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Die Geste des Teilens

Viele Gemeinden diskutieren darüber, das Martinsfest in Lichterfest umzubenennen – Mirjam Schambeck erläutert, warum ein neuer Name unnötig ist

Freiburg, 30.10.2018

Die Geste des Teilens

Foto: Marina Lohrbach/Fotolia

Leuchtende Laternenumzüge, duftende Weckmänner und im Mittelpunkt der Schutzpatron der Armen: Am 11. November feiern viele Christen wieder den Heiligen Sankt Martin, einen Soldaten, der einer Legende nach seinen Mantel mit einem Bettler teilte. In vielen Gemeinden wird derzeit darüber diskutiert, Sankt Martin in Lichterfest umzubenennen, damit sich auch Menschen anderer Religionen eingeladen fühlen. Die Franziskanerin Prof. Dr. Mirjam Schambeck, Inhaberin der der Professur für Religionspädagogik der Universität Freiburg, sieht keinen Grund für einen neuen Namen. „Religiös geprägte Feste sind nicht nur für die Gläubigen dieser Religion. Alle sind herzlich eingeladen mitzufeiern“, sagt Schambeck. Sankt Martin sei ein Erinnerungsfest an den heiligen Martin und seine gute Tat. „Es ist ein Angebot ohne missionarischen Charakter.“

Vor drei Jahren veröffentlichten zahlreiche Ordensoberinnen und Ordensobere, die insgesamt etwa 15.000 Ordensfrauen und Ordensmänner repräsentieren, einen offenen Brief, in dem die Flüchtlingspolitik der bayrischen CSU-Regierung angeprangert wird. Der Brief sei bewusst zum Martinstag publiziert worden. „Ziel unseres Briefes war es, gegen die sprachlichen Entgleisungen politischer Rede genauso wie die menschenverachtende Flüchtlingspolitik der bayerischen Staatsregierung anzugehen. Ein reiches und sich als den Menschenrechten gegenüber verpflichtetes Land hat die Pflicht, Menschen in Not zu helfen. Da passt die ‚Geste des Teilens‘ sehr gut“, betont Schambeck. Diese Geste sei nicht nur dem Christentum vorbehalten, sondern komme auch anderen Religionen zu, beispielsweise dem Buddhismus und dem Islam. „Das Teilen gehört zum Menschlichen dazu, dafür braucht es keine Religion.“

Mirjam Schambeck ist seit 2012 Professorin für Religionspädagogik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem das interreligiöse Lernen und die religiöse Wertebildung.

 



Prof. Dr. Mirjam Schambeck sf


Arbeitsbereich Religionspädagogik und Katechetik
Platz der Universität 3, 79098 Freiburg

Tel.: +49 (0) 761/203-8687
eMail: mirjam.schambeck@theol.uni-freiburg.de

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