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Plädoyer für eine neue Universitas

Eröffnung des Akademischen Jahres: Rektor Jäger stellt sein Regierungsprogramm vor

Freiburg, 15.10.2003

Der Rektor der Albert-Ludwigs-Universität, Professor Dr. Dr. h.c. Wolfgang Jäger, hat anlässlich der feierlichen Eröffnung des Akademischen Jahres 2003/2004 an der Albert-Ludwigs-Universität am heutigen Mittwoch, den 15. Oktober 2003, im Auditorium maximum der Universität in einer programmatischen Rede die Schwerpunkte seiner dritten Amtszeit vorgestellt. Die Universität Freiburg, so der Rektor, stehe vor großen strukturellen und inhaltlichen Herausforderungen, denen man nicht nur mit einem großen Arbeitspensum, sondern auch mit einer entsprechenden Philosophie gerecht werden müsse. Erster Orientierungspunkt seiner Programmatik sei die Einheit von Forschung und Lehre in der Tradition Humboldts: Wissenschaft als Problemlösungskompetenz könne man auch heute noch den Studierenden am besten durch lehrende Forscher oder forschende Lehre vermitteln. Dabei habe ganz im Sinne Martin Heideggers zu gelten, das dass Fragen selbst die höchste Gestalt des Wissens sei.

Der Rektor erinnerte in seiner Rede im vollbesetzten Auditorium maximum der Universität ferner daran, dass Wissenschaft, wenn sie dem Menschen dienen wolle, auch als Ganzes und nicht nur in ihren Teilen am Menschen orientiert wirksam sein müsse. "Gerade in der Lehre muss deutlich werden, dass Forschung nicht um der Forschung willen, sondern um den Menschen willen betrieben wird. Diese Einheit der Wissenschaft ist die vornehmste Aufgabe der Universität." Natürlich wisse er, räumte Jäger selbstkritisch ein, dass der derzeitige Trend in der Hochschulpolitik der geistigen Einheit der Universität zuwider laufe. Hier bevorzuge man Reduktion und Konzentration von Disziplinen und orientiere sich nur zu oft an einigen berühmten amerikanischen Elite-Universitäten. Auch wenn dieser Trend nicht umkehrbar sei, so plädierte der Rektor der Freiburger Universität dennoch dafür, den Begriff der "Universitas" mit neuem Denken und neuer Lebenspraxis zu füllen. Deshalb bedürfe gerade eine " klassische" Universität wie die Alberto Ludovciana einer großen Bandbreite von Fächern, zu denen unbedingt auch die derzeit auf dem landespolitischen Prüfstand stehenden "kleineren Fachgebiete" zu zählen seien. Gerade diese würden dazu beitragen, dass die Albert-Ludwigs-Universität nicht zu einer einseitig spezialisierten Hochschule werde.

Das Bekenntnis zu dieser neuen Universitas ist für Rektor Jäger die tragende Leitidee, um jenen Herausforderungen zu begegnen, vor denen die Albert-Ludwigs-Universität steht. Notwendig sei es, dass sich alle Fächer einer kritischen Überprüfung ihrer Leistungsfähigkeit stellten und die notwendigen inhaltlichen und strukturellen Voraussetzungen schafften, um ihre Existenzberechtigung nachzuweisen. Jäger: "Nur der lebendige Dialog von hinreichend ausgestatteten Geistes- und Naturwissenschaften, von Theologie und technischen Disziplinen befähigt uns zu der für den internationalen Wettbewerb notwendigen Exzellenz in Lehre und Forschung". In diesem Prozess, so Jäger, komme gerade den Lebenswissenschaften als Leitwissenschaft einer neuen Universitas eine besondere Bedeutung zu. Neben dem Ausweis ihrer eigen Exzellenz sei es gerade diesen Fächern aufgegeben, den Dialog der unterschiedlichen Wissenschaftsbereiche wegweisend anzuleiten und zu befruchten.

In seiner Rede bekannte sich der Rektor der Albert-Ludwigs-Universität nachdrücklich zur akademischen Lehre als einem tragenden Pfeiler der Exzellenz der Universität Freiburg. Damit dies jedoch so bleibe, seien auch zukünftig kontinuierliche Anstrengungen erforderlich. Dazu zählte Jäger vor allem die Studienreform, die modere und effiziente Strukturen mit inhaltlicher Güte verbinde. Die Bachelor- und Master-Studiengänge böten große Chancen, das herausragende Profil der Universität weiter zu schärfen sowie die Absolventinnen und Absolventen der Alma mater mit guten Erfolgsaussichten auf den Arbeitsmarkt zu entlassen. Ausdrücklich bekannte sich der Rektor zur Einheit von Medizinischer Fakultät und Klinikum als integralen Bestandteilen der Universität Freiburg. Sowohl Fakultät als auch Klinikum "leisten ihren Beitrag zu Forschung und Lehre, insbesondere durch interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wir werden daher die Zusammenarbeit mit dem Klinikumsvorstand und der Fakultät weiter intensivieren und unsere gemeinsame Präsentation nach außen verbessern".

Selbstverständlich benötigen Forschung und Lehre, so Rektor Jäger, ein effizientes und hochwertiges Dienstleistungsangebot einer modern geführten Verwaltung sowie eine der gewachsenen Autonomie der Hochschule angemessene Organisation der Selbstverwaltung. Dazu sei es notwendig, verfügbare Ressourcen effizienter einzusetzen sowie Qualitätsmerkmale und Konkurrenzfähigkeit durch wirtschaftliche Führung zu sichern. Die angestrebte dezentrale Ressourcenverantwortung der Fächer bilde eine wesentliche Grundlage für deren Fähigkeit, in eigener Verantwortung ihr Profil zu stärken und zu schärfen. Dazu gehöre ferner, dass die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Freiburg weiter gestärkt werden müsse, indem man beispielsweise die Fort- und Weiterbildungsangebote ausbaue, den Hochschulsport stärke sowie eine Verbesserung der Wohnraumsituation insbesondere für ausländische Studierende anstrebe.

Nachdrücklich plädierte der Rektor der Universität für eine Stärkung der Gesamtinstitution Universität gegenüber deren zentrifugalen Kräften: "Ein Konglomerat disparater Einheiten wird nicht in der Lage sein, wissenschaftliche Exzellenz und eine effektive Außendarstellung zu erreichen - Voraussetzungen für die Einwerbung der notwendigen Ressourcen". In diesem Sinne werde man sich in den nächsten Jahren auch verstärkt um eine Corporate Identity bemühen, um die Einheit von Forschung und Lehre nach innen und nach außen Wirklichkeit werden zu lassen. Gerade die aktuell anlaufenden Vorbereitungen für identitätsstiftende Projekte wie die 550-Jahrfeier im Jahre 2007, das Universitätsmuseum oder Alumni Freiburg seien geeignet, um das qualitativ herausragende, unverwechselbare Profil der Universität Freiburg gegenüber der Öffentlichkeit weiter zu schärfen und zu transportieren.

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