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40. Todestag von Mao Zedong

Der Sinologe Daniel Leese über den Diktator und Begründer der chinesischen Volksrepublik

Freiburg, 01.09.2016

40. Todestag von Mao Zedong

Auf dem Tian'anmen-Platz im Zentrum Pekings hängt bis heute das überlebensgroße Porträt Mao Zedongs. Foto: Feedzhyu/Wikimedia Commons

Am 9. September 1976 starb Mao Zedong, der Staatsgründer der Volksrepublik China und langjährige Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas. „Der charismatische Parteiführer hielt bis zu seinem Tod die politischen Zügel fest in der Hand und versuchte nicht zuletzt mithilfe landesweiter Massenkampagnen wie der ‚Großen Proletarischen Kulturrevolution‘, seine Vorstellung vom Sozialismus im bevölkerungsreichsten Land der Erde zu verwirklichen“,  erläutert der Freiburger Sinologe Prof. Dr. Daniel Leese. „Sein Tod im ereignisreichen Jahr 1976, in dem beispielsweise auch das Tangshan-Erdbeben etwa 240.000 Todesopfer forderte, stellt eine tiefgreifende Zäsur in der chinesischen Geschichte dar.“

Nach Mao Zedongs Tod habe es nur wenige Wochen gedauert, bis eine Allianz von Partei- und Militärführern seine politischen Gefolgsleute inhaftieren ließ und ein Richtungsstreit über die politische Zukunft Chinas entbrannte. Ende 1978 wurde ein politischer Kurswechsel eingeleitet: „Diese als Reform- und Öffnungspolitik bezeichnete Neuausrichtung führte zum gewaltigen Wirtschaftswachstum der Volksrepublik in den folgenden vier Jahrzehnten, allerdings auch zu Einkommensunterschieden und einer Selbstbereicherung der Kommunistischen Parteielite“, erklärt Leese.

Bis heute fasziniere und polarisiere die Figur Mao Zedongs und werde von unterschiedlichen politischen Richtungen vereinnahmt: „Während er in China derzeit dank der Kommunistischen Partei als Symbol nationaler Führungsstärke Hochkonjunktur genießt, stellen seine Warnungen vor Machtmissbrauch und Korruption für die ‚Neue Linke‘ ein Modell zur Kritik der Gegenwart dar“, so Leese. „An eine kritische Diskussion über seine historische Rolle und die Abermillionen, die im Zuge seiner gescheiterten politischen Maßnahmen starben, ist in der Öffentlichkeit hingegen nicht zu denken.“ Dennoch präge das vielfältige Erbe des einstigen „Großen Steuermanns“ der chinesischen Revolution die Volksrepublik, die Kommunistische Partei und die chinesische Gesellschaft bis heute.

Daniel Leese ist Professor für Geschichte und Politik des Modernen China am Institut für Sinologie der Universität Freiburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt unter anderem der Umgang mit Gewaltverbrechen der maoistischen Phase in der Reformära von 1978 bis 1987. Das Projekt „The Maoist Legacy: Party Dictatorship, Transitional Justice and the Politics of Truth“ wird vom Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert. 2016 erschien Leeses Buch „Die Chinesische Kulturrevolution“. Leese kann nur per E-Mail kontaktiert werden, steht aber für Telefonate und weitere Termine nach Absprache zur Verfügung.

Artikel über Daniel Leeses Forschung im Magazin uni’wissen
http://www.pr2.uni-freiburg.de/publikationen/uniwissen/uniwissen-2016-1/page1.html#/28

Videointerview mit Daniel Leese im Portal Surprising Science

http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/surprisingscience/Geschichte/mao/