Artikelaktionen

Sie sind hier: Startseite Newsroom Expertendienst Donald Trumps Amtseinführung

Donald Trumps Amtseinführung

Kulturwissenschaftlerin Sieglinde Lemke über Amerikas neuen Präsidenten und seinen Aufstieg

Freiburg, 17.01.2017

Donald Trumps Amtseinführung

Donald Trump bei einer Rede in Fountain Hills, Arizona. Foto: Gage Skidmore/Flickr

Am 20. Januar 2017 tritt Donald Trump sein Amt als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika an. Auf die vielen Absagen amerikanischer Prominenter, bei seiner Inauguration-Zeremonie aufzutreten, twitterte Trump: „I want the PEOPLE!“ Mit dieser populistischen Rhetorik setze der Billionär seine medienwirksame Haudegen-Performance fort, sagt die Freiburger Expertin für Nordamerikastudien Prof. Dr. Sieglinde Lemke. „Der steile Aufstieg Trumps, symbolisiert in dessen pompöser Amtseinführung, erklärt sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive durch das Zusammenspiel von im wesentlichen vier Faktoren: einer Komplizenschaft mit dem common man gegen ‚arrogante’ Intellektuelle sowie elitäre Politikerinnen und Politiker, einer bigotten Hypermaskulinität, einer Negation des kosmopolitischen liberalen und neoliberalen Zeitgeistes sowie einer gefühlten – und tatsächlichen – wirtschaftlichen Bedrohung, der 50 Prozent der Bevölkerung, insbesondere junge Menschen, ausgesetzt sind.“

Damit lasse sich erklären, dass in prekären Zeiten ein rüpelhaft daherkommender Medienheld den global gesehen einflussreichsten politischen Posten einnehme. Trump suggeriere nationale Überlegenheit („Make America great again“), wirtschaftliche Schlagkraft („Make in U.S.A. or pay big border tax!“) und persönliche Potenz („I will fix it“). „Sollte sich all das jedoch nicht bewahrheiten, wird sich zeigen, wie der rhetorische Draufgänger auf die getäuschten Wählerinnen und Wähler reagiert und diese auf ihn“, betont Lemke. „Das Zusammentreffen des inszenierten nationalen Egoboosts und der realen prekären Lage der Nation hat sicherlich toxische Sprengkraft.“

Bei ‚the Movement‘, wie Trump seine Anhängerinnen und Anhänger und sich selbst kürzlich bezeichnete, könne es sich keinesfalls um eine Bewegung gegen das Establishment handeln: „Das zeigt nicht nur die Zusammensetzung seines Kabinetts – das reichste in der Geschichte der USA –, sondern auch die Zusammensetzung des Organisationsteams für die Zeremonie, welches von dem Großinvestor und Trumpsponsor Thomas Barrack Jr. geleitet wird“, so Lemke. „Es bleibt abzuwarten, ob die Wirtschaftselite Amerikas unter Führung des neuen Staatsoberhauptes es schaffen wird, den Amerikanern die Angst vor dem sozialen Abstieg und der Überfremdung, zum Beispiel durch Mexikaner, Muslime und queere Menschen, zu nehmen.“  

Sieglinde Lemke ist Professorin am Englischen Seminar der Universität Freiburg. Zu Ihren Forschungsthemen gehören Class and Precarity, African-American und Gender Studies sowie der amerikanische Modernismus. Sie ist Fellow am Hutchins Center der US-amerikanischen Harvard University und Autorin des Buches „Inequality, Poverty, and Precarity in Contemporary American Culture“.