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Der Philosophie gegenwärtiges Gewand

Von der Generalistin zur Fachwissenschaft? Philosoph Andreas Urs Sommer über den Wandel seines Fachs und dessen Bewandtnis

Freiburg, 07.11.2018

Der Philosophie gegenwärtiges Gewand

Sokrates. Foto: Theastock/Fotolia

Den Tag der Philosophie am 15. November hat die Unesco ins Leben gerufen, um dem Fach und seiner Lehre zu größerer Aufmerksamkeit  zu verhelfen. Angesichts der harschen Kritik in den vergangenen Jahren stellt sich die Frage, wie es aktuell um die „Königin der Wissenschaften“ steht. „Charakteristisch ist, dass die Philosophie ihre Fühler in ganz unterschiedliche Richtungen ausgestreckt hat“, sagt Prof. Dr. Andreas Urs Sommer vom Philosophischen Seminar der Universität Freiburg. Reine Erkenntnistheorie stehe nicht mehr im Zentrum, vielmehr seien es inzwischen die drängenden, gegenwärtigen Fragen, die sich unter anderem aus den Themenfeldern Politik, Technik, Kultur und Nachhaltigkeit speisten. Derzeit beschäftigten beispielsweise Themen der Künstlichen Intelligenz oder der kulturellen Selbstverständigung viele Philosophinnen und Philosophen.

„Die Philosophie ist im Vergleich zu früher gegenwärtiger geworden“, bilanziert Sommer. In der Öffentlichkeit gebe es ein starkes Bedürfnis nach populärer Philosophie, was zwar erfreulich sei, der akademischen Philosophie aber Kopfzerbrechen bereite. „Es heißt immer, Philosophinnen und Philosophen sollten lebensnäher agieren, ‚angewandter‘ arbeiten. Aber was heißt das? Was ist Angewandte Philosophie?“ Philosophie sei dialogisch verfasst und dürfe deshalb nicht im innersten Zirkel akademischer Fachdiskurse verharren, sondern müsse hinaus in die Welt, so wie Sokrates es schon getan und mit den Menschen auf dem Markt diskutiert habe. „Die Philosophie lernt von den Menschen, der intensive Austausch mit ihnen ist nichts Nachgeordnetes, sondern existentiell für sie.“

Insgesamt stehe es um das Fach und seine Lehre besser, als es angesichts vieler Debatten in den Feuilletons vielleicht den Anschein mache. „Das Interesse der Studierenden ist groß, des allgemeinen Publikums auch.“ Einzig die Philosophiegeschichte werde in der akademischen Philosophie mehr und mehr zurückgedrängt, was den Resonanz- und Reflexionsraum kleiner, die Debatten eindimensionaler mache. „Früher galt die Philosophie als ‚Königin der Wissenschaft‘, doch dieser Anspruch hat sich, auch zum Glück der Philosophie, komplett verflüchtigt.“ Nun sei die Philosophie als Fragestellerin, als Provokateurin gefragt, die intellektuelle Routinen zur Disposition stelle und den Horizont für neue Möglichkeiten öffne.

Andreas Urs Sommer hat seit 2016 eine Professur für Philosophie mit Schwerpunkt Kulturphilosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg inne. Zu seinen Forschungsgebieten gehören unter anderem die Kulturphilosophie, Philosophiegeschichte der Spätantike, der frühen Neuzeit, Aufklärung und Moderne, Ethik und Nietzsche.



Prof. Dr. Andreas Urs Sommer


Philosophisches Seminar der Universität Freiburg
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