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Umstrittenes Erbe

Forschende der Universitäten Freiburg und Leipzig untersuchen, wie die Ereignisse von 1989 die Gegenwart prägen

Freiburg, 15.07.2019

Umstrittenes Erbe

Quelle: Yadali/stock.adobe.com

„Die Besonderheiten des Herbstes von ‘89 waren die Eigendynamik des politischen Umbruchs, die Ungewissheit von Verlauf und Ausgang und nicht zuletzt die Erfahrung von der Aktionsmacht massenhafter Straßenproteste“, sagt die Historikerin Dr. Anna Lux von der Universität Freiburg. Heute seien die Ereignisse und Orte von 1989 zentraler Bestandteil der kollektiven Erinnerung. „Darüber hinaus haben sie eine tiefe Prägekraft auch auf heutige Vorstellungen von Demokratie, Politik und Gesellschaft“, ergänzt Lux. Wie genau die Deutungen von `89 mit heutigen politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen zusammenhängen, untersuchen Historikerinnen und Historiker sowie Soziologinnen und Soziologen der Universitäten Freiburg und Leipzig in einem Forschungsprojekt, das im Dezember 2018 begonnen hat.

Im Mittelpunkt des Freiburger Projektes stehen populäre Darstellungen von 1989, dazu gehören Kinofilme und Fernsehserien, Romane, Comics oder Popmusik: „Diese sind zur Erforschung der Erinnerungskultur interessant, weil sie Geschichtsbilder und das Geschichtsbewusstsein breiter Bevölkerungsgruppen prägen.“ Das sei auch in Bezug auf 1989 nicht anders. „Schon jetzt zeigt sich, dass insbesondere Romane von Autorinnen und Autoren, die 1989 selbst Jugendliche waren, ein großes analytisches Potential haben.“ Seit den Nullerjahren trete diese Generation verstärkt in die öffentliche Debatte über das Wendejahr und die Transformationsprozesse ein.

Die Texte seien häufig autobiographisch geprägt und erzählen die Geschehnisse der Umbruchszeit aus der Perspektive von Jugendlichen. „Über diesen Blick ‚von unten’“, so Lux, „thematisieren die Autoren die Rasanz, die Unübersichtlichkeit und auch Unabsehbarkeit der Prozesse, die in der öffentlichen Erinnerung mit Fokus auf die friedliche Revolution und die Wiedervereinigung häufig keine Rolle spielten.“ Darüber hinaus eröffneten die Texte den Blick auf bisher unterthematisierte Konfliktfelder der damaligen Zeit: So seien Entfremdung und Distanzierung gegenüber der Elterngeneration ein wichtiges Thema, ebenso Erfahrungen mit rechter Gewalt. „Gerade ein Roman wie ‚Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß‘ von Manja Präkels zeigt die Bedeutung von Gewalt als Teil des Umbruchsprozesses und verweist zugleich auf Linien bis in die Gegenwart.“

Die Forschenden des Projektverbundes präsentieren ihre Arbeiten auf der Website www.erbe89.de, die im August 2019 online geht. Dort werden die Ergebnisse bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2022 zusammengetragen und regelmäßig aktualisiert.

Dr. Anna Lux studierte an den Universitäten Leipzig und Lyon Mittlere und Neuere Geschichte, Germanistik und Französisch. Im Jahr 2014 wurde sie an der Universität Leipzig promoviert. Seit Dezember 2018 forscht sie im Rahmen des Projektverbundes „Das umstrittene Erbe von 1989 - Aneignungen zwischen Politisierung, Popularisierung und historisch-politischer Geschichtsvermittlung". Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Verbund basiert auf einer Kooperation zwischen den Universitäten in Freiburg und Leipzig.

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Dr. Anna Lux


Neuere und Neueste Geschichte
Rempartstr. 15, 79085 Freiburg im Breisgau

Tel.: 0761 – 2033426
E-Mail: anna.lux@geschichte.uni-freiburg.de

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