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Neues aus dem Blicklabor der Universität: Blicken - Zählen - Rechnen

Führt mangelhafte Simultanerfassung zu schlechten Leistungen beim Rechnen?

Freiburg, 08.11.2001

Nach der Erforschung des dynamischen Sehens und der Blicksteuerung durch das Gehirn und der Bedeutung für den Leseprozess - besonders bei Legasthenie - hat sich die Blicklabor-Arbeitsgruppe um Professor Burkhart Fischer einer neuen Herausforderung gestellt: Wie entsteht der Zahlbegriff? Ausgelöst wurde diese Frage durch Menschen, die auch mit kleinen Zahlen zwischen 1 und 9 nur mühselig umgehen können: Sie benutzen die Finger, wenn es darum geht, 4 und 5 zusammen zu "zählen".

Pädagogen meinen, dass manche Kinder den Zahlbegriff nicht entwickeln konnten und deswegen nur (Eins dazu) zählen können. So könnte die spezifische Rechenschwäche (Dyskalkulie) entstehen. Normal entwickelte erwachsene Menschen können eine Menge von 7-8 gleichzeitig sichtbaren Dingen "auf einen Blick" erfassen und auf Anhieb sagen, wieviele es sind. Diese Fähigkeit nennt man die "Simultanerfassung".

Im Blicklabor ist man nun auf den Gedanken gekommen, dass bei Rechenschwachen diese Simultanerfassung nicht gut genug funktioniert und sie daher den Begriff der (An)-Zahl nicht gut entwickeln konnten. Sie kennen zwar die Ziffern, aber sie verbinden damit nicht die dazugehörige Menge, weil sie diese eben nicht so einfach wahrnehmen.

Nun wurde im Blicklabor ein quantitatives Testverfahren zur Simultanerfassung entwickelt und erprobt. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Altersentwicklung bis zum 15. Lebensjahr und dass rechenschwache Kinder diese Aufgabe im Durchschnitt deutlich schlechter als ihre altersgleichen Klassenkameraden lösen können.

Die Wissenschaftler prüfen nun, wie sie es diesen Kindern erleichtern können, die fehlende Entwicklung nachzuholen. Es war ihnen bereits zuvor gelungen, für lese-rechtschreibschwache und aufmerksamkeitsgestörte Kinder ein erfolgreiches Blick- und ein Hörtraining zu entwickeln. Diese Verfahren stehen der Öffentlichkeit im Blicklabor der Universität bereits zur Verfügung. Ein weiteres soll nun dazu kommen.

Kontakt:
Prof. Dr. Burkhart Fischer, Arbeitsgruppe Optomotorik und des Blicklabors des Zentrums für Neurowissenschaften der Universität Freiburg,
Tel.: 0761/270-9535, Fax: 0761/270-9500
E-Mail: bfischer@uni-freiburg.de

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