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Geschichten über Freiburger Geistesgröße

Der Literaturwissenschaftler Achim Aurnhammer begibt sich auf die Spuren des Dichters und ehemaligen Universitätsrektors Johann Georg Jacobi



 

Das Grab auf dem Alten Friedhof in Herdern ist von Farn überwuchert. Nur ein schlichtes eisernes Kreuz erinnert daran, dass sich an dieser Stelle die sterblichen Überreste Johann Georg Jacobis (1740–1814) befinden. Dabei gehörte der als Sohn eines Kaufmanns in Düsseldorf geborene Dichter und Professor der „Schönen Wissenschaften“ zu den prägenden Figuren des literarischen Lebens in Freiburg um 1800 – eine in Vergessenheit geratene kulturelle Blütezeit der Stadt, die der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Achim Aurnhammer bei seiner Wissenswanderung auf den Spuren Johann Georg Jacobis wieder zum Leben erweckt. Als literarische Hochburg jener Zeit ist allein die Weimarer Klassik im kulturellen Gedächtnis verankert. „Eine ungerechtfertigte Verengung“, findet Aurnhammer.

Eine pädagogische Ehe

Im Hotel Schwarzwälder Hof in der Herrenstraße, wo die Führung beginnt, gibt es ein Jacobi-Zimmer. Die Wirtsleute öffnen den Wissenswanderinnen und -wanderern ihre Pforten und lassen sie in den zweiten Stock hochsteigen. Dort lebte Jacobi mit seiner Familie in einer Dreizimmerwohnung, in die er die gebildeten Damen der Stadt zum Lesekränzchen lud. Die vorbiedermeierliche Idylle, mit Sohn Friedrich auf dem Schaukelpferd und Frau Ursula am Spinnrad, beschreibt Jacobi detailliert in dem Aufsatz „Meine Wohnung“ in der von ihm herausgegebenen literarischen Frauenzeitschrift „Iris“. Die Ehe mit der 25 Jahre jüngeren Frau soll allen Unkenrufen zum Trotz glücklich gewesen sein. Nicht nur, dass der Protestant eine Katholikin heiratete, muss skandalös auf die Freiburger Gesellschaft gewirkt haben. Auch dass die vormalige Ziegenhirtin aus St. Peter ungebildet war und als Putzfrau gearbeitet hatte, erregte Anstoß. Für Jacobi war es eine „pädagogische Ehe“: Der Professor wollte seine Frau nach seinem Bilde formen.

Protestantischer Rektor einer katholischen Universität

Als anstößig empfanden manche Zeitgenossen auch, dass der Protestant Jacobi 1784 an die katholische Universität Freiburg berufen wurde. Damit wollte Kaiser Joseph II. die Aufklärung in Vorderösterreich fördern. Der Außenseiter Jacobi gab sich große Mühe, Fuß zu fassen, indem er sich im kommunalen Leben engagierte. Er bedichtete die Bächle, den Schwarzwald und den Münsterturm, den er von seinem Wohnzimmer aus im Blick hatte und den er zum Symbol für den städtischen Zusammenhalt nach den Wirren der Befreiungskriege gegen die napoleonische Herrschaft erkor. So gehörte Jacobi zu den Gestaltern des Übergangs von der vorderösterreichischen zur badischen Herrschaft.

Impulse für das kulturelle Leben

Ein wichtiger Ort seines Wirkens war das Kornhaus am Münsterplatz, das seinerzeit als städtisches Theater diente. Jacobi gab dem Theaterleben der Stadt bedeutende Impulse, schrieb Stücke und Prologe, die er in den Dienst der Volksaufklärung stellte. Engen Austausch pflegte er mit den Geistesgrößen der Region, von Johann Peter Hebel bis Johann Georg Schlosser, Johann Wolfgang von Goethes Schwager, in Emmendingen. Das neue Denken befördern sollten auch die Lesegesellschaften, die überall im Land entstanden. Jacobi gehörte zu den Mitbegründern der Freiburger Museumsgesellschaft, die bis heute existiert und früher dort residierte, wo sich heute das Kaufhaus Breuninger befindet. Sie sollte unter den neuen politischen Verhältnissen dazu beitragen, den protestantischen Norden mit dem katholischen Süden zu „vermählen“, wie es Jacobi ausdrückte. Ebenfalls am Münsterplatz, dort, wo heute die Domsingschule beheimatet ist, befand sich das Ständehaus, eine Art Landtag Vorderösterreichs, in dem Jacobi als zweimaliger Rektor der Universität einen Sitz hatte.

Getrübt wurde Jacobis reiches Leben durch den frühen Tod seines geliebten einzigen Sohnes 1811. Eine Grabplatte in der Michaelskapelle auf dem Alten Friedhof erinnert an ihn – nur wenige Meter vom Grab des Vaters entfernt, der ihm schon drei Jahre später folgen sollte. Die Totenrede hielt der große Liberale Karl von Rotteck, der Jacobis Schüler gewesen war.

von Anita Rüffer
 

Zum Nachwandern:


Wissenswanderungen: J. G. Jacobi auf einer größeren Karte anzeigen

Weitere Informationen:

Der Spaziergang beginnt in der oberen Altstadt: Treffpunkt ist das Hotel Schwarzwälder Hof in der Herrenstraße/Ecke Münzgasse. Über die Herrenstraße geht es zum Kornhaus am Münsterplatz, eventuell mit einem Abstecher zur benachbarten Domsingschule, und von dort zum Leopoldring. Beim Mercure-Hotel wird der Leopoldring überquert. Durch die Karlstraße geht es dann zum Alten Friedhof, der Endstation der etwa 1,5 Kilometer langen Führung, die auch mit Kinderwagen (wegen des Altstadtpflasters aber wohl nicht mit High Heels) zu bewältigen ist.

Anfahrt:
Mit dem Auto über den Schlossbergring, Parkmöglichkeit in der Schlossberggarage, von da aus wenige Meter über die Konviktstraße und durch die Münzgasse zum Schwarzwälder Hof. Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Straßenbahnlinie 1 Richtung Littenweiler, Haltestelle Oberlinden, von da aus wenige Schritte zu Fuß durch die Herrenstraße. Für Radfahrer: Stellplätze direkt am Startpunkt in der Herrenstraße.

Literatur:
Zurzeit ist keine Ausgabe der Werke Jacobis im Buchhandel erhältlich.
 

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Texte von Johann Georg Jacobie im Jacobi-Zimmer im heutigen Hotel Schwarzwälder Hof. Reminiszenz an den früheren Bewohner des Jacobi-Zimmers.
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Vor dem Kornhaus am Münsterplatz: einst Freiburgs Theater, wo auch Jacobis Stücke aufgeführt wurden. Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Achim Aurnhammer und Wissenswanderer.
Die Grabplatte von Johann Friedrich Wilhelm Jacobi, dem geliebten Sohn (1792–1811) des Dichters, in der Michaelskapelle auf dem
Alten Friedhof in Herdern.
Die schlichte Grabstelle von Johann Georg Jacobi (mit anderer Schreibweise) auf dem Alten Friedhof in Freiburg.

 

 

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