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Heller Schein

Eine Sammlung von 110 Öllampen veranschaulicht die Entwicklung antiker Beleuch-tungstechnik

Freiburg, 28.02.2018

Heller Schein

Foto: Patrick Seeger

Immer mal wieder finden Objekte aus vergangenen Zeiten in Form eines Geschenks den Weg in die Archäologische Sammlung der Universität Freiburg. Nicht selten handelt es sich um wertvolle Stücke. Eine Serie stellt die schönsten und ungewöhnlichsten Neuzugänge vor. So wie die 110 Öllampen, die von der Vielfältigkeit dieser Gebrauchsgegenstände in der Antike zeugen.

Die Lampe (links) bildet eine Maske ab, wie sie Schauspieler im antiken Theater trugen. Durch den Mund wurde Öl eingefüllt.
Foto: Patrick Seeger

Das zierliche Öllämpchen reißt den Mund ganz schön weit auf. Zumindest weist das männliche Antlitz auf dem Diskus – der Scheibe, die das Gefäß oben abschließt – an der Stelle des Mundes ein kreisrundes großes Loch auf. Es diente dazu, Öl nachzufüllen. Das Bildmotiv ist einer Theatermaske nachempfunden, wie sie Schauspieler in der Antike vor dem Gesicht trugen – im konkreten Fall handelt es sich um die Maske eines Tragödiendarstellers, der seinen Mund zum Schrei öffnet.

Das Stück ist eines von etwa 110 antiken Öllampen, die als Schenkung von Dietrich Schmitt aus Ebnet in die Archäologische Sammlung der Universität Freiburg gekommen sind. „Er hat die Lampen im Laufe seines Lebens zusammengetragen und vor seinem Tod bestimmt, dass sie in den Besitz der Archäologischen Sammlung gelangen sollen“, erklärt Kurator Dr. Jens-Arne Dickmann. „Das Besondere an dieser Kollektion ist, dass sie ausschließlich vollständige oder fast intakte Öllampen beinhaltet.“

Die Lampen hat Schmitt durchweg über den Kunsthandel erworben. Eine Auswahl von rund drei Dutzend wird seit 2014 in einer Vitrine der Archäologischen Sammlung präsentiert. Diese decken einen Zeitraum von knapp anderthalb Jahrtausenden ab – vom 8. Jahrhundert vor Christus bis ins 8. Jahrhundert nach Christus. Die ältesten ausgestellten Exemplare wurden noch aus Stein geschlagen, spätere Stücke aus Ton geformt.

Alternative Brennstoffe

Erst im 3. Jahrhundert vor Christus übernahm man in Rom und den hellenistischen Gebieten die ägyptische Matrizentechnik. Dadurch wurden Öllampen zur erschwinglichen Massenware. Vermutlich in augusteischer Zeit setzte sich der römische Typus mit verziertem Diskus oder Spiegel durch. Er verbreitete sich bis in die germanischen und keltischen Siedlungsgebiete. Später verschmolz in Nordafrika die römische Lampenform mit christlichen Motiven.

„Ich bin sehr froh über diese Schenkung, die hinsichtlich der Verwendung solcher Lampen auch Aspekte und Fragen der Alltagsgeschichte aufwirft“, bemerkt Dickmann: Wie viele Exemplare wurden gleichzeitig in einem Raum verwendet? Und welcher Brennstoff wurde in sie gefüllt? Dort etwa, wo es an Öl mangelte, mussten sich die Menschen anderer Substanzen bedienen. Dazu hat man die Lampen teilweise sogar umbauen müssen. „Dank der zeitlichen Reichweite der Objekte und ihrer Unterschiedlichkeit lässt sich mit den Lampen buchstäblich eine Geschichte der antiken Beleuchtungstechnik erzählen und veranschaulichen.“

Hans Dieter Fronz

 

Archäologische Sammlung der Universität Freiburg