelle Bedeutung.“ Kings Strahlkraft reiche bis heute. Sie sei spürbar in der im Jahr 2013 ins Leben gerufenen „Black Lives Matter“ Bewegung und habe das Potenzial, Einfluss auf die große Herausforderung der Armutsbekämpfung zu nehmen. Als Martin Luther King starb, habe er gerade den „Poor People’s March“ organisiert, bei dem sich King ausdrücklich für die ökonomisch ausgegrenzten Amerikaner – nicht nur für die schwarze Bevölkerung – einsetzte. Ziel sei damals gewesen, ein garantiertes Mindesteinkommen für alle US-Amerikaner zu etablieren.

„King war ein militanter, wenn auch gewaltloser, Aktivist.“ Durch seine Philosophie, die sich deutlich gegen Gewalt aussprach, hat Dr. King die Zustimmung der weißen Bevölkerung gewonnen und legislative Erfolge wie den Civil Rights Act, der 1964 die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen aufhob, erzielt. „Die Penetranz und Ausdauer, mit der Dr. King in seiner kurzen Lebenszeit so vieles vorangebracht hat, zeugt von einer ungeheuren Kraft und Leidenschaft“, betont Lemke. Der Bürgerrechtler sei ein Idealist und Aktivist gewesen, wie es ihn so in den letzten 50 Jahren in den USA nicht mehr gegeben habe. Der Friedensnobelpreisträger sei ein schillerndes Beispiel für die Wirkmächtigkeit des Idealismus. „Barack Obama, als Präsident, musste seinen Idealismus den Zwängen der Realpolitik unterordnen.“

„King und Donald Trump hingegen verkörpern die Antipoden der amerikanischen Kultur. King predigte Nächstenliebe, Trump fordert `America First´; King setzte sich ein für die Schwachen, Trump verachtet sie; King appellierte an die Liebe, Trump schürt Hass; King glaubte an die Macht der Vernunft, Trump an einen post-faktischen Politikstil; King war Idealist, Trump ist Narzisst“, so die Kulturwissenschaftlerin.

King stehe in einer langen geistesgeschichtlichen Tradition. Er erinnere stets an die demokratischen Grundwerte Amerikas und war Vordenker im globalen Kampf um Menschrechte. „Kings Erfolgsgeschichte und geistiges Erbe gibt Hoffnung, dass der Kampf für eine soziale Moderne allen Hindernissen zum Trotz weiter voranschreitet.“

Sieglinde Lemke ist Professorin am Englischen Seminar der Universität Freiburg. Zu ihren Forschungsthemen gehören Class and Precarity, African-American und Gender Studies sowie der amerikanische Modernismus. Sie ist Fellow am Hutchins Center der Harvard University und Autorin des Buches „Inequality, Poverty, and Precarity in Contemporary American Culture“.




Prof. Dr. Sieglinde Lemke

Englischen Seminar
Rempartstr. 15, 79085 Freiburg

Telefon: +49 (0)761-203-3349
E-Mail: sieglinde.lemke@anglistik.uni-freiburg.de

 

 Alle Expertinnen und Experten im Überblick