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Niemand ist eine Insel

Vernetzt arbeiten, denken und lenken: Was halten Mitglieder der Universität Freiburg von ihrem neuen Motto „Connecting Creative Minds“?

Freiburg, 21.09.2018

Niemand ist eine Insel

Illustration: Svenja Kirsch

Der Ideentausch in regionalen, europäischen und globalen Netzwerken gehört für viele Forscherinnen und Forscher, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung sowie Studierende inzwischen zum Alltag. Diese Zusammenarbeit hat in Freiburg jedoch eine neue Dimension erhalten, seit die Universität das gemeinsame Denken und Schaffen in gezielt aufgebauten Netzwerken zum Leitgedanken ihrer Entwicklung gemacht hat. „Connecting Creative Minds – Trinational, European, Global“: So lautet das Motto für die zukünftige Entwicklung der Albert-Ludwigs-Universität. Verena Adt hat sich auf dem Campus umgehört und Forschende, Mitarbeitende und Studierende gefragt, was der Leitgedanke bei ihrer Arbeit bedeutet.

Illustration: Svenja Kirsch

„Niemand ist eine Insel. Man kann effektiver forschen, wenn man mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verbunden ist, mit ihnen arbeiten und von ihnen lernen kann. Das war auch einer der Gründe, warum ich Ende 2015 nach meiner Zeit als Postdoc in den USA nach Deutschland zurückkehren wollte: Ich hatte den Eindruck, dass man hier diese Netzwerke viel systematischer ausbaut. Ich habe dann auch erfahren, dass junge Wissenschaftler hier sehr kooperativ und aktiv aus den Netzwerken unterstützt werden, wenn sie zum Beispiel zum ersten Mal einen Förderantrag schreiben oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen müssen. Auch die Vernetzung zu Personen aus dem administrativen Bereich und zu den Studierenden ist aus praktischen Gründen hilfreich. Ich finde es gut, wenn die Universität Freiburg sich mit dem Motto ‚Connecting Creative Minds‘ offen engagiert und zeigt, dass sie bewusst darauf Wert legt.“

Dr. Julia Jellusova ist Junior-Gruppenleiterin am Exzellenzcluster BIOSS Centre for Biological Signalling Studies und am Institut für Biologie III. Foto: Ingeborg F. Lehmann


„Als Fakultätsassistent an der Technischen Fakultät habe ich eine Schnittstellenfunktion bei der Unterstützung von Forschung und Lehre. Das bedeutet, dass ich mit komplexen Sachverhalten und Strukturen und mit Menschen auf allen Ebenen umgehen muss. Das sind nicht nur Personen aus der eigenen Fakultät und aus der Universität, sondern auch aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie den Fraunhofer-Instituten und Industriepartner, mit denen wir im Austausch stehen. Aufgrund meiner Funktion bin ich Ansprechperson für alle, und ich bringe auch jetzt schon viele verschiedene Creative Minds zusammen. Das Miteinander ist ganz wichtig. Ich bin davon überzeugt, dass sich viele Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Beim Motto der Universität kommt mit dem Anspruch, trinational, europäisch und global zu wirken, eine weitere spannende Ebene hinzu. Ich freue mich, wenn es gelingt, mit anderen Kolleginnen und Kollegen aus den Universitäten des European Campus zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Ganz wichtig ist, diese Vision mit pragmatischen Ansätzen aus der Fakultät zu begleiten und auszufüllen.“

Dr. Rainer Giersiepen ist Fakultätsassistent an der Technischen Fakultät.
Foto: Ingeborg F. Lehmann


„An den Hochschulen geht es in allererster Linie um Creative Minds, all die unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure aus Lehre, Forschung, Verwaltung und der Studierendenschaft. Aufgabe der Hochschule ist, dazu beizutragen, dass diese Kreativität am besten zum Tragen kommt. Die Themen, die uns heute beschäftigen, sind oft globaler Natur – ob wir nun über nachhaltige Entwicklungsziele oder erneuerbare Energien reden. Diese Fragen kann kein Forschender, keine Universität, auch kein Land für sich allein lösen. Wir brauchen deshalb globale Netzwerke. Das bringt der Begriff ‚connecting‘ zum Ausdruck. Die Universität Freiburg hat sich das zur Strategie gesetzt, durch drei konzentrische Kreise: Trinational im Eucor-Raum – da ist Freiburg mit seinen Partnern schon sehr weit gediehen. Dann in Europa – hier gibt es ein großes europäisches Programm zur Schaffung von europäischen Hochschulen, auch das ist in Freiburg angelegt. Der dritte Kreis ist der globale. Hochschulen vernetzen sich heute viel strategischer als früher. Es geht nicht mehr darum, möglichst viele Partner zu haben, sondern genau die richtigen zu identifizieren, die zum eigenen Profil passen. Auch da ist Freiburg gut unterwegs. Das Motto bildet also zum einen sehr gut ab, was die Aufgaben der Hochschulen sind, aber macht auch deutlich, wie sich Freiburg strategisch für die nächsten Jahre aufstellt.“

Dr. Dorothea Rüland ist Generalsekretärin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, Alumna der Universität Freiburg und Mitglied ihres Universitätsrats.
Foto: Thilo Vogel


„Grundsätzlich sehe ich die Förderung vernetzten Arbeitens als eine wesentliche Aufgabe von Universitäten. Gerade in der Mathematik, wo viel Kreativität gefragt ist, kann es unglaublich weiterhelfen, sich mit anderen Menschen zu unterhalten, die in dem Fach oder in benachbarten Disziplinen arbeiten. In Hinblick auf die Persönlichkeitsentfaltung gilt das natürlich für alle Fachgebiete. An unserem Graduiertenkolleg werden wir besonders gefördert und finanziert mit dem Ziel, dass wir internationale Konferenzen besuchen können. Es gibt erleuchtende Momente, wenn man jemandem im Gespräch eine scheinbar harmlose Frage stellt und sie dann ausdiskutiert. Auch wenn die Person vielleicht nicht einmal Expertin oder Experte auf dem Gebiet ist. Trotzdem ist es oft schwierig, den Austausch zu suchen, wenn man ganz tief in seinem Thema steckt und es scheint, als fehle die Zeit für Diskussionen und Vorträge, von denen man vorher nicht sicher weiß, ob sie einem weiterhelfen werden. Man ist mal zu gehetzt, mal zu träge dafür und macht das dann zu selten; da bilde ich leider auch keine Ausnahme. Dass die Universität vernetztes Arbeiten jetzt offiziell zu ihrem strategischen Leitgedanken erklärt hat, wird vielleicht ein wenig helfen, sich häufiger und gezielter darum zu bemühen.“

Fabian Kertels promoviert im Graduiertenkolleg „Cohomological Methods in Geometry“ und ist Teil der Arbeitsgruppe für Mathematische Physik. Foto: Ingeborg F. Lehmann

 

 „Als Mitarbeiterin der Stabsstelle für Strategie und Hochschulentwicklung bin ich seit April 2017 mit dem grenzüberschreitenden Projekt des European Campus befasst. Das Motto ‚Connecting Creative Minds‘ erfahre ich konkret in meiner täglichen Arbeit. Bei der Sitzung der Arbeitsgruppe Strategie zum Beispiel, die ich mitorganisiere, treffen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Abteilungen aus allen fünf Universitäten des European Campus zusammen. Das sind Menschen mit unterschiedlicher Kultur und unterschiedlichen Nationalitäten. Da bekommt man einen neuen Blickwinkel auf Dinge, die man gemeinsam erarbeitet. Ich denke, dass das Prinzip ‚Connecting Creative Minds‘ auf mehreren Ebenen wirkt: bei der Zusammenarbeit mit anderen Universitäten, aber auch bei der Zusammenarbeit zwischen einzelnen Abteilungen. Das haben wir beispielweise erfahren, als es um die Produktion eines Flyers für den European Campus ging und das gesamte Projektteam sich dazu beriet. Das Prinzip wirkt auch bei der Zusammenarbeit im eigenen Fachbereich, wenn wir zunächst bei einem Brainstorming alle Ideen auf den Tisch legen und später bei der Umsetzung eines akzeptierten Vorschlags alle zusammen für ein Gesamtergebnis arbeiten, das von unseren unterschiedlichen Kompetenzen profitiert.“

Berit Bröcker ist in der Stabsstelle Strategie und Hochschulentwicklung mit der Sachbearbeitung für das Projekt „Eucor – The European Campus: grenzüberschreitende Strukturen“ betraut. Foto: Sandra Meyndt


 „Nur durch neue Verbindungen kann neue Qualität entstehen. Ich habe das selbst in meiner Laufbahn erlebt. Meine Vorliebe für Physik konnte ich zunächst nicht direkt einsetzen, als ich als junger Arzt an die Klinik für Urologie des Universitätsklinikums kam. Eine für mich bahnbrechende Erfahrung machte ich, als ich mit einem Stipendium ein Jahr am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik in Freiburg verbringen durfte. Ich wollte als Mediziner auf den Gebieten Lasertechnik und Spektroskopie forschen, und die Physikerinnen und Physiker hatten dazu den technologischen Hintergrund. Wir ergänzten einander wunderbar, und ich kam in völlig neue Netzwerke. Ich konnte danach meine Habilitation zügig abschließen. In Folge wurde an der Klinik die Sektion für Urotechnologie gegründet, die ich seither leite. Die Herausforderung für mich dabei ist, geeignete Partner zu finden, um Neues zu erschaffen. Deshalb finde ich dieses neue Motto sehr gut für die Universität Freiburg. Wesentlich ist dabei, dass man den kreativen Köpfen Freiräume lässt, in denen sie sich entfalten können. Man sollte nicht versuchen, ihnen etwas aufzuzwingen und keine überregulierten Strukturen schaffen.“

Prof. Dr. Dr. Arkadiusz Miernik leitet die Sektion für Urotechnologie der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Freiburg. Foto: Privat


 „Das Motto ‚Connecting Creative Minds‘ hat mich sofort angesprochen. Die Nähe zu Frankreich war für mich ein entscheidender Grund, für mein Romanistikstudium nach Freiburg zu kommen. Ich habe im Eucor-Programm zwei Semester in Strasbourg studiert, und das war eine sehr positive Erfahrung. Dort hatte ich Kontakt mit französischen und vielen anderen internationalen Studierenden. Als ich später, wieder in Freiburg, die E-Mail vom Rektor über das neue strategische Motto der Universität erhielt, habe ich das Angebot genutzt, Vorschläge dazu zu machen. Dabei dachte ich vor allem daran, die Strategie auch in das Mentoringprogramm der Romanistik zu integrieren. Ich fände es schön, Deutsch-Studierende in Strasbourg und Französisch-Studierende in Freiburg miteinander enger zu vernetzen. beispielsweise durch Veranstaltungen. Ich dachte auch an das Teilen gemeinsamer E-Mail-Listen und an Tandems zum Üben der Sprachen. Ich denke, dass die Studierenden sich über solche Angebote freuen würden, um Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu entwickeln. Ich finde es wichtig, Beziehungen über Grenzen hinweg zu entwickeln und Brücken zu bauen.“

Julia Ernst hat nach einem Bachelorstudium der Romanistik mit einem Master in „Fremdsprache Deutsch“ begonnen und arbeitet als studentische Hilfskraft beim Mentoringprogramm der Romanistik. Foto: Sofia De Lorenzo


 „Vom Motto ‚Connecting Creative Minds‘ halte ich sehr viel. Das liegt daran, dass ich Studiengangleiter für Regio Chimica bin. Das ist der deutschlandweit einzige Bachelorstudiengang mit Frankreich in der Chemie. Er ist konsequent binational und konsequent bilingual. Wir haben diesen Bachelor, der einen deutschen und einen französischen Doppelabschluss bietet, vor rund zehn Jahren gemeinsam mit der Universität Mulhouse entwickelt. Ein binationales Projekt, das eigentlich trinational funktioniert, denn die Chemieregion Basel bietet den entsprechenden Beschäftigungsmarkt und ist an unseren Absolventinnen und Absolventen höchst interessiert. Die haben nämlich nicht nur Chemie im Kopf: Mit interkulturellen Lehrmodulen und vor allem durch die Studienzeit im jeweils anderen Land haben sie ihren kulturellen Horizont erweitert, andere Arbeits- und Denkweisen kennengelernt und sind mehrsprachig. All das gibt ihnen Zugang zu einem anderen Profil als dem des ‚normalen‘ Chemikers oder der ‚normalen‘ Chemikerin. Das ist gelebte Trikulturalität. So funktioniert europäische Integration und letztendlich auch globale Vernetzung. Ich bin da ein Überzeugungstäter.“

Harald Hillebrecht ist Professor für Anorganische Chemie.
Foto: Universität Freiburg


 „Das Motto ‚Connecting Creative Minds‘ bedeutet für mich, das Potential einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu bündeln und zusammenzuführen, weg von der Isolation im Elfenbeinturm hin zum gemeinsamen Arbeiten, zum Austausch – innerhalb des eigenen Fachs und interdisziplinär. Das Denken in der Gruppe kann sehr gewinnbringend sein; in dem Sinne, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Ich sehe das Motto als eine Form von erweiterter oder kollektiver Intelligenz, die im und durch Austausch entsteht. Ich habe selbst immer davon profitiert, mich auszutauschen, Ideen zu diskutieren, Dinge auszuprobieren. Ich bin daher auch ein großer Fan von offenen und explorativen Formaten in meiner Forschung, die dies möglich machen. Ein weiterer Aspekt von ‚Connecting Creative Minds‘ ist die europäische und internationale Dimension, um interessante Köpfe zusammenzubringen. Hierfür ist das Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) ein gutes Beispiel, an dem meine Forschungsgruppe angeschlossen ist. Interdisziplinär zu denken und zu arbeiten fällt da leicht.“

Eva von Contzen ist Juniorprofessorin am Englischen Seminar und Gruppenleiterin eines vom Europäischen Forschungsrat (ERC) geförderten literaturwissenschaftlichen Forschungsprojekts. Foto: Klaus Polkowski

 

Feedback erwünscht

Nachdem Rektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer in allen Fakultäten das Motto „Connecting Creative Minds – Trinational, European, Global“ vorgestellt hat, soll die Diskussion über die universitäre Strategie mit allen interessierten Universitätsangehörigen fortgesetzt werden. Alle, die die Zukunft der Universität mitgestalten wollen, können sich auf einer neu eingerichteten Website über die Grundzüge der Strategie informieren und dort ihre Vorschläge, Ideen, Hinweise und Kritik einbringen. Zudem informiert der Rektor am 25. September 2018 die Mitarbeitenden der zentralen Universitätsveranstaltung über die Strategie. Weitere Informationen finden sich auf dem Exzellenzportal.

Dialogwerkstatt „Connecting Creative Minds“

Interview mit dem Rektor über das neue Motto