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Corona-Schnelltest erhält Marktzulassung

Mini-Labor des Medizintechnik-Unternehmens Spindiag ermöglicht Nachweis des Virus in circa 40 Minuten

Freiburg, 16.11.2020

Die Spindiag GmbH, ein Medizintechnik-Unternehmen, das aus der Universität Freiburg und der Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung e.V. hervorgegangen ist, bringt einen Corona-Schnelltest auf den Markt: Mit dem System lässt sich das Virus SARS-CoV-2 innerhalb von etwa 40 Minuten nachweisen. Das Land Baden-Württemberg hat die Entwicklung seit April 2020 mit sechs Millionen Euro unterstützt.

Mobiles Mini-Labor: Das Testsystem zum Nachweis des Corona-Virus ist jetzt als Medizinprodukt in der Europäischen Union zugelassen. Foto: Spindiag GmbH

Für den Corona-Nachweis hat Spindiag ein selbst entwickeltes Testprinzip, das schon zuvor für antibiotikaresistente Keime funktioniert hatte, umgerüstet. Kernstück des mobilen Mini-Labors ist eine etwa ein Zentimeter dicke, halbmondförmige Kartusche, in die ein Tupfer integriert ist. Mit diesem entnehmen Pflegekräfte die Abstriche, etwa aus Nase oder Rachen von Patientinnen und Patienten. Anschließend schieben sie den Tupfer wieder in die Kartusche und legen diese in ein Analysegerät, das die Probe vollautomatisch auswertet und das Testergebnis anzeigt. Auf diese Weise sind mit einem Mini-Labor bis zu 60 Tests am Tag möglich – direkt am Ort der Probenentnahme.

Das Testverfahren von Spindiag ist PCR-basiert: Mittels einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR, Englisch: polymerase chain reaction) wird das Erbgut der Viren so stark vervielfältigt, dass es selbst dann nachgewiesen werden kann, wenn es in einer Probe nur in geringen Mengen vorkommt. Daher gelten PCR-basierte Verfahren als Goldstandard in der Infektionsdiagnostik. Wie Spindiag weiter mitteilt, wird sein Corona-Schnelltest zunächst in Deutschland und anschließend in allen weiteren Staaten der Europäischen Union eingeführt. Einer der ersten Standorte, an dem es zum Einsatz kommen wird, ist das Klinikum Stuttgart. Das Mini-Labor eigne sich außerdem nicht nur für Krankenhäuser, sondern beispielsweise auch für Corona-Schwerpunktpraxen, Notfallambulanzen oder Pflegeheime.

Spindiag-Geschäftsführer Dr. Daniel Mark und Roland Zengerle (von links), Professor für Anwendungsentwicklung an der Universität Freiburg, stellen am Klinikum Stuttgart den Corona-Schnelltest vor. Foto: Leif Piechowski

Seit 17 Jahren forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) der Universität Freiburg und mit Unterstützung von Hahn-Schickard auf dem Gebiet „Lab-on-a-Chip“. Ziel des Teams um Prof. Dr. Roland Zengerle ist, Ideen aus der Grundlagenforschung in die industrielle Anwendung zu überführen. Erfolgreiche Markteinführungen sind sowohl über etablierte Unternehmen als auch über Ausgründungen gelungen: Aus Zengerles Professur für Anwendungsentwicklung sind neben Spindiag unter anderem die Start-ups BioFluidix, cytena und Actome hervorgegangen.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) hat die Entwicklung und wirtschaftliche Verwertung des Corona-Schnelltests schon im November 2020 mit einer Auszeichnung gewürdigt: Ihr DPG-Technologietransferpreis 2021 geht gemeinschaftlich an Spindiag, Hahn-Schickard, das IMTEK sowie die Zentralstelle für Technologietransfer (ZFT) der Universität Freiburg.  

Nicolas Scherger

 

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