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Wünsch dir was!

Psychologin Andrea Kiesel verrät, warum Schenken gar nicht so einfach ist

Freiburg, 04.12.2019

Wünsch dir was!

Foto: zolga/stock.adobe.com

Wenn Weihnachten naht, wächst die Suche – und damit verbunden häufig auch die Verzweiflung – nach dem passenden Geschenk. Warum fällt es vielen Menschen schwer, eine geeignete Idee zu haben? Müsste man nicht wissen, was sich Familie, Freundinnen und Freunde insgeheim wünschen? „Nein“, sagt Psychologin Prof. Dr. Andrea Kiesel von der Universität Freiburg. „Denn viele Personen können nicht gut Wünsche formulieren, selbst wenn sie direkt danach gefragt werden“, erläutert Kiesel. Da Grundbedürfnisse wie Essen und trockener Wohnraum erfüllt sind und dem Wunsch nach Luxusgütern wie Parfum, Delikatessen oder besonderen Kleidungsstücken oftmals ganzjährig nachgegangen wird, erscheine vielen Menschen die Frage nach einem Wunsch manchmal unpassend und erzeuge mitunter ein schlechtes Gewissen wegen des unnötigen Konsums.

„Manchmal fehlt aber auch schlicht die Zeit, sich Wünsche überhaupt bewusst zu machen“, ergänzt die Freiburger Psychologin. Aktuell gebe es so genannte Achtsamkeitstrainings, in denen die Teilnehmenden lernen, sich über ihre eigenen Bedürfnisse klarzuwerden. Wenn Familienmitglieder und Freunde „geheime“ Wünsche haben, sei es für Schenkende schließlich nicht einfach, diese zu erraten. Eine offene Kommunikation, wie bei Kindern das Schreiben von Wunschzetteln, sei unter Erwachsenen unüblich. Und subtilere Hinweise, wie ein leeres Parfumflakon im Bad, würden leicht übersehen. „In solchen Fällen ist es am besten, seine Wünsche angemessen anzusprechen, um Enttäuschungen zu vermeiden“ rät Kiesel.

Nicht gerade einfacher mache das Schenken selbst auferlegte Kriterien: Das Präsent solle persönlich und etwas ganz Besonderes sein. Hinzu komme, dass die meisten Menschen erst Ende November anfangen, sich mit dem Schenken und den Wünschen für Weihnachten auseinanderzusetzen. „Das bedeutet, dass wir unter Zeitdruck und zusätzlich zum üblichen Vorweihnachtsstress kreativ sein müssen. Dabei zeigen psychologische Studien generell, dass Kreativität unter Stress leidet“, betont Kiesel.

Ob es richtiges oder falsches Schenken gibt, hänge davon ab, welche Funktion das Schenken habe. „Natürlich sollten Geschenke den anderen nicht ärgern“, sagt die Psychologin. Beispielsweise könne ein Fitness-Gutschein auch als Kritik oder Appell verstanden werden, worauf lieber verzichtet werden sollte. „Auch klar formulierte Ziele der zu Beschenkenden sollten nicht missachtet werden“, fügt Kiesel hinzu. Wenn sich jemand eine Spende für eine Organisation seiner Wahl wünscht, sei es nicht angebracht, etwas anderes zu schenken oder für eine andere Organisation mit gegenläufigen Zielen zu spenden. „Und auch wenn man sich an alles das hält, sollte man am Ende nicht beleidigt sein, wenn das Geschenk nach Weihnachten umgetauscht oder wieder verkauft wird“, rät die Forscherin.

Prof. Dr. Andrea Kiesel leitet seit 2015 die Professur für Allgemeine Psychologie am Institut für Psychologie der Albert-Ludwigs-Universität. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die Leistungspotenziale beim Multi-Tasking, Wahrnehmung von Zeit in Zusammenhang mit Aktion sowie psychologische Akzeptanz neuer Technologien.




Prof. Dr. Andrea Kiesel

Institut für Psychologie, Allgemeine Psychologie /
Platz der Universität 3, 79085 Freiburg

Tel.: +49 (0)761 / 203-9164
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