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Freiburger Universitäts-Kinderklinik beteiligt sich an der Deutschen Nierenwoche

Elternverein finanziert gemeinsam mit dem Klinikum ein neues Fluoreszenzmikroskop für die Nierenforschung

Freiburg, 10.10.2001



Weltweit nehmen die Nierenerkrankungen drastisch zu: Allein in Deutschland geht man davon aus, dass sich pro Jahr etwa 3000 bis 4000 neue Patienten einer Dialysetherapie unterziehen müssen. Für chronisch kranke Nierenpatienten gibt es bislang immer noch keine Heilungsmethoden. Für sie stellt die Transplantation bislang die einzige Chance dar, wieder ein Leben ohne Einschränkungen führen zu können. Aus diesem Grund widmet sich die diesjährige Deutsche Nierenwoche, die von Sonntag, den 7. bis Sonntag, den 14. Oktober stattfindet, insbesondere der Problematik Organspende und Transplantation. Ziel der vielfältigen Aktionen der Nierenwoche ist es, die Bevölkerung für das Thema Organspende zu sensibilisieren, Diskussionen anzuregen und vor allem auf die lebensrettende und lebenserleichternde Bedeutung für die Betroffenen aufmerksam zu machen. Viele Krankenhäuser, Dialyse- und Internistische Praxen sowie Selbsthilfevereinigungen aus ganz Deutschland haben ihre Teilnahme an der Nierenwoche zugesagt.

Hintergrund dieser Aktionen ist die Tatsache, dass die Zahl der Nierentransplantationen in den letzten beiden Jahren rückläufig ist, da die Zahl der Organspenden stagniert. Deswegen werden die Listen der Patienten, die auf eine Transplantation warten, immer länger. Momentan liegt die Wartezeit auf eine Spenderniere bei 4 bis 5 Jahren. Um diese Wartelisten abbauen zu können, benötigt man in Deutschland jährlich 4.500 Spendernieren. Tatsächlich wurden aber im Jahr 2000 nur 2.219 Nieren transplantiert. Für die Betroffenen ist die lange Wartezeit eine ungeheure Belastung. Die Abhängigkeit von einer dauerhaften Dialysetherapie schränkt die persönliche Freizügigkeit sowohl im täglichen Leben, als auch im Beruf und insbesondere im Bezug auf Reisen deutlich ein. Im Rahmen der Nierenwoche soll auf das Leid und die Probleme dieses Patientenkreises hingewiesen werden.

Die Freiburger Universitäts-Kinderklinik beteiligt sich an der Nierenwoche, indem Sie besonders auf die Situation von chronisch nierenkranken Jugendlichen aufmerksam macht. Zwar gibt es ein Bonussystem, das Kinder bei der Vergabe von Spenderorganen bevorzugt und eine schnelle Transplantation ermöglicht, jedoch endet dieser Bonus bei Vollendung des 16. Lebensjahres. Dann warten die Jugendlichen genauso wie die Erwachsenen 4 bis 5 Jahre, bis sie ein entsprechendes Organ bekommen. Bei Jugendlichen ist in diesem Alter eine schnelle Transplantation besonders wichtig, da sie sich aus verschiedenen Gründen in einer Umbruchsphase befinden: Zum einen ist die Pubertät der Zeitraum, indem alles in Frage gestellt wird und in dem chronisch nierenkranke Jugendliche besonders depressive Phasen durchleben. Zum anderen fällt in diese Zeit der Grundstein für die spätere Berufstätigkeit. Die Dialysetherapie stellt aber eine immense Zäsur im Alltag der Jugendlichen dar, so dass bei diese Patienten häufig ihre Zukunftsaussichten in Fragen stellen.

Um die Situation der chronisch Nierenkranken entscheidend zu verbessern, müssen die Bereiche Aufklärung und Forschung dringend intensiviert werden. So sollen Ängste in der Bevölkerung abgebaut werden, um die Zahl der Organspender deutlich zu erhöhen. Genauso wichtig ist es, die Forschung weiter voranzutreiben, um alternative Heilungsmethoden zu entwickeln. So steht den Wissenschaftlern im Nephrologischen Forschungslabor der Universitäts-Kinderklinik in Freiburg nun ein Fluoreszenzmikroskop zur Verfügung, an dessen Anschaffung der Verein Hilfe für Nierenkranke Kinder und Jugendliche ev. Freiburg sich maßgeblich beteiligt hat. Dieser Verein bemüht sich zudem, über die Anschaffung von Geräten hinaus, um den gesamten nicht medizinischen Bereich in der Versorgung der chronisch nierenkranken Kinder. So werden mit Hilfe der Vereinsmittel beispielsweise Sozialpädagogen eingestellt. Mit dem Fluoreszenzmikroskop, das 60.000 Mark kostete, wird es nun möglich sein, menschliches Gewebe, Zellkulturen und so genannte adulte Stammzellen besser zu erforschen. Forschungsschwerpunkte der Uni-Kinderklinik sind:

1. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HOS).
HOS ist die häufigste Ursache für Nierenversagen im Kindesalter. Als Verursacher sind Lebensmittelinfektionen in über 80% der Fälle anzuschuldigen. Die Infektion wird durch gefährliche Kolibakterien (EHEC) ausgelöst. Im Zellkulturlabor der Kinderklinik wird die Wirkungsweise dieser Toxine auf Nierenzellen untersucht. Die Aufklärung der Mechanismen soll neue Therapien ermöglichen. Für diese Untersuchung ist das Mikroskop dringend notwendig.

2. Angeborene und vererbbare Nierenerkrankungen
Die Kinderklinik Freiburg gehört weltweit zu den führenden Laboratorien für vererbbare Nierenerkrankungen, wie der Nephronothise und dem Bartter-Syndrom. Die wichtigsten Gene für diese Erkrankungen wurden im genetischen Labor der Kinderklinik entdeckt. Das Fluoreszenzmikroskop hilft in der weiteren Erforschung dieser schweren Nierenerkrankungen.



Kontakt:

Prof. Dr. Lothar B. Zimmerhackl
Universitäts-Kinderklinik Freiburg
Mathildenstr. 1
79106 Freiburg
Tel: 0761/270-4407
Fax:0761/270-4407
E-mail: Hackl@kkl200.ukl.uni-freiburg.de

Diplom-Sozialpädagoge Matthias Ehret
Universitäts-Kinderklinik Freiburg
Mathildenstr. 1
79106 Freiburg
Tel: 0761/208-5950
Fax: 0761/208-5951