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Tag der Freundschaft

Ethnologe Ingo Rohrer erläutert das europäische Modell von emotionaler Nähe und Vertrauen

Freiburg, 16.07.2019

Tag der Freundschaft

Foto: william87/stock.adobe.com

Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2011 den 30. Juli zum Internationalen Tag der Freundschaft erklärt. Er soll an deren Bedeutung zwischen Völkern, Ländern und Kulturen erinnern. „Eine universelle Vorstellung davon, was Freundschaft ist, gibt es allerdings nicht“, sagt Dr. Ingo Rohrer vom Institut für Ethnologie an der Universität Freiburg. Kennzeichen des europäisch gewachsenen Freundschaftsmodells, welches weltweit gesellschaftlich einflussreicher wird, seien ein regelmäßiger Austausch, emotionale Nähe und Vertrauen.

„Eine gute und stabile Freundschaft besteht, wenn beide Personen in der Vorstellung, wie eine Freundschaft gelebt werden sollte und mit welchen Werten sie verknüpft sein sollte, übereinstimmen“, erläutert Rohrer. Dabei spielen in zunehmendem Maße auch die sozialen Medien eine Rolle. „Die Tendenz zeigt, dass der Austausch über Onlineplattformen in die Praktiken von Freundschaften integriert wird und Freundschaften auch über große Distanzen unmittelbar gepflegt werden können.“

Freundschaften zeichnen sich häufig durch ein hohes Maß an Vertrauen aus. „Man verlässt sich darauf, dass eine Freundin oder ein Freund das tut, was man erwartet“, betont der Ethnologe. Driften diese Erwartungen und das tatsächliche Verhalten auseinander, könne es zu Konflikten kommen. Doch statt eines lauten Knalls könne eine Freundschaft auch leise sterben.

Dass es zu diesen Brüchen kommt, liege auch daran, dass sich die Bedürfnisse, die an Freundinnen und Freunde gestellt werden mit dem Alter und den jeweiligen Lebensabschnitten ändern. Während etwa Kleinkinder vor allem am gemeinsamen Spiel mit ihren Freunden interessiert sind, wandeln sich die Bedürfnisse und damit auch die Vorstellung von Freundschaft als Jugendliche oder Erwachsene. In Hinblick auf den Internationalen Tag der Freundschaft bei dem es nicht nur um die zwischenmenschliche, sondern auch um die Freundschaft zwischen Ländern und Kulturen geht, fügt Ingo Rohrer hinzu: „Es ist erstaunlich, dass sich nach den beiden Weltkriegen eine Europäische Union auf freundschaftlicher Basis entwickeln konnte.“

Dr. Ingo Rohrer ist seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Themen wie Vertrauen, Misstrauen, Freundschaft, soziale Nahbeziehung und Genderforschung.




Dr. Ingo Rohrer


Institut für Ethnologie
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Tel.: 0761/203-2385
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