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Alt-Rektor Professor Hansjürg Steinlin wird 80 Jahre alt

Freiburg, 28.03.2001

Der ehemalige Rektor der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität und Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz, Professor Dr. Hansjürg Steinlin, vollendet am Montag, den 9. April 2001, sein 80. Lebensjahr. Geboren und aufgewachsen in St. Gallen studierte Steinlin Rechts- und Staatswissenschaften sowie Forstwissenschaften in Zürich. Als junger Diplomforstingenieur der ETH war er im kantonalen Forstdienst zunächst praktisch und dann an der Eidgenössischen Anstalt für das Forstliche Versuchwesen in Zürich wissenschaftlich tätig. Zugleich begann auch seine Karriere als Hochschullehrer mit einem Lehrauftrag zum Thema "Arbeitslehre, Holzernte und Holztransport" an der ETH Zürich, den er fast 20 Jahre lang bis 1973 aktiv wahrnahm. Diese frühe fachliche Ausrichtung und ein mehrmonatiger Studienaufenthalt in Skandinavien prägten einen wesentlichen Schwerpunkt der wissenschaftlichen und in die Praxis hineinwirkenden Tätigkeit Steinlins: Die Suche nach Gesetzmäßigkeiten, Konzepten und Optimierungsregeln bei der branchenübergreifenden Gestaltung der von ihm so charakterisierten "technischen Produktion", beginnend in der Forstwirtschaft bis hin zur Holzindustrie.

Dieses Wissenschaftskonzept führte im Jahr 1958 zur Übertragung des neu geschaffenen Lehrstuhls für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft an der Universität Freiburg. Den damaligen Strukturen des "Freiburger Modells" entsprechend, war aus dieser Position heraus nicht nur das gleichnamige neue Universitätsinstitut, sondern parallel dazu auch die fachlich kongruente Abteilung für Arbeitswirtschaft der baden-württembergischen Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt aufzubauen. Als Ergebnis dieser bis etwa 1970 reichenden Schaffensperiode entstanden zahlreiche richtungsweisende Forschungsarbeiten und erfolgreiche Projekte. Noch wichtiger in der langfristigen Auswirkung ist wohl die durch Steinlin begründete "Freiburger Schule", die durch sein rational-pragmatisches Wissenschaftsverständnis geprägt ist. Aus ihr ging eine Reihe von bedeutenden und einflussreichen Wissenschaftlern und Praktikern hervor, die die Fächer Arbeitswissenschaft, Forsttechnik und Forstbenutzung, aber auch die Holzindustrie nicht nur im Südwesten Deutschlands, sondern darüber hinaus an allen bundesdeutschen Fakultäten bis in die heutige Zeit hinein prägten und maßgeblich beeinflussen.

Für die Universität Freiburg und die deutsche Hochschulpolitik war es ein Glücksfall, dass sich Steinlin ab 1970 als Rektor zur Verfügung stellte, und diese Funktion erstmals hauptamtlich in einer hochschulpolitisch schwierigen Zeit souverän ausübte. Aufbauend auf diesen Erfahrungen wurde Steinlin nach 1977 für drei Jahre zum Präsidenten der damaligen Westdeutschen Rektorenkonferenz (WRK) gewählt.

Ein dritter Bereich der breit angelegten fachlichen Interessen und beruflichen Aktivitäten Steinlins ist schließlich der internationalen Forstwirtschaft und Umweltpolitik gewidmet. Es begann mit der Übertragung, aber auch Anpassung von in Mitteleuropa gewonnenen grundsätzlichen Methoden und Erkenntnissen über die zweckmäßige Gestaltung von Waldarbeit und Forsttechnik an die Verhältnisse Osteuropas und der Tropen. Dies qualifizierte Steinlin für eine leitende Tätigkeit in der FAO, wo er zwischen 1973 und 1977 als Direktor der Forest Resources Division in Rom tätig war und zusätzlich das Amt des persönlich Beauftragten des Generaldirektors für die Koordination aller umweltrelevanten Aktivitäten der FAO übernahm.

Aus gesundheitlichen Gründen entschloss sich Steinlin ab 1980, als "einfacher Hochschullehrer" wieder an seine Alma mater zurückzukehren. Auch hier erwarteten ihn neue Herausforderungen. Er etablierte das im Zuge steigenden Umweltbewusstseins an der Forstwissenschaftlichen Fakultät Freiburg neu geschaffene Fach Landespflege und baute das gleichnamige Institut auf. Bis zum Jahr 1986 hatte er den Lehrstuhl "Weltforstwirtschaft und Landespflege" inne.

Mit seiner Emeritierung vor nunmehr 15 Jahren verließ Hanjürg Steinlin aber keineswegs die professionelle Arena: Zahlreiche Engagements im Ausland im Rahmen der Entwicklungspolitik, aber auch im Inland und insbesondere in der Schweiz im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Konzepte im Bereich des Forstwesens, aber auch der Hochschulstrukturen zeigten und zeigen, dass sein Rat bis heute begehrt ist. Die an der Forstwissenschaftlichen Fakultät Freiburg tätigen Kollegen bewundern seine Präsenz und Eloquenz, wenn er sich in fakultätsinternen Diskussionen oder bei Kolloquiumsveranstaltungen zu Wort meldet und bauen in vielen fachlichen, aber auch hochschulpolitischen Fragen auf sein Urteil und seine Unterstützung.

Gero Becker


Veranstaltungshinweis:

Die Albert-Ludwigs-Universität und die Forstwissenschaftliche Fakultät veranstalten für Professor Steinlin am

Dienstag, den 22. Mai 2001, um 15.00 Uhr
im Haus "Zur Lieben Hand", Löwenstraße 16,

unter dem Thema "Visionen und pragmatische Lösungen für Fortswissenschaft, Holzindustrie und Hoschulpolitik" eine akademische Geburtstagsfeier.
Anmeldungen sind über das Dekanat der Fakultät, Telefon 0761/203-3601 oder Fax 0761/203-3600, möglich.


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