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Nur 40 Jahre Gefängnis für Genozid?

Studierende präsentieren eine crossmediale Reportage über das Völkerstrafrecht

Freiburg, 13.04.2017

Nur 40 Jahre Gefängnis für Genozid?

Foto: Julian Nitzsche/Wikimedia Commons

Kann es für Kriegsverbrechen und Genozid eine angemessene Strafe geben, und kann sie Gerechtigkeit herstellen? Fällt Opfern und Hinterbliebenen das Leben nach einer Verurteilung der Täterinnen und Täter leichter? 15 Freiburger Studierende beleuchten in einer crossmedialen Reportage die Chancen und Grenzen des Völkerstrafrechts.


Sitz des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag: Im November 2017 wird das Urteil im Prozess gegen den bosnisch-serbischen General Ratko Mladić erwartet. Foto: Julian Nitzsche/Wikimedia Commons

Das internationale Völkerstrafrecht legt fest, wie Kriegsverbrechen, Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit definiert sind und bestraft werden. Doch reichen Strafen aus, um den Opfern ein friedliches Leben zu ermöglichen? Die studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ausbildungsredaktionen von uniCROSS im Medienzentrum der Freiburger Universitätsbibliothek haben diese Fragestellung und mögliche Antworten veranschaulicht – mit Artikeln, Radiointerviews, interaktiven Grafiken, Videos und Fotos.

In der Reportage „Völker.Straf.GeRecht“ hat das Team zusammengefasst, wie das Völkerstrafrecht zustande kam und ist mit Juristen, Psychologen und Laien der Frage nachgegangen, was es für die Opfer zu leisten vermag. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die als Jugoslawienkriege bezeichneten kriegerischen Auseinandersetzungen in den Balkanstaaten, die von 1991 bis 2001 andauerten. Die genaue Zahl der Opfer ist bis heute ungeklärt.

Erst im November 2017 wird das Urteil im letzten damit zusammenhängenden Verfahren erwartet. Der Angeklagte ist Ratko Mladić, ein bosnisch-serbischer General, dem zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt werden.

Langer Weg bis zum Urteil

„Wir hätten auch die Nürnberger Prozesse oder die Kriege in Ruanda oder Syrien wählen können“, sagt Sebastian Müller-Runte, der das Projekt zusammen mit Julia Nestlen und Martin Hübner geleitet hat. „Wir haben uns aber für die Jugoslawienkriege entschieden, um die zeitliche Dimension aufzuzeigen. Es macht einem bewusst, wie lange es dauert, bis so ein Prozess einen Abschluss findet und ein Urteil vorliegt.“

Das Thema ist komplex, und die Einarbeitung sei schwierig gewesen, berichtet Müller-Runte, der Englisch und Biologie an der Universität Freiburg studiert. „Da wir keinen Juristen im Team haben, mussten wir uns viel selbst erarbeiten.“ Vor allem die Zusammenarbeit mit früheren Mitgliedern des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien sei spannend und aufschlussreich gewesen: „Mit Fachleuten sprechen zu können, die seit 20 Jahren mit der konkreten Anwendung des Völkerstrafrechts zu tun haben, war für uns ein absoluter Glücksfall.“


Julia Nestlen, Sebastian Müller-Runte und Martin Hübner (von links) haben das Projekt zusammen geleitet. Fotos: Ilyas Buss

Sechs Monate Recherche

Allerdings sei es nicht das Ziel des Teams gewesen, nur Fakten und Ansichten zu sammeln. Die Studierenden wollten ihr Publikum auch auf einer menschlichen Ebene erreichen. Deshalb seien die Interviews mit bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern, aber auch mit Studierenden so wichtig gewesen: „Unsere Gesellschaft braucht den Impuls, sich um Opfer kümmern zu wollen, eine Rechtsgrundlage allein reicht nicht aus. Deshalb möchten wir, dass sich bei dem Thema jeder als Mensch angesprochen fühlt“, sagt Müller-Runte.

Fast ein halbes Jahr lang haben 15 studentische uniCROSS-Mitarbeiter gemeinsam mit den Redakteurinnen und Redakteuren der Ausbildungsredaktionen an der Reportage gearbeitet. „Völker.Straf.GeRecht“ ist ein crossmediales Produkt: Das bedeutet, dass Mitarbeiter aller Teilredaktionen – also von Radio, TV und Online – ein Team bilden.

Müller-Runte zum Beispiel ist normalerweise Tutor in der Radioredaktion uniFM. Für das Projekt hat er aber auch Texte geschrieben und Videos geschnitten. „Bei crossmedialen Produktionen lernt man am meisten. Da schaut man über die Grenzen der eigenen Redaktion hinaus und tauscht auch mal die Rollen. So macht jeder, was er kann – und probiert auch mal was ganz Neues.“

Julia Dannehl

Crossmediale Reportage „Völker.Straf.GeRecht“

uniCROSS