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Der digitale Weg der Kirche

Theologe Stephan Wahle betont, wie wichtig in Krisenzeiten der Zusammenhalt von Glaubensgemeinschaften ist

Freiburg, 08.04.2020

Der digitale Weg der Kirche

Foto: Sandra Meyndt

Das Orgelspiel zu Beginn eines Gottesdienstes, das kraftspendende Singen und Beten, die Tradition des Abendmahls: „Die Liturgie lebt von der gemeinschaftlichen Zusammenkunft“, sagt der Theologe Prof. Dr. Stephan Wahle von der Universität Freiburg. Das kirchliche Angebot in Form religiöser Zeremonien und Riten habe, gerade in Krisenzeiten, etwas Tröstendes und sei deshalb ähnlich wichtig wie systemrelevante Berufe. „Es ist richtig, dass sich Politikerinnen und Politiker bei den Beschäftigten in der Medizin, der Pflege und dem Lebensmittelhandel bedanken. Gleichzeitig fällt auf, dass die Kirche dabei selten bis gar nicht erwähnt wird“, sagt er. Zugleich werde wie noch nie so oft über Gottesdienste an Ostern gesprochen wie jetzt, eben weil sie als gemeinschaftliche Feiern nicht stattfinden könnten. „Das ist eine Situation, die man aushalten muss. Kirchenvertreter können anregen, etwa beim Läuten der Kirchenglocken für eine Weile im Gebet einzuhalten“, betont der Freiburger Theologe.

Aufgrund der Coronakrise haben sich viele Kirchen in den vergangenen Wochen bereits auf neue, vor allem digitale Formate eingestellt. „Das ist zunächst einmal positiv und kommt vielen Bürgerinnen und Bürgern, die ihre spirituellen Bedürfnisse ohnehin schon so leben, entgegen“, sagt der Experte. Der digitale Weg wie eine mediale Gottesdienstübertragung, der auch für die Kirche nicht gänzlich neu sei, könne jedoch nur ein zusätzlicher sein. „Es gibt zwei Arten von Gottesdiensten“, erläutert Wahle: „Die, die ein menschliches Bedürfnis befriedigen und die, die einen Auftrag erfüllen, indem beispielsweise Eucharistie gefeiert wird.“ Für letztere sei die physische und gemeinschaftliche Präsenz wichtig, individueller Zuspruch durch Gebet oder Segen könnte hingegen auch digital längerfristig möglich sein.

Für Ostern stelle die aktuelle Lage eine absolute Sondersituation dar. Die Kirchenleitungen empfehlen, zuhause mit der Familie zu beten und im kleinen Kreis einen Gottesdienst zu feiern. „Gleichsam soll es möglich sein, sich geistlich und medial in die öffentlich nicht zugänglichen Gottesdienste der Gemeinden zu verbinden und das Osterfest mit seiner hoffnungsvollen Botschaft zu begehen“, so der Theologe. Denkbar wäre auch, das gemeinsame Feiern später im Jahr nachzuholen. Anbieten würden sich dafür der 6. August, an dem die Verklärung des Herrn gefeiert werde oder der 14. September, dem Tag der Kreuzerhöhung.

Stephan Wahle leitet die Arbeitsstelle Liturgie, Musik und Kultur am Arbeitsbereich Dogmatik und Liturgiewissenschaft der Universität Freiburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die systematisch-theologischen Grundlagen des christlichen Gottesdiensts, die Kulturgeschichte von Gottesdiensten und Ritualen sowie christliche Feste in Geschichte und Gegenwart.

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Prof. Dr. Stephan Wahle


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