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Schlüsselpartner in Japan

Die Universität Freiburg pflegt enge Beziehungen zur Nagoya University

Freiburg, 04.05.2017

Schlüsselpartner in Japan

Foto: Kathrin Jehle

Ein internationaler Partner, mit dem man sich auf vielen Gebieten austauscht, der einen bei Bewerbungen um Förderprogramme unterstützt und mit dem man in fachlichen Schwerpunkten gemeinsam forscht und lehrt: Seit 2010 unterhält und pflegt die Universität Freiburg eine so genannte Schlüsselpartnerschaft mit der Nagoya University in Japan. Darüber hinaus besteht eine Schlüsselpartnerschaft mit der Pennsylvania State University in den USA, der Nanjing University in China und der Université de Strasbourg in Frankreich. In einer Serie stellt Claudia Füßler die Kooperationen vor. Diesmal: Nagoya.

Die Kontakte, die Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu ihren Kolleginnen und Kollegen nach Japan an der bereits 1939 als Kaiserliche Universität gegründeten Hochschule pflegen, reichen bis in die 1950er Jahre zurück. „Wir wissen, dass damals vor allem die Wirtschaftswissenschaften den Austausch intensiv gelebt haben. Alle zwei Jahre haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universitäten entweder in Freiburg oder in Nagoya getroffen. Dies ist auch heute noch so", erzählt Kathrin Jehle vom International Office der Universität Freiburg. Sie betreut die 2010 offiziell gewordene Schlüsselpartnerschaft mit Nagoya auf Freiburger Seite.

Die Nagoya University ist eine von elf staatlichen Universitäten, die als Top Global University von der japanischen Regierung gefördert wird. Foto: Kathrin Jehle

Mit Beginn des neuen Jahrtausends wurden die bestehenden Kontakte noch einmal intensiviert. Heute läuft der Austausch mit den japanischen Wissenschaftlern in vielen Bereichen: Deutsche und japanische Juristen, Chemiker, Biologen, Mediziner und eben die Wirtschaftswissenschaftler forschen gemeinsam und tauschen nicht nur Wissen, sondern auch Studierende und Mitarbeitende aus. „Bestehende Kooperationen entwickeln sich stetig weiter, andere Fachrichtungen sind gerade dabei, sich zu finden", sagt Jehle. Dazu gehören die Physik sowie die Sozial- und Politikwissenschaften. „Es gibt extra eine Ausschreibung, die Forschungsprojekte an beiden Universitäten fördert."

Der Vizepräsident der Nagoya University, Prof. Hideyo Kunieda (links), hat im März 2017 von Rektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer die Universitätsmedaille der Universität Freiburg erhalten. Diese würdigt mit der Auszeichnung das Engagement, mit dem Hideyo Kunieda seit vielen Jahren die Schlüsselpartnerschaft zwischen beiden Universitäten vorantreibt.
Foto: Patrick Seeger

Ein European Center in Freiburg

Gemanagt wird diese Förderung in Freiburg über das Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS), das enge Verbindungen zum japanischen Äquivalent, dem Institut for Advanced Research (IAR), in Nagoya hat. „Zudem sitzt in Freiburg das European Center der Nagoya University. Die japanische Kollegin dort ist zuständig für alle Aktivitäten in Europa und vor allem auch für die Schlüsselpartnerschaft mit Freiburg", sagt Jehle. „Das erleichtert die Zusammenarbeit natürlich sehr."

Die Nagoya University hat 2002 das Academic Consortium 21 (AC21) initiiert, ein internationales Netzwerk, in dem 24 weltweit führende Bildungs- und Forschungseinrichtungen Mitglied sind. Die Universität Freiburg ist eines davon. „Nicht nur die Partnerschaft mit Nagoya, sondern auch Kooperationen mit anderen Universitäten des Netzwerks haben dadurch eine neue, multilaterale Dimension bekommen", sagt Jehle.

Forschen auf Weltniveau

Seit vielen Jahren schon lernen und forschen Studierende aus Nagoya in Freiburg und umgekehrt. „Das ist nicht nur ein Gewinn an Wissen, sondern man versteht auch die kulturellen Gegebenheiten viel besser", sagt Prof. Dr. Bernhard Breit vom Institut für Organische Chemie. „Die Japaner leben ja quasi im Labor, die Arbeitsbelastung dort ist noch einmal ungleich höher als bei uns. Das alles einmal kennenzulernen ist ein wichtiger Teil interkultureller Bildung."

Breit und seine japanischen Kollegen forschen derzeit zum Thema „Supramolekulare Katalyse für nachhaltige chemische Synthese". „Wir wollen herausfinden, wie bestimmte chemische Reaktionen bei so wenig Energieverbrauch wie möglich stattfinden können", erklärt Breit. Und mit so wenig Nebenprodukten wie möglich. Nachhaltigkeit in der Chemie bedeutet unter anderem, dass aus zwei Bausteinen ein dritter wird, ohne dass ein viertes oder fünftes Element entsteht, das überflüssig ist. „Dafür muss der entsprechende Katalysator definiert werden", sagt Breit. Genau das versuchen gerade zwei deutsch-japanische Arbeitsgruppen. „Wir forschen hier auf Weltniveau, das macht natürlich Spaß und ist sehr interessant."

Vier Nobelpreisträger in zehn Jahren

Nagoya ist eine von elf staatlichen Universitäten, die als Top Global University – einem Projekt, das der Exzellenzinitiative in Deutschland entspricht – von der japanischen Regierung gefördert wird. Sie hat in den vergangenen zehn Jahren vier Nobelpreisträger hervorgebracht. „Die Kollegen dort sind mit Recht stolz auf ihre Universität", sagt Jehle. „Es ist ein großer Gewinn für die Kooperation zwischen der Nagoya University und der Universität Freiburg, dass beide Partner ihre Stärken einbringen und sich gemeinsam weiterentwickeln können."

European Center der Nagoya University