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Mipster und Modest Fashionistas

Fatma Sagir erläutert, wie sich der Lebensstil moderner Musliminnen durch das Phänomen der populären Kultur wandelt

Freiburg, 26.09.2018

Mipster und Modest Fashionistas

Foto: bongkarn/Fotolia

Der Welt-Mädchentag am 11. Oktober will auf die Benachteiligung von Mädchen und jungen Frauen in vielen Ländern aufmerksam machen. Gleichzeitig bietet er Anlass, über die sich wandelnde Lebenswelt junger Musliminnen nachzudenken. „Im Jahr 2013 war die Twitter-Gemeinde erschüttert, als junge amerikanische Musliminnen sich im urbanen Setting zu den Beats von Musik-Mogul Jay-Z’s ‚Somewhere in America‘ in farbenfrohen Kopfbedeckungen bewegten“, sagt Kulturanthropologin Dr. Fatma Sagir von der Universität Freiburg. Muslime wie Nicht-Muslime konservativer Couleur zweifelten die „Frömmigkeit“ und die „Züchtigkeit“ dieser jungen Frauen an. Der traditionellen Dichotomie des Privaten versus des Öffentlichen zufolge solle die Frau im öffentlichen Raum idealerweise ihren Körper vor den Blicken fremder Männer schützen. Ungeachtet dessen seien die jungen Muslime jedoch weltweit von „Somewhere in America“ begeistert gewesen. „Die Bewegung der ‚Mipster‘, eine Kombination aus Muslim und Hipster, war geboren.“

Muslimische Identitäten seien im Kontext postmoderner Gesellschaften in besonderer Weise herausgefordert. Insbesondere in muslimischen Jugendkulturen, die sich am ganzen Repertoire populärer Kultur bedienten, würden die seit langem bestehenden Identitätsvorstellungen mitunter in Frage gestellt und kritisch verhandelt. „Musliminnen führen diesen Prozess an. Viele junge muslimische Frauen und Mädchen verstehen es, verschiedene Lebensmuster, meist die ihres Elternhauses oder ihrer religiösen Erziehung, geschickt mit den Erwartungen und Wertvorstellungen der nicht-muslimischen Welt auszubalancieren.“ Dafür nutzten muslimische Bloggerinnen geschickt die verschiedenen Social-Media-Kanäle und die Mode. Über diese Plattformen diskutierten sie Fragen von Religion, Tradition, Moderne und Zugehörigkeit. Auch ihre Rolle als Frau gehöre dazu. „Einige von ihnen nennen sich auch Hijabi, angelehnt an das arabische Wort hijab für die Kopfbedeckung. Oder sie nennen sich Modest-Fashion-Bloggerinnen.“

In der öffentlichen Debatte werde die muslimische Jugendkultur jedoch häufig äußerst einseitig dargestellt, besonders betroffen davon seien auch muslimische Frauen. Dabei sei gerade die populäre Kultur für viele junge Muslime ein machtvolles Instrument, um sich sowohl gegen die oft als Zwänge wahrgenommenen traditionalen Bezüge zu artikulieren als auch Kritik an mangelnder Teilhabe und Sichtbarkeit in der Gesellschaft zu äußern. „Gerade durch die populäre Kultur setzen sich junge Muslime kritisch-reflektierend mit ihrer Identität, ihren kulturellen Ordnungs- und Regelsystemen auseinander und transformieren diese.“

Dr. Fatma Sagir ist seit 2017 Habilitandin am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Albert-Ludwigs-Universität. Ihr Habilitationsprojekt „Muslim Lifestyle“ geht thesenhaft davon aus, dass die neuen muslimischen Identitätsentwürfe im Feld der Populärkultur traditionelle Ordnungen herausfordern und diese mitunter bedrohen.

Foto: Pauline Sprang

Dr. Fatma Sagir


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