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Freiräume zum Forschen

Wie die Rechtswissenschaftlerin Silja Vöneky die fachübergreifende Zusammenarbeit am Freiburg Institute for Advanced Studies erlebt

Freiburg, 01.02.2019

Die Bundesregierung hat im November 2018 bekannt gegeben, dass die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) in Deutschland gestärkt werden soll. Doch was bedeutet dies für die Gesellschaft? Am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) forscht seit Oktober 2018 ein vierköpfiges Team zu sozialen, rechtlichen, ethischen und technischen Herausforderungen, die in der Interaktion zwischen Mensch und autonomen, intelligenten Systemen entstehen. Silja Vöneky, Professorin für Völkerrecht, Rechtsethik und Rechtsvergleichung an der Universität Freiburg, ist Teil des Forschungsschwerpunkts „Verantwortliche Künstliche Intelligenz“. Sophie Baar hat mit Vöneky über die interdisziplinäre Zusammenarbeit am FRIAS gesprochen.

Für Silja Vöneky ist das Freiburg Institute for Advanced Studies ein Ort des Austauschs, der ihr neue Perspektiven auf eigene Fragestellungen bietet. Foto: Harald Neumann

Frau Vöneky, wie entstand die Idee, sich dem Thema „Künstliche Intelligenz“ in einem interdisziplinären Team zu stellen?

Silja Vöneky: Die Idee hatte Philipp Kellmeyer, Neurologe am Universitätsklinikum Freiburg, der zuvor bereits mit Oliver Müller, Professor am Philosophischen Seminar, zusammengearbeitet hat. Er sprach mich an, da ich mich schon lange intensiv mit der Regulierung von Risiken neuer Technologien befasse. Mit Wolfram Burgard konnten wir dann einen der anerkanntesten deutschen Robotik-Experten ins Team holen, der die technischen Möglichkeiten von KI und den aktuellen internationalen Forschungsstand sehr gut kennt. Unserer Ansicht nach sollte das Thema interdisziplinär erforscht werden. Die Basis bilden philosophische und ethische Fragestellungen: Was ist Intelligenz, und wann sprechen wir von „künstlicher“ Intelligenz? Wir untersuchen außerdem Begriffe wie Autonomie, Verantwortung und Zurechnung und prüfen, wie diese Konzepte bei der Entwicklung und Nutzung von KI eingesetzt werden können.

Was hat Ihnen der Aufenthalt am FRIAS bisher ermöglicht?

Mehr Freiräume zum Forschen, eine enge und unkomplizierte Zusammenarbeit in unserem interdisziplinären Team und die Möglichkeit, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vortragende einzuladen, die an denselben Themen arbeiten. Ziel sind gemeinsame Publikationen. Sie sollen sich mit Fragen von verantwortlicher KI beschäftigen, die als Leitbild für einen europäischen Weg der Regulierung untersucht und entwickelt wird. Zudem planen wir ein Symposium zu Neurorechten im April 2019 und stellen gemeinsame Drittmittelanträge in diesen Bereichen. Durch den Austausch mit anderen Fellows am FRIAS bekomme ich außerdem viele Anregungen. Kürzlich sprach ich lange mit einem Finanzmathematiker über Fragen der Risikoregulierung in einem demokratischen Staat. Es war ein ungeplantes Zusammentreffen, das mir noch einmal eine andere Perspektive eröffnet hat. Dieser Austausch beeinflusst dann wieder meine eigene Forschungsarbeit.

Wie geht es für Sie und für das Forschungsprojekt in diesem Jahr weiter?

Im Sommersemester wollen wir uns weiter mit dem Begriff der „Intelligenz“ beschäftigen. Um das Thema Studierenden nahe zu bringen, organisieren wir donnerstags die Vortragsreihe der FRIAS Lunch Lectures und bieten Seminare an. Außerdem werden wir uns intensiver mit Sicherheitsfragen auseinandersetzen, zum Beispiel mit den rechtlichen und ethischen Aspekten der Nutzung von autonomen Waffen. Das ist für mich, nicht nur als Völkerrechtlerin, und für unsere Gruppe ein wichtiges Thema. Langfristig werden wir weiter an den Möglichkeiten der legitimen Governance von KI arbeiten. Vor Weihnachten hat die Expertenkommission der Europäischen Union einen Kodex zur Governance künstlicher Intelligenz entwickelt. Wichtige internationale Unternehmen haben bereits ähnliche Kodizes, die Verfahren und Grenzen der Entwicklung und des Einsatzes definieren. Wir wollen diese Regularien kritisch analysieren und eigene Ideen, möglicherweise auch einen Freiburger Weg der Governance in die Diskussion einbringen. 

Gemeinsam forschen

Mit dem Programm „Forschungsschwerpunkte“ bietet das Freiburg Institute for Advanced Studies Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus allen Disziplinen der Universität die Möglichkeit, gemeinsam ein Jahr lang intensiv an einem Projekt zu arbeiten. Gruppen von drei bis vier Professorinnen und Professoren oder Juniorprofessorinnen und -professoren sind antragsberechtigt und können sich noch bis zum 15. April 2019 bewerben.

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